WM: Curaçao macht Teilnahme perfekt – Ex-Bundesliga-Trainer verpasst es
Dick Advocaat fehlt im wichtigsten Spiel – und doch gelingt der größte Erfolg der Verbandsgeschichte. Curaçao fährt zur WM. Wenige Tage vor dem entscheidenden Spiel war die Stimmung in der Nationalmannschaft Curaçaos getrübt. "Es ist eine sehr schwere Entscheidung, die Jungs verlassen zu müssen. Ich habe sie schweren Herzens getroffen", sagte der frühere Coach der Niederlande und Bundesliga-Trainer Dick Advocaat dem Magazin "Voetbal International". Ein familiärer Notfall kam dazwischen, der 78-Jährige fehlte im wichtigsten Qualifikationsspiel des karibischen Inselstaats an der Seitenlinie. "Die Familie ist wichtiger als Fußball." Advocaat reiste in seine Heimat in die Niederlande zurück und motivierte damit sein Team sogar zusätzlich. "Wir spielen nicht nur für uns und unsere Insel, sondern auch für unseren Trainer", sagte Kapitän Leandro Bacuna, der seine Worte in die Tat umsetzte. Denn Curaçao hat das schier Unmögliche geschafft. Mit einem torlosen Unentschieden in Jamaika holte Curaçao den Gruppensieg und damit erstmals das Ticket für die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada im kommenden Jahr. Nationaltrainer Advocaat, der das Team seit Anfang 2024 betreut, erlebte den historischen Moment zwar nicht im Stadion. Seine Arbeit trug dennoch Früchte. Curaçao qualifiziert sich und zwingt Jamaikas Trainer zum Rücktritt Unter dem früheren Trainer von Borussia Mönchengladbach Advocaat hatte sich Curaçao in der Gruppe B der WM-Qualifikation in Nord- und Mittelamerika als stabile Einheit präsentiert. Am letzten Spieltag ging es ausgerechnet gegen Jamaika, den direkten Verfolger mit einem Punkt weniger. Die Ausgangslage für Curaçao war klar: Ein Unentschieden würde bereits reichen, um erstmals am Turnier teilnehmen zu dürfen. Vor den Augen von Jamaikas Sportlegende Usain Bolt hatte "The Blue Wave" (Die blaue Welle), wie das Team genannt wird, in Jamaikas Hauptstadt Kingston zunächst einige bange Momente zu überstehen. Dreimal trafen die Gastgeber Pfosten oder Latte, kurz vor Schluss gab es Diskussionen über einen Elfmeter für Jamaika. Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Jamaikas Jon Russell brachte das Team letztlich ein 0:0 in Überzahl über die Zeit. Der Schiedsrichter beendete die Partie in der elften Minute der Nachspielzeit, die Spieler von Curaçao brachen auf dem Platz zusammen. Auch in der Heimat kannte der Jubel über das Fußball-Märchen keine Grenzen. Gefühlt war wohl fast jeder Inselbewohner auf den Beinen und feierte die neuen Helden der Nation – nach Angaben der nationalen Statistikbehörde vom Januar leben 156.115 Einwohner auf dem kleinen Stück Land. Zum Vergleich: Der deutsche Rekordmeister FC Bayern hat aktuell 432.500 Mitglieder – und damit fast dreimal so viele wie Curaçao Einwohner. Der Karibikstaat ist nun die kleinste Nation, die bislang an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat. "Die nächsten Tage wird die ganze Insel komplett auf dem Kopf stehen", schrieb das Portal "Curaçao.nu". Auch Fifa-Präsident Gianni Infantino gratulierte dem WM-Neuling. "Glückwunsch an Curaçao für eine fantastische Leistung. Das ist erst euer vierter Zyklus als unabhängiges Land, aber ihr habt uns alle inspiriert. Ihr habt euch die Qualifikation verdient", sagte Infantino in einer Videobotschaft. Curaçao ist erst seit 2010 unabhängig, gehörte zuvor zu den Niederländischen Antillen. Jamaika muss derweil weiter um die Qualifikation bangen und sich einen neuen Trainer suchen. Im Anschluss an die Partie verkündete Steve McClaren, der die Mannschaft im Juli des vergangenen Jahres übernommen hatte, auf der Pressekonferenz seinen Rücktritt. "Es liegt in der Verantwortung des Trainers, voranzugehen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen im besten Interesse der Mannschaft zu treffen, damit sie weiterkommen kann", sagte der 64-Jährige, der zwischen 2010 und 2011 den VfL Wolfsburg trainiert hatte: "Nach reichlicher Überlegung und einer ehrlichen Einschätzung unserer aktuellen Situation und unserer Ziele habe ich mich entschlossen, als Cheftrainer zurückzutreten."