Deutsche Bahn verschiebt Start von Stuttgart 21 erneut
Stuttgart 21 wird erneut verschoben, der Termin im Dezember 2026 ist nicht haltbar. Technische Hürden beim Bau des Tiefbahnhofs verzögern das Vorhaben. Die Fertigstellung des Bauprojekts Stuttgart 21 verzögert sich weiter. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Projektpartner und des Bahn-Aufsichtsrates erfuhr, soll der Tiefbahnhof nicht mehr wie geplant im Dezember 2026 eröffnen. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind technische Probleme bei der Digitalisierung und beim Bau des Bahnhofs Grund für die Verschiebung. Im Juli hatte die Bahn noch angekündigt, Stuttgart 21 im Dezember 2026 zumindest teilweise in Betrieb nehmen zu wollen. Der Fernverkehr und ein Teil des Regionalverkehrs sollten ab dann in den neuen Tiefbahnhof fahren, ein Teil der Regionalzüge dagegen bis Juli 2027 weiter im alten oberirdischen Kopfbahnhof enden, wie die Deutsche Bahn (DB) damals mitteilte. Stuttgart 21: So versickern die Steuermillionen Neue Bahnchefin Palla: Sie soll die DB wieder in die Spur bringen Als Grund für die schrittweise Inbetriebnahme nannte das Unternehmen die Entzerrung von Sperrungen, die wegen der Arbeiten für den Anschluss der neuen Infrastruktur an die bestehenden Strecken nötig sind. Damit könne man die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste so gering wie möglich halten, sagte DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber im Juli. Zuvor war geplant gewesen, den Tiefbahnhof im Dezember 2026 vollständig in Betrieb zu nehmen und den Betrieb im alten Kopfbahnhof einzustellen. Einen neuen Termin für die Eröffnung gibt es bislang nicht. Der könne voraussichtlich erst Mitte des kommenden Jahres genannt werden, wenn ein valides Konzept für die Fertigstellung der Arbeiten vorliege, teilte ein Konzernsprecher dem Spiegel mit. Inbetriebnahme bereits mehrfach verschoben Gebaut wird an dem Projekt bereits seit 2010. Die Inbetriebnahme war bereits mehrfach verschoben worden, zuletzt auf Dezember 2026. Bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009 war man von einer Eröffnung 2019 ausgegangen. Die Gründe für die mehrmaligen Verschiebungen sind laut Bahn unterschiedlich: Klagen gegen das Projekt und geänderte Auflagen etwa beim Brandschutz. Weitere Faktoren für die Verzögerungen seien der "geologisch anspruchsvolle Untergrund im Stuttgarter Stadtgebiet" oder aufwendige Genehmigungsverfahren durch geänderte Gesetze beim Artenschutz. Das Projekt Stuttgart 21 steht nicht nur für den Bau des neuen Hauptbahnhofs in der Landeshauptstadt, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Gebaut werden neue Bahnhöfe - etwa ein neuer Fernbahnhof am Flughafen -, Dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren, Durchlässe sowie Brücken. Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm schließt neben Stuttgart 21 auch den Neubau der bereits 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm ein. Herzstück von Stuttgart 21 ist der neue unterirdische Hauptbahnhof, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird. Digitaler Bahnknoten Stuttgart Stuttgart soll mit dem Projekt Stuttgart 21 zum ersten vollständig digitalisierten Bahnknoten Deutschlands werden. Künftig sollen Fern- und Regionalzüge sowie die S-Bahn ausschließlich mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren. Klassische Lichtsignale werden dafür nicht mehr verbaut. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwieriger als geplant. In einer Präsentation für die jüngste Sitzung des Lenkungskreises war von weiterhin "abgespannten" Arbeiten die Rede – ein Hinweis auf erhebliche Verzögerungen. Schon bei der vorletzten Verschiebung auf Dezember 2026 hatte die Bahn die umfangreiche Digitalisierung als wichtigen Grund angeführt. Kosten steigen weiter Parallel dazu klettern die Kosten für das Großprojekt seit Jahren deutlich. Der Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 regelt lediglich die Aufteilung der Ausgaben bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro. Offiziell geht die Bahn inzwischen von rund 11 Milliarden Euro aus, ergänzt um einen Puffer von 500 Millionen Euro. Wie aus der Mai-Sitzung des Lenkungskreises hervorging, ist dieser jedoch bereits nahezu aufgebraucht: Die Summe beläuft sich aktuell auf etwa 11,3 Milliarden Euro. Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg verschärfte die Lage zusätzlich. Im August entschieden die Richter, dass die Bahn die milliardenschweren Mehrkosten allein tragen muss. Einen Antrag auf Berufung ließ das Gericht nicht zu. Die Bahn kündigte Ende Oktober an, das Urteil nicht weiter anzufechten.