Der Krankenstand bei der Bundespolizei ist traditionell hoch. Politiker und Gewerkschaft warnen mit Blick auf die verstärkten Grenzkontrollen vor zusätzlicher Belastung. Die Grünen-Politikerin Irene Mihalic kritisiert angesichts eines "alarmierend hohen" Krankenstands bei der Bundespolizei das Festhalten von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) an den verstärkten Grenzkontrollen . Der Krankenstand sei ein weiterer "Hinweis auf die enorme Belastung der Beamtinnen und Beamten", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion t-online. "Auch in dieser Hinsicht ist es unverständlich, dass Bundesinnenminister Dobrindt an den personalintensiven Grenzkontrollen festhält und die Beamtinnen und Beamten fortgesetzt an ihre Belastungslimits bringt", so Mihalic. Die Gesundheit der Einsatzkräfte sei ein wertvolles Gut, das für den Bundesinnenminister allerhöchste Priorität haben sollte. "Mit immer höheren Krankenständen lässt sich vor allem bei den vielfältigen und gewachsenen Aufgaben der Bundespolizei auch das Versprechen nach mehr Sicherheit nicht seriös erfüllen", mahnt Mihalic. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen geht hervor, dass Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei im Jahr 2024 insgesamt 977.771 Arbeitstage krankheitsbedingt ausfielen. Diese Zahl umfasst sowohl den Polizeivollzugsdienst als auch den Verwaltungsdienst. Umgerechnet ergibt das eine Krankenquote von 9,3 Prozent – also konnte fast jeder zehnte mögliche Arbeitstag nicht geleistet werden. Besonders ins Gewicht fallen dabei die langfristigen Krankheitsfälle: Bei Ausfallzeiten von mehr als sechs Wochen lag die Quote bei 3,82 Prozent. Das zeigt, dass nicht nur kurzfristige Erkrankungen wie Erkältungen den Dienstbetrieb belasten, sondern auch längerfristige gesundheitliche Probleme eine Rolle spielen. Die Angaben stammen aus der Jahreskrankenstatistik des Bundesinnenministeriums. Für das Jahr 2025, in dem durchgehend an der Grenze kontrolliert wird, liegen noch keine Zahlen vor. Polizeibeamte überdurchschnittlich gesund bei Dienstantritt Die Krankenquote bei der Bundespolizei ist seit Jahren überdurchschnittlich hoch und liegt über dem allgemeinen Krankenstand in Deutschland, der meist bei um die fünf Prozent liegt. Auf Anfrage lieferte das Bundesinnenministerium keine Vergleichswerte zur Krankenquote bei der Bundespolizei für die Vorjahre. Dazu, ob die Daten im Ministerium nicht vorliegen, machte die Behörde auf Nachfrage keine Angabe. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) blickt mit Sorge auf den hohen Krankenstand. Dieser sei umso beachtenswerter, als die Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten im Vergleich zur Normalbevölkerung überdurchschnittlich gesund eingestellt würden, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdP, Sven Hüber, mit Blick auf die sogenannte Polizeidienstfähigkeit. Das bedeutet, dass jemand die besonderen körperlichen und psychischen Voraussetzungen erfüllt, um im Polizeivollzugsdienst voll einsatzfähig zu sein. Hüber nennt t-online mehrere Gründe für den verhältnismäßig hohen Krankenstand bei der Bundespolizei. Aufgrund der teils gefährlichen Tätigkeiten der Beamten gebe es häufiger Dienstunfälle. In vielen Bereichen der operativen Einsatzkräfte sei die Belastung außerdem "seit Längerem exorbitant hoch", so Hüber, der selbst Bundespolizist ist. Er kritisiert die hohe Zahl an Überstunden und die mitunter stattfindende Unterschreitung von Mindestruhezeiten, fehlende garantierte freie Wochenenden oder die fehlende Möglichkeit des Abbaus von Überstunden in einem längeren Block. Er moniert außerdem die "Überalterung in vielen operativen Dienstgruppen". Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen bei Grenzkontrollen Hüber sieht auch die verstärkten Grenzkontrollen als einen Faktor. Es dürfe nicht "übersehen werden, dass gerade bei den laufenden verstärkten Grenzkontrollen die Wetterschutzausstattung und die Arbeitsbedingungen an den Kontrollstellen immer noch vielfach ungenügend sind und gesundheitlich unzuträglich, was zusätzliche negative Auswirkungen hat". Die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte im September 2024 vorübergehende Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen eingeführt , um irreguläre Einreisen einzudämmen und Zurückweisungen konsequenter durchzusetzen. Seit Mai 2025 hat ihr Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) die Maßnahmen nicht nur verlängert, sondern auch verschärft und ausgeweitet. Aus der Antwort des Innenministeriums auf die Kleine Anfrage der Grünen geht auch hervor, dass die Bundespolizei seit der Verschärfung der Grenzkontrollen die Zahl der eingesetzten Kräfte deutlich erhöht hat. So waren seit September 2024 täglich rund 11.000 Beamtinnen und Beamte im Einsatz – davon etwa 9.800 aus den zuständigen Inspektionen sowie zusätzlich rund 1.200 Kräfte aus mobilen Einheiten und der Bundesbereitschaftspolizei. Seit Mai 2025 wurde dieser Personaleinsatz noch einmal deutlich ausgeweitet und liegt demnach inzwischen bei bis zu 14.000 Kräften pro Tag. An den Grenzen setzt die Bundespolizei im Rahmen der polizeilichen Ausbildung auch Auszubildende ein. Grundsätzlich sei ein Unterstützungseinsatz im Rahmen der verstärkten Grenzkontrollen an die Absolvierung eines Grenzpraktikums geknüpft, sodass die Auszubildenden sowohl theoretisch als auch praktisch auf das Aufgabengebiet vorbereitet seien, teilte die Bundespolizeiakademie auf Anfrage von t-online mit. Die Aufgaben in den Praktika und der praktischen Einsatzunterstützung umfassten das gesamte Spektrum der dort anfallenden polizeilichen Aufgaben, hieß es weiter. Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter führten dabei jedoch keine eigenständigen polizeilichen Maßnahmen durch. Angaben dazu, wie viele Auszubildende an den Grenzen eingesetzt werden, machte die Bundespolizeiakademie auf Nachfrage nicht. Dazu werde keine Statistik geführt, hieß es.