Die Linke warnt vor den sozialen Folgen extremer Hitze in Städten. Insbesondere ärmere Quartiere leiden oft unter intensiver Bebauung und mangelndem Grün. In dieser Woche steigen die Temperaturen in Deutschland auf weit über 30 Grad: Die Linke warnt deswegen, dass vor allem ärmere Menschen unter dieser Hitze leiden könnten. Die kühleren Gegenden der Städte und die am besten gedämmten Wohnungen seien auch die teuersten, mahnt Linken-Chef Jan van Aken. "Ich finde, auch vor bezahlbaren Wohnungen müssen ein paar Bäume stehen. Denn ein bisschen Grünzeug sorgt für kühlere Städte, auch während Hitzewellen", so van Aken zu t-online. Der Linken-Chef fordert, dass Kommunen verpflichtet werden müssen, städtebauliche Pläne für Hitzeschutz zu erstellen und umzusetzen. "Es wird auch Geld nötig sein, um Wohnungen fit für Hitzesommer zu machen." Allerdings dürfe nicht der Fehler von Luxussanierungen wiederholt werden, "indem Städte so an die Hitzewellen angepasst werden, dass dadurch Menschen aus ihren Nachbarschaften verdrängt werden". Die "Calima" legt alles lahm: Hitzewelle in Europa Bis knapp unter 40 Grad: Nach der Hitzewelle kracht es – DWD warnt amtlich Van Aken warnt, dass der "von der Regierung großmäulig angekündigte Bau-Turbo" das Hitzeproblem noch verschärfen werde. Mit dem sogenannten Bau-Turbo sollen die Kommunen die Möglichkeit erhalten, Genehmigungsverfahren zu straffen. Sie sollen dafür von Bebauungsplänen abweichen können. So soll rasch zusätzlicher Wohnraum entstehen, auch in bestehenden Quartieren. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte im Juni zu dem Vorhaben: "Wir wollen, dass die Bagger in unserem Land rollen." Linke will "grüne Inseln" Die Linke fürchtet, dass durch die Lockerungen von Schutzvorgaben im Baurecht Erfrischungsorte in den Städten, wie etwa grüne Innenhöfe, überbaut werden könnten. Katalin Gennburg, Sprecherin für Bauen der Linksfraktion im Bundestag, kritisiert: "Der Bau-Turbo befördert ausgerechnet die Bauinvestoren, denen auch jede Gemeinwohlorientierung abgeht und denen auch die Bevölkerung egal ist." Sie fordert Gesetze zum Schutz aller Kleingärten, Wälder und Naturschutzgebiete und die Schaffung "grüner Inseln" im öffentlichen Raum. Auch Umweltschützer wie der Naturschutzbund Nabu warnen, dass "Bauen im Eiltempo auf der grünen Wiese" keine Antwort auf die Wohnungsfrage sei, sondern "ein Rückschritt im Natur- und Klimaschutz". Der Bau-Turbo sei "ein Geschenk für Investoren und die Bauwirtschaft". Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) betonte hingegen, dass Deutschland den Bau-Turbo brauche. "Die Genehmigungsverfahren dauern manchmal länger als der Bau selbst; das kann man niemandem mehr erklären", betonte sie. Wohnen sei zu teuer, und das treibe die Gesellschaft auseinander. Schneller planen heiße aber nicht, dass das Umweltrecht an die Seite gestellt würde. Es wird erwartet, dass der Bau-Turbo im Herbst im Bundestag verabschiedet wird. Das Thema Hitze steht im Bundesbauministerium schon länger auf der Tagesordnung. Mit einer Hitzeschutzstrategie sollen Städte an steigende Temperaturen und Extremwetter angepasst und lebenswerter gestaltet werden. Über spezielle Programme zur Klimaanpassung werden Kommunen dabei finanziell unterstützt. Kritiker fürchten, dass diese Ziele mit dem Bau-Turbo unterlaufen werden könnten, da es keine explizite Pflicht für Hitzeschutzmaßnahmen gibt. Millionen Menschen von extremer Hitze betroffen Einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge sind mehr als 12 Millionen Menschen in deutschen Städten an ihrem Wohnort extremer Hitze ausgesetzt. Oft, aber nicht immer, seien sozial benachteiligte Quartiere stärker betroffen. Wichtige Faktoren für die Hitzebelastung sind enorme Versiegelung und zu wenig kühlendes Grün. Straßen, Parkplätze und Dächer lassen kein Wasser versickern – und damit fehlt die kühlende Verdunstung. Die Flächen speichern Hitze und strahlen sie lange ab, wodurch sich Städte besonders aufheizen. In den Sommermonaten führen außergewöhnlich hohe Außentemperaturen regelmäßig zu einem signifikanten Anstieg der Sterblichkeit – besonders bei Menschen ab 75 Jahren. Hitzewellen führen zwar nur selten zu Todesfällen, sie verschlimmern aber bestehende Erkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems. Daher kann das Robert Koch-Institut die hitzebedingten Sterbefälle in Deutschland nur schätzen. Im Jahr 2025 liegt diese Zahl bei rund 1.620 hitzebedingten Sterbefällen bis zur 30. Kalenderwoche, also Ende Juli. Für Spott sorgte jüngst der neu gestaltete Berliner Gendarmenmarkt , der für mehr als 20 Millionen Euro umgebaut wurde. Obwohl es hier nicht um neuen Wohnraum geht, steht das Projekt für viele sinnbildlich für eine Steinwüste in der Innenstadt. Zwar trägt ein nachhaltiges Regenwassermanagement zur Klimaresilienz bei, doch Hitzeschutz in Form von begrünten Flächen oder natürlichem Schatten durch Bäume bleibt begrenzt.