Ryanair-Chef Eddie Wilson rechnet mit der deutschen Luftfahrtpolitik ab. Er sieht keine Zukunft für Investitionen und kündigt neue Flugstreichungen an. Ryanair-Chef Eddie Wilson hat die deutsche Regierung scharf für hohe Steuern kritisiert und weitere Flugkürzungen angekündigt. Im Gespräch mit dem Nachrichtenportal "Focus Online" warf Wilson der Bundesregierung vor, keinen Plan zur Wiederbelebung des Luftverkehrs zu haben. Deutschland leide unter den höchsten Flugpreisen in Europa, weil die Luftverkehrssteuer, Flugsicherheits- und Flughafengebühren deutlich höher seien als in anderen Ländern. "Für uns liegt Deutschland jetzt im Rückspiegel", sagte der Airline-Chef. Zudem erklärte er: "Deutschland hat sich als das wettbewerbsschwächste Land in Europa erwiesen." Im Winterflugplan wolle Ryanair weitere Verbindungen streichen. Michael O'Leary : Ryanair-Chef nennt Passagiere mit zu viel Gepäck "eine Plage" Irland : Restaurant berechnet Ryanair-Chef mehr Beinfreiheit Ryanair-Chef fühlt sich von Regierung ignoriert Wilson rechnete vor, dass es Passagiere bereits rund 55 Euro koste, einen deutschen Flughafen zu betreten – noch bevor Koffer, Kerosin oder Piloten bezahlt seien. Das entspreche fast dem Durchschnittspreis eines Ryanair-Tickets ohne Zusatzleistungen, der bei etwas über 50 Euro liege. Wilson stellte den Vergleich von Berlin und Dublin auf: Während der BER im vergangenen Jahr nur 25 Millionen Passagiere abgefertigt habe, seien es in Dublin 35 Millionen gewesen – obwohl Irland deutlich kleiner sei. Wilson sagte, er habe der Regierung das Angebot gemacht, die Zahl der Flugzeuge und Passagiere in Deutschland bei einer Halbierung der Gebühren zu verdoppeln – doch darauf habe die Regierung nicht einmal reagiert. Andere europäische Staaten wie Schweden oder Ungarn hätten Luftverkehrssteuern gesenkt oder abgeschafft, um Airlines zu halten und neue Routen zu gewinnen. In Deutschland dagegen schrumpfe nicht nur Ryanair, auch Lufthansa habe ihr Angebot reduziert. Nach Angaben des Branchenverbands BDL liegen die Passagierzahlen in Deutschland noch immer rund 16 Prozent unter dem Niveau der Voro-Corona-Zeit. Laut BDL haben Direktfluggesellschaften seit 2019 fast jedes dritte in Deutschland stationierte Flugzeug ins Ausland verlagert – von 190 Jets seien nur noch 130 geblieben. Billig-Flieger bleibt bei strengen Gepäckregeln Der Ryanair-Chef betonte, dass die Zugangskosten zu Flughäfen – also Landegebühren, Flugsicherung und Sicherheitskontrollen – den einzigen großen Unterschied zwischen den Ländern ausmachten. "Der BER ist hoffnungslos ineffizient, Hamburg ebenfalls", so Wilson. Auch kleinere Flughäfen verlören an Attraktivität, weil die Gebühren stiegen. Neben der Steuerpolitik griff Wilson auch die deutsche Flugsicherung an. Diese gehöre zu den "schlechtesten in Europa" und leide unter Personalmangel. Millionen Passagiere seien in diesem Jahr bereits von Verspätungen betroffen gewesen. Wilson erklärte zudem, dass Ryanair bei den Gepäckregeln strikt bleiben will. Eine Tasche, die unter den Sitz passt, sei kostenlos, für alles andere müssten Passagiere zahlen. "Wenn Sie mit einer zu großen Tasche auftauchen, müssen Sie dafür bezahlen – alle anderen haben es auch getan", sagte Wilson.