Der Trump-Anhänger und Influencer Charlie Kirk wurde erschossen. In den USA beginnen die Schuldzuweisungen. Rechte Akteure rufen zu Waffengewalt und Bürgerkrieg auf. Das Attentat auf den rechtskonservativen Aktivisten Charlie Kirk zeigt die tiefe gesellschaftliche und politische Spaltung in den USA . Sowohl auf sozialen Netzwerken als auch in der Bundespolitik kommt es zu Zerwürfnissen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Insbesondere die Maga-Bewegung ("Make America Great Again") von US-Präsident Donald Trump ruft teils zu massiver Gewalt gegen Linke bis hin zum Bürgerkrieg auf. Eine Episode vom Mittwoch aus dem US-Repräsentantenhaus macht die Situation deutlich: Als die Abgeordneten von dem Attentat erfuhren, hob die Republikanerin Lauren Boebert aus Colorado die Hand und bat um ein Gebet. Doch einige demokratische Abgeordnete stellten sogleich die Frage, warum Mordanschlägen auf weniger prominente Persönlichkeiten nicht die gleiche Aufmerksamkeit zukomme. Darauf brach ein Tumult aus, es gab Geschrei und Schuldzuweisungen. Dieser Vorfall zeichnete ein Bild einer Nation, die durch politische Verbitterung zerrissen ist. Kommentar zum Mord an Charlie Kirk: Ein Schuss stürzt das Land ins Chaos Ein gezielter Schuss: Was wir bislang über das Attentat wissen Der Tod von Kirk, dem 31-jährigen Mitbegründer der konservativen Interessengruppe Turning Point USA und überzeugten Anhänger von Präsident Donald Trump , löste bei vielen seiner konservativen Parteikollegen Wut aus. Sie gaben den Liberalen die Schuld an dem Anschlag, während die Demokraten größtenteils einen zurückhaltenderen Ton anschlugen, politische Gewalt allgemein verurteilten und erneut strengere Waffengesetze forderten. "Das muss aufhören" Steve Scalise, der zweithöchste Republikaner im Repräsentantenhaus, der 2017 ein Schusswaffenattentat bei einem Baseballtraining des Kongresses überlebt hatte, mahnte: "Wir sehen seit Längerem, wie sich dieses Problem verschärft, und wir müssen etwas dagegen tun. Das muss aufhören." Ein Thema ist dabei Waffenkontrolle: Den neuesten Daten der Centers for Disease Control and Prevention zufolge starben im Jahr 2023 in den USA 46.728 Menschen durch Waffengewalt – die dritthöchste jemals verzeichnete Zahl. Die Zahlen stehen in deutlichem Kontrast zu der Kritik führender Politiker der Trump-Regierung an angeblich überbordender Gewalt in europäischen Ländern. Immer wieder werden US-Politikerinnen und -Politiker Opfer von Attentaten, auch Präsidenten und Abgeordnete. Erst im Juni waren im US-Bundesstaat Minnesota die demokratische Abgeordnete Melissa Hortman und ihr Ehemann Mark erschossen worden. Vor zwei Jahren verabschiedete der Kongress die erste umfassende Maßnahme zur Waffenkontrolle seit 30 Jahren. Es handelte sich um einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf, der Schlupflöcher stopfte und die Anzahl der Hintergrundüberprüfungen erhöhte, jedoch wenig zur Eindämmung der Schießereien beitrug. Die Verbreitung von Waffen in den USA ist ohnehin nur ein Teil des Problems. Die unterschiedlichen Reaktionen auf Kirks Tod zeigen, dass sich die klaffende politische Spaltung Amerikas wahrscheinlich noch vertiefen wird. Falsch verdächtigt für Mord an Kirk: "Ich bin einfach schockiert" Charlie Kirk: Er war mit einem Model verheiratet und sammelte Millionen Trump-Anhänger rufen zu "Bürgerkrieg" auf und machen Linke verantwortlich Schon bevor die Identität des Schützen bekannt wurde, stellten prominente Persönlichkeiten des rechten Flügels den Vorfall als Teil eines umfassenderen Angriffs der Linken auf den Konservatismus dar. "Amerika hat einen seiner größten Helden verloren", schrieb Stephen Miller, stellvertretender Stabschef des Weißen Hauses, auf X. "Wir alle müssen uns nun der Aufgabe widmen, das Böse zu besiegen, das Charlie aus dieser