"Pop-up-Dinner" in Heidelberg: Sie möchten die Bahnstädter zusammenbringen
Heidelberg. (dns) Ein Uni-Seminar endet im Bachelor-/Master-System für Studenten in der Regel mit einer Leistung, die sie erbringen. Meist ist das eine Hausarbeit, eine Klausur oder eine mündliche Prüfung. Dass das auch ganz anders - und deutlich spannender - geht, zeigt eine Gruppe von Ethnologie-Studenten: Deren zwei Seminare zu urbanen Plätzen und Räumen enden nämlich am Freitag, 20. Juli, um 19 Uhr mit einem großen "Pop-up-Dinner" in der Bahnstadt. Und das Beste ist: Die Veranstaltung steht allen - auch Nicht-Bahnstädtern - offen.
Als Vorbild für das Event dienen die "Diners en Blanc" (Deutsch: Dinner in Weiß): privat organisierte Massen-Picknicks, die in Paris ihren Ursprung haben und mittlerweile weltweit beliebt sind. In Heidelberg finden die gemeinsamen Abendessen, bei denen alle Gäste sich weiß anziehen, etwa regelmäßig auf dem Wilhelmsplatz statt.
Die Idee ist, dass Einzelne oder Gruppen sich ihr Essen selbst mitbringen - im besten Fall wird daraus ein Vier-Gänge-Menü. "Aber es muss natürlich nicht jeder alles mitbringen. Wir sind da sehr flexibel. Hauptsache man bringt irgendwas mit", erklärt Quinn Sommer. Der 22-jährige Student gehört mit seinen Kommilitoninnen Alena Illig und Constanze Hantscher zu den Hauptorganisatoren. Mit dabei sind auch Jing Sun, Mercedes Martinez und Amadou Sene.
Wo genau das Dinner am Freitag - bei dem die Gäste besonders bunt, nicht in Weiß, kommen sollen - stattfinden soll, wollen die drei jedoch noch nicht verraten. "Das ist bei den Diners en blanc normal", erklärt Sommer. "So bleibt es doch spannend", fügt Illig hinzu. Nur, wer sich bis Donnerstabend angemeldet hat, bekommt eine E-Mail mit dem genauen Treffpunkt.
Lediglich der Stadtteil ist mit der Bahnstadt bereits bekannt - und alles andere zufällig gewählt. "Es gibt so viel neuen Raum in der Bahnstadt, der noch nicht so richtig genutzt wird", findet Sommer. "Außerdem ist das Bild, das man in Heidelberg von dem Stadtteil hat, oft eher negativ", findet Illig, die selbst seit zwei Jahren dort wohnt. Sie befasst sich in einem Forschungsprojekt mit der Isolation von Studenten in Heidelbergs jüngstem Stadtteil, aber auch mit der Isolation der Bahnstädter in Heidelberg.
Denn auch darum geht es bei dem Dinner natürlich: Die Ethnologen wollen Erkenntnisse sammeln. Illig für ihr Projekt, Constanze Hantscher hat sich in den letzten Monaten schon mit dem Bild, das sie und andere von dem Stadtteil haben, befasst und muss zugeben: "Ich kannte die Bahnstadt nur als Pendlerin. Vom Hauptbahnhof aus sah sie für mich grau und eher heruntergekommen aus." Das hat sich geändert: Mittlerweile hat die 27-Jährige, genau wie ihre Kommilitonen, ein sehr positives Bild von dem Stadtteil. Und Sommer nutzt das Riesen-Picknick, weil er gerade ein "ethnologisches Kochbuch" verfasst, indem es einmal natürlich ums Kochen geht, aber auch um die Rolle von Essen für die Gemeinschaft.
Info: Im Internet unter https://popupdinner2018.wordpress.com/ kann man sich für das Dinner registrieren.
