CSD: BKA spricht von "besorgniserregendem Anstieg" queerfeindlicher Taten
Zehntausende feiern in Berlin den Christopher Street Day. Aus Furcht vor rechter Gewalt erhöht die Polizei die Präsenz. Das BKA sieht gar einen "besorgniserregenden Anstieg" von queerfeindlichen Straftaten. Keine Regenbogenflagge auf dem Bundestag, aber Zehntausende Menschen auf den Straßen: Der diesjährige Christopher Street Day (CSD) in Berlin steht unter dem Motto "Nie wieder still" und wird von vielen Menschen begleitet. Die Demonstration hat einen politischen Fokus, mit klaren Forderungen nach Gleichberechtigung und Schutz queerer Menschen. Ausgelassene Partystimmung herrscht trotzdem: Es gibt laute Musik, schrille Kostüme und zahlreiche Regenbogenflaggen. Flaggenstreit: Klöckner verteidigt ihr Vorgehen Aufzug: So verlief der CSD in Berlin Die Veranstalter rechneten mit mehreren Hunderttausend Teilnehmenden. Die Berliner Polizei erhöhte dabei ihre Sicherheitsmaßnahmen. Nicht nur wegen einer rechten Gegendemo in Berlin. Polizeigewerkschafter Benjamin Jendro, Sprecher des GdP-Landesverbands Berlin, sprach von sicherheitsrelevanten Fragen, "die vor Jahren noch keine Rolle gespielt haben". Jendro sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Zudem sehen wir gerade aus dem rechtsextremistischen Milieu immer häufiger gezielte Gewalttaten gegen die LSBTIQ-Community, durch unberechenbare Einzeltäter, aber auch organisierte Gruppen, bei denen Mitstreiter extra nach Berlin anreisen, weshalb man selbstverständlich jegliche Kundgebungen in der Nähe im Blick haben muss." Neues Lagebild des BKA Die Einschätzung deckt sich mit Zahlen, die das Bundeskriminalamt (BKA) zuletzt im "Lagebericht zur Sicherheit von LSBTIQ*" vorlegte. Demnach sieht das BKA einen "besorgniserregenden Anstieg queerfeindlicher Straftaten über die vergangenen Jahre". Allein 2023 richteten sich demnach 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ*, im Jahr zuvor waren es noch 1.188 gewesen. Die Einschätzung der BKA-Experten zum drastischen Anstieg der Übergriffe: "Dies wird einerseits mit der LSBTIQ*-feindlichen Gegenreaktion auf die wachsende Sichtbarkeit von LSBTIQ* in Verbindung gebracht. Andererseits wird auch davon ausgegangen, dass die Anzeigenbereitschaft unter LSBTIQ* langsam zunimmt." Dabei gehen die Kriminologen beim BKA von einer hohen Dunkelziffer aus. Eine EU-Studie unter dem Titel "A long way to go for LGBTI equality“ – frei übersetzt: ein langer Weg zur Gleichberechtigung – kam im Jahr 2020 zu dem Schluss, dass 96 Prozent der queerfeindlichen Hassrede und 87 Prozent der körperlichen oder sexuellen Übergriffe nicht zur Anzeige gebracht werden.