Genf: Kein globales Plastikabkommen – warum die Verhandlungen scheiterten
Gut 180 Länder haben über drei Jahre über ein Abkommen gegen Plastikmüll verhandelt. Zum Abschluss der Gespräche ist der Vertrag jedoch gescheitert. Die geplante Einigung auf ein globales Abkommen gegen Plastikmüll ist vorerst nicht zustande gekommen. Rund 180 Länder konnten sich nach einem dreijährigen Prozess bei den Abschlussverhandlungen in Genf nicht auf einen Vertragstext einigen, wie mehrere Delegationen am Freitagmorgen im Plenum deutlich machten. Ziel der Verhandlungen: Ein rechtlich bindendes Abkommen, um die Unmengen von Plastikmüll auf der ganzen Welt einzudämmen. Diese zerstören die Ökosysteme und gefährden die Gesundheit der Menschen, etwa durch die Abgabe von Mikroplastik in Bestandteile der Nahrungskette. Der Vertrag sollte den gesamten Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion über das Design bis zum Umgang mit Abfall. Studie veröffentlicht: Diese Maßnahmen reduzieren Plastikmüll Abgründe der Mode-Industrie: Die Katastrophe ist längst eingepreist "Besser als eines, das den Status quo zementiert" Zwei große Gruppen stritten sich besonders heftig über den Vertrag: Deutschland und mehr als 100 weitere Länder wollten die Plastikproduktion auf ein nachhaltiges Niveau begrenzen, Einwegplastik wie Besteck, Becher und Verpackungen aus dem Verkehr ziehen und auf wiederverwendbare Produkte, Recycling und Kreislaufwirtschaft setzen. Dagegen standen Länder, die den Rohstoff für das Plastik haben: Öl. Darunter sind Saudi-Arabien , der Iran und Russland . Diese Länder tun alles, um Produktionsbeschränkungen zu verhindern. Schon am Mittwoch war klar, dass die Positionen der Länder so weit auseinanderliegen wie eh und je. Ein Vertragsentwurf, aus dem praktisch alle bindenden Verpflichtungen gestrichen waren, wurde von Dutzenden Ländern zurückgewiesen. Auch ein neuer Entwurf vom Freitagmorgen fand keine einhellige Zustimmung, wie der Konferenzvorsitzende sagte. Plastik vermüllt die Welt: Selbstgeschaffene Geißel der Menschheit – ein Kommentar "Kein Abkommen ist in diesem Fall besser als eines, das den Status quo auf UN-Ebene zementiert, anstatt eine echte Lösung für die Plastik-Krise zu sein", sagte Florian Titze von der Umweltstiftung WWF. 600 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2050 Der Auftrag, den die UN-Länder sich selbst 2022 gegeben hatten, war eigentlich klar: Im Mandat heißt es, der rechtsverbindliche Vertrag soll den ganzen Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung. Plastik vermüllt Meere, Umwelt und Luft, tötet Fische und andere Lebewesen und gefährdet die menschliche Gesundheit. Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden. Laut Bundesumweltministerium hat sich die Kunststoffproduktion von den 1970er Jahren bis 2020 auf 367 Millionen Tonnen im Jahr versiebenfacht und könnte ohne Maßnahmen bis 2050 fast 600 Millionen Tonnen im Jahr erreichen. Einen großen Teil machen demnach Einwegprodukte aus, darunter Verpackungen. In Flüssen und Ozeanen haben sich nach Schätzungen weltweit 152 Millionen Tonnen Plastikabfälle angesammelt.