Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt. Das zeigt sich vor allem zwischen den Altersgruppen. Die Rolle von Immobilien ist dabei entscheidend. Wenn Sie unter 50 Jahre alt sind und noch keine Immobilie besitzen, dann sind Sie in Deutschland tendenziell arm dran. Denn die Menschen, die im Land das meiste Vermögen besitzen, halten dieses Vermögen zu einem großen Teil in Immobilien. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellsten Vermögensbefragung der Deutschen Bundesbank, die alle drei bis vier Jahre durchgeführt wird. Die neueste Befragung beruht auf Daten aus dem Jahr 2023. Vermögen in Deutschland ist ungleich verteilt So sind 91 Prozent der vermögendsten Personen im Land Immobilienbesitzer. Von den ärmsten 20 Prozent des Landes sind nur drei Prozent Eigenheimbesitzer. Neben Immobilienbesitz ist der Besitz von Anteilen eines Unternehmens der zweitwichtigste Baustein für ein hohes Vermögen. 22 Prozent der wohlhabendsten Menschen sind demnach Unternehmer. Die Bundesbank-Studie zeigt auch, dass in Deutschland das Vermögen im europäischen Vergleich sehr ungleich verteilt ist. Nur in Österreich ist es noch ungleicher als hierzulande. Allerdings wurden in die Berechnung die Ansprüche an die gesetzliche Altersvorsorge nicht einbezogen. Laut der Bundesbank wäre die Ungleichheit in Deutschland weniger stark ausgeprägt, wenn die Ansprüche auf Rentenleistungen berücksichtigt würden. Das meiste Vermögen liegt im Südwesten Beim Blick auf die Demografie zeichnet sich ein klares Bild der Vermögensverteilung: Der Deutsche mit dem höchsten Nettovermögen ist ein Mann zwischen 55 und 65 Jahren, der in Südwestdeutschland lebt. Im Median haben Deutsche aller Altersklassen im Südwesten (Bayern, Baden-Württemberg und Hessen) ein Nettovermögen von 188.800 Euro. "Median" bedeutet, dass es genauso viele Menschen gibt, die mehr als den Wert des Medians haben, wie solche, die weniger haben. Die angegebene Zahl bildet also genau die Mitte. In Ostdeutschland liegt das Nettovermögen im Median bei 35.900 Euro und damit deutlich darunter. Unter Nettovermögen versteht die Bundesbank alle Vermögensanteile, außer Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung , also: Immobilien, Finanzvermögen, Wertgegenstände, Unternehmensbeteiligungen und Wertpapiere. Die Altersgruppe der über 55-Jährigen hat auch das größte Nettovermögen in Deutschland. Die 55- bis 64-Jährigen haben im Median 250.000 Euro an Vermögen, gefolgt von den 65- bis 74-Jährigen, die über 200.000 Euro besitzen. Auf dem dritten Rang liegt die Kohorte der 45- bis 54-Jährigen mit einem Nettovermögen von etwas mehr als 150.000 Euro. Dahinter folgen die über 75-Jährigen mit einem Nettovermögen von etwas weniger als 150.000 Euro. Weit darunter kommen die 35- bis 44-Jährigen mit gerade mal um die 70.000 Euro im Median. Immobilien sind entscheidend für das Vermögen Besonders bedeutend ist hier der Immobilienbesitz , wie auch die Autoren des Berichts erläutern: "Bewegt man sich entlang der Vermögensverteilung von den Haushalten mit geringeren Vermögen zu denen mit hohen Vermögen, steigt die Bedeutung des Immobilienbesitzes." Dies zeigt, dass es inzwischen von entscheidender Bedeutung ist, in Deutschland eine Immobilie zu besitzen, um der Armut zu entkommen. Erst beim Übergang von "reich" zu "sehr reich" werden auch Unternehmensbeteiligungen relevant. Für die untere Hälfte der Haushalte ist das Finanzvermögen (Giro- und Sparkonten) sowie Sachvermögen (vor allem Autos) der mit Abstand bedeutendste Bestandteil des eigenen Vermögens. Eigentum zunehmend unerschwinglich In Deutschland werden allerdings Wohnimmobilien immer unerschwinglicher . Im Juli erstellte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zusammen mit dem Immobilienexperten Interhyp einen Erschwinglichkeitsindex, der zeigt: Seit 2019 ist die Erschwinglichkeit von Immobilien stark zurückgegangen. Besonders in Ballungsgebieten sowie generell im Südwesten kann sich eine Familie in der oberen Mittelschicht nur noch unter erheblicher finanzieller Belastung Eigentum erwerben. Ältere Menschen wohnen auch in größeren Häusern Das bildet sich auch in der durchschnittlichen Wohnfläche nach Altersgruppen ab: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) 2023 ermittelt hat, haben alleinlebende Menschen über 65 Jahre mit 83 Quadratmetern pro Kopf den durchschnittlich höchsten Wohnraum in Deutschland zur Verfügung. Familien bzw. Haushalte mit vier Personen oder mehr hatten je nach Alter zwischen 25 und 35 Quadratmeter pro Kopf zur Verfügung. Ältere Menschen, die im Wohneigentum lebten, haben auch durchschnittlich größere Immobilien als jüngere Eigentümer, im Schnitt sogar 28 Prozent mehr als die 45- bis 64-Jährigen. Teure Immobilien erschweren Vermögensaufbau Es zeigt sich also zunehmend: Das Vermögen in Deutschland liegt vornehmlich in Immobilien , die häufiger im Besitz älterer Menschen sind. Für Familien und jüngere Menschen im Land wird es immer schwieriger, überhaupt ein Eigenheim zu kaufen und sich dadurch zu den Vermögenden im Land zu gesellen. Wenn diese Gruppe eine Immobilie kauft, dann unter erheblicher finanzieller Belastung. Zudem ist die Immobilie im Schnitt kleiner als die Häuser älterer Menschen. Parallel steigen auch die Mietpreise , was es auch für ältere Menschen unattraktiv macht, überhaupt in eine kleinere Wohnung zu ziehen, um einer Familie vielleicht Platz zu machen.