Welt geraubt hat." Laura Loomer, eine einflussreiche Maga-Anhängerin, forderte ein "hartes Durchgreifen der Regierung gegen die Linke. Jede einzelne linke Gruppe, die gewalttätige Proteste finanziert, muss geschlossen und strafrechtlich verfolgt werden. Keine Gnade." Elon Musk , umstrittener Milliardär und Eigentümer der Plattform X, war sogar noch unverblümter: "Die Linke ist die Partei des Mordes", schrieb er. Andere rechte Influencer sprachen auf X sogleich von "Krieg". So schrieb etwa der Blogger Brian Eastwood offenbar an Linke gerichtet: "Ich bin bereit für Bürgerkrieg. Ihr wollt einen Kampf und ihr werdet ihn bekommen." Der Influencer Joey Mannarino forderte, dass die Demokraten zur einer "terroristischen Organisation" erklärt werden sollten. Später rief er seine Anhänger dazu auf, sich eine Waffe zu kaufen und zu lernen, "wie man sie benutzt". Man wisse nie, wann man sie brauche, um sich und seine Familie zu verteidigen. "Demokraten sind dafür verantwortlich." Trump bekommt Gegenwind Und US-Präsident Donald Trump, der seine politischen Rivalen regelmäßig als "radikale linke Spinner" und sie als existenzielle Bedrohung für Amerika bezeichnet, führte den Fall auf eine überhitzte Rhetorik zurück. "Gewalt und Mord sind die tragische Folge davon, diejenigen zu dämonisieren, mit denen man nicht übereinstimmt", sagte er in einem Video, das er auf seiner Plattform Truth Social veröffentlichte. Er sprach in einem Video von einem "dunklen Moment für Amerika" und machte die "radikale Linke" für Kirks Tod verantwortlich: "Seit Jahren vergleichen radikale Linke wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den weltweit größten Massenmördern und Kriminellen", sagte Trump. "Diese Rhetorik ist unmittelbar für den Terrorismus , den wir heute in unserem Land sehen, verantwortlich und das muss sofort aufhören." Mord an Kirk: Erst vor zwei Tagen wurde er "verhext" Kritik an Sicherheitsvorkehrungen: "Keiner überprüfte die Besucher" Der Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, hielt sofort dagegen. "Ich glaube, es gibt Leute in diesem Land, die die Stimmung anfachen. Ich glaube, die Rhetorik des Präsidenten trägt oft dazu bei", kritisierte der US-Demokrat, der auch einen von Trump geplanten Einsatz der Nationalgarde in Chicago strikt ablehnt. Die ehemalige demokratische US-Abgeordnete Gabby Giffords, die selbst 2012 von einem Schützen schwer verletzt wurde, mahnte: "In demokratischen Gesellschaften wird es immer politische Meinungsverschiedenheiten geben, aber wir dürfen niemals zulassen, dass Amerika zu einem Land wird, das diesen Meinungsverschiedenheiten mit Gewalt begegnet." Täter sind meistens Rechte Ohnehin ist das Bild, das derzeit von rechten Akteuren in den USA verbreitet wird, laut Untersuchungen weit überzeichnet. Eine Auswertung der Initiative "Harnessing out Power to Ende Political Violence" (HOPE-PV) zeigt: Politische Gewalt mit Todesopfern in den USA geht fast ausschließlich von rechtsextremen Tätern aus. Reuters zählte seit dem Sturm aufs Kapitol 2021 insgesamt 14 Anschläge mit klarer Parteiprägung – 13 davon verübt durch Rechtsextreme, nur einer durch einen Linksextremen. Auch die Anti-Defamation League bestätigt den Trend: Zwischen 2013 und 2022 entfielen 75 Prozent aller extremistisch motivierten Morde auf rechtsextreme Gruppen. Während Drohungen und Einschüchterungen von Akteuren aus unterschiedlichen politischen Lagern ausgehen können, zeigen sich bei den Tätern klarere Muster: Meist handelt es sich um Einzeltäter oder kleine Zellen, häufig radikalisiert im Inland. Unterstützung für politische Gewalt ist besonders unter Anhängern rechter Verschwörungserzählungen und nationalistischen Strömungen verbreitet. Linksextreme sind zwar bei Protestgewalt und Sachbeschädigung präsent, tödliche Angriffe verüben sie jedoch kaum.