Strava klagt gegen Garmin: Verkaufsstopp für beliebte Sportuhren gefordert!
Strava hat vor dem Bundesbezirksgericht für Bezirk Colorado Klage gegen Garmin eingereicht und fordert, dass der Hersteller den Verkauf zahlreicher Sportuhren und Radcomputer einstellt sowie Funktionen in Garmin Connect entfernt. Der Vorwurf: Garmin habe Patente zu Segmenten und Heatmaps verletzt und zudem ein 2015 geschlossenes Kooperationsabkommen gebrochen. Damit stehen zwei zentrale Features im Fokus, die für viele Radfahrer, Läufer und Outdoor-Sportler seit Jahren selbstverständlich sind.
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Strava gegen Garmin – Worum geht es?
Konkret geht es um zwei Punkte:
- Erstens um Segmente, die Garmin schon 2014 mit dem Edge 1000 einführte – noch bevor Strava und Garmin gemeinsam „Live Segments“ etablierten. Laut Strava wurde damals vereinbart, dass Garmin die Funktion nicht eigenständig weiterentwickeln dürfe, was mit den bis heute bestehenden Garmin-Segmenten jedoch geschehen sei.
- Zweitens wirft Strava Garmin vor, Patente auf „User Preference Maps“ verletzt zu haben. Diese schützen die Idee, aus aufgezeichneten Aktivitäten Karten und Routenempfehlungen zu generieren – also das Prinzip hinter Heatmaps und Popularity Routing. Funktionen wie Garmins Trendline-Routing, Courses oder Heatmaps in Connect sollen diese Patente verletzen.
Doch die Sache hat einen Haken: Laut dem Tech-Blog DC Rainmaker hat Garmin Heatmaps bereits Anfang 2013 in Garmin Connect eingeführt – also über ein Jahr, bevor Strava die entsprechenden Patente anmeldete. Auch Drittentwickler nutzten damals schon Daten, um Heatmaps und Routenvorschläge zu erstellen. Der Blogger hält es deshalb für wahrscheinlich, dass ein Gericht die Strava-Patente für zu schwach befindet. Vergleichbare Fälle wie der gescheiterte Wahoo-Zwift-Prozess sollen zeigen, dass Software-Patente mit bekannter Vorarbeit oft keinen Bestand haben.
Laut DC Rainmaker dreht sich ein weiterer Teil der Klage um ein Strava-Patent für Segmente, das bereits 2011 angemeldet, aber erst 2015 erteilt worden sei. Strava behauptet, Garmin habe mit den eigenen Segmenten nicht nur gegen das Patent, sondern auch gegen ein im April 2015 geschlossenes „Master Cooperation Agreement“ (MCA) verstoßen. Dieses Abkommen habe Garmin nur eine eingeschränkte Nutzung von Strava-Segmenten erlaubt. Strava werfe Garmin jedoch vor, die Funktion eigenständig weiterentwickelt und mit Leaderboards sowie eigenen Segmenten in Garmin Connect ausgebaut zu haben. Obwohl Garmin-Segmente nie wirklich populär gewesen seien, sehe Strava darin eine Verletzung der vertraglichen und patentrechtlichen Grundlagen.
Hintergrund des Konflikts ist der Analyse zufolge weniger Technik, sondern eher ein eskalierender Streit um Datenhoheit und Markenplatzierung. Strava habe sich insbesondere an Garmins neuen API-Richtlinien von Juli 2025 gestört, die eine klare Herkunftsangabe bei Aktivitätsdaten vorsehen. Strava sehe dies als unerwünschte Werbung und Einschränkung der Nutzererfahrung, während Garmin auf gängige Standards wie bei Google Maps verweise. In Kombination mit Garmins wachsendem Abo-Angebot – etwa der im Mai vorgestellten „Trails+“-Funktion (wir berichteten über Garmin Connect+) – könne Strava das als Angriff auf sein eigenes Geschäftsmodell verstehen.
Vor diesem Hintergrund forderten die Kalifornier nun nicht nur Schadenersatz, sondern auch ein Verkaufsverbot für Geräte mit Segment- oder Heatmap-Funktionen. DC Rainmaker mutmaßt, dass Strava damit vor allem Stärke vor einem möglichen Börsengang demonstrieren will – riskiere dabei aber, ausgerechnet den wichtigsten Partner und Datenlieferanten zu verprellen.
Statement von Strava
In einem ausführlichen Statement auf Reddit erklärte Strava-Produktchef Matt Salazar die Hintergründe des Konflikts. Demnach habe Garmin am 1. Juli neue Entwickler-Richtlinien veröffentlicht, die Strava verpflichten sollten, auf jeder Aktivität gut sichtbar ein Garmin-Logo einzublenden – mit einer Umsetzungsfrist bis zum 1. November. Andernfalls drohe Garmin, die Schnittstelle für den automatischen Datentransfer zu blockieren. Strava lehnt diese Vorgabe ab und spricht von „blatant advertising“, also unverhohlener Werbung, die das Nutzererlebnis verschlechtern würde. Zudem betont das Unternehmen, dass die aufgezeichneten Aktivitäten den Sportlern selbst gehören und nicht als Werbefläche missbraucht werden dürften. Man habe über Monate versucht, eine weniger aufdringliche Lösung mit Garmin zu finden, sei damit aber gescheitert.
Die Reaktionen auf dieses Statement fielen überwiegend kritisch aus. Viele Nutzer warfen Strava Doppelmoral vor, da die Plattform selbst erst kürzlich ihre API für Drittanbieter stark eingeschränkt hatte. Auch die Angst ist groß, dass Garmin-Workouts künftig nicht mehr automatisch auf Strava landen – einige kündigten bereits an, im Falle einer Unterbrechung ihre Strava-Abos zu kündigen. Andere bezeichneten Stravas Haltung als überzogen: Ein kleines Garmin-Logo sei kaum ein Problem, zumal die App ohnehin mit Werbung und Challenges gefüllt sei. Unterstützung erhielt Strava nur vereinzelt; insgesamt dominierte in der Diskussion die Sorge, dass Stravas Vorgehen das Verhältnis zu Garmin-Nutzern nachhaltig beschädigen könnte.
Die Garmin Api Guidelines sehen eine Logo-Pflicht wie von Strava angeführt nicht vor – ein textlicher Hinweis ist ausreichend.
Die Klageschrift 25-cv-03074-DDD-CYC
Was sagst du zum Fall? Nutzt du Strava in Kombination mit einem Garmin-Gerät?
Wenn eine direkte Verbindung in Zukunft nicht mehr möglich wäre – bist du eher im Team Garmin oder im Team Strava?
