Merz äußert sich zum UN-Klimakonferenzort Belém und sorgt nicht nur in Brasilien für Ärger. Bundespolitiker raten zu einer Entschuldigung. Der Kanzler reagiert auf seine Weise. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stößt mit seinen Äußerungen zum Erscheinungsbild der brasilianischen Stadt Belém auch innenpolitisch auf Kritik. Deborah Düring, außenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, sagte t-online: "Mit seinem arroganten und vollkommen deplatzierten Kommentar zeigt Friedrich Merz einmal mehr, dass er den Anforderungen des Amtes des Bundeskanzlers nicht gewachsen ist." Merz hatte bei einer Reise zum UN-Klimagipfel COP30 in der Amazonas-Stadt Belém unter anderem erklärt: "Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben", sagte er. "Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind." Man lebe in Deutschland "in einem der schönsten Länder der Welt". Aussage: Das sagte Merz in Brasilien über Bélem Kommentar: Der Kanzler ist sich seiner Rolle nicht bewusst Die Äußerung sorgte in Brasilien für Wirbel. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigte sich verärgert. Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio de Janeiro, bezeichnete Merz auf X als "Sohn von Hitler". Löschte den Beitrag aber später wieder. Die Sprecherin für Klimagerechtigkeit der Linken im Bundestag, Violetta Bock, verlangte eine Entschuldigung des Kanzlers. "Merz' Aussagen zu Brasilien sind respektlos, von oben herab und vorurteilsvoll. Deutschland blamiert sich damit auf internationaler Bühne. Man könnte meinen, dass er in Trump-Manier von Deutschlands fehlenden Einsatz für den Klimaschutz ablenken will." Merz hielt dennoch an seiner Aussage fest. Er will sich nach Aussagen seines Sprechers Stefan Kornelius nicht entschuldigen. "Er hat gesagt, wir leben in einem der schönsten Länder der Welt und das hat er auf Deutschland bezogen", erläuterte Kornelius. Doch steht der Kanzler wegen seiner Außendarstellung seit Wochen in der Kritik. Der Europapolitiker Dennis Radtke, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, sagte: Er sei entsetzt über die "Fettnapfquote" des Kanzlers. "Das Friedrich Merz das bedeutende Momentum der Klimakonferenz nicht nutzen würde, um sich für Klimaschutz und Biodiversität einzusetzen, war leider klar, sagte die Grünen-Außenexpertin Düring t-online am Mittwoch: Sie ergänzte: "Mit seinem Verhalten provoziert er einen diplomatischen Eklat, gefährdet das internationale Ansehen Deutschlands und reißt Brücken zu unseren Partnern ein, statt sie wie in dieser Zeit geboten aufzubauen." Auch Greenpeace zeigt sich verärgert Die brasilianische Botschaft in Berlin erklärte auf t-online-Anfrage nur zurückhaltend: "Wir werden uns zu dem Vorgang nicht äußern." Derya Türk-Nachbaur, stellvertretende außenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion war selbst im Amazonasgebiet unterwegs und wurde dort nach eigenen Angaben mit "offenen Armen" empfangen. Sie sagte t-online: "Für mich steht fest: Brasilien ist für Deutschland ein zentraler Partner - demokratisch, wirtschaftlich und als starke Stimme des globalen Südens." Umso mehr bedauert Türk-Nachbaur Merz' Äußerungen: "Missverständlich formulierte Aussagen, die ein Gastgeberland herabsetzen könnten, gefährden am Ende gemeinsame Fortschritte", sagte sie. Der Rat der SPD-Politikerin an den Kanzler: "Ein klarer Schritt von Friedrich Merz, seine Worte einzuordnen, wäre jetzt hilfreich, damit wir den Fokus wieder auf das richten, was wirklich zählt: eine starke Zusammenarbeit, die Mensch und Klima schützt." Kritik auch aus der Zivilgesellschaft Auch in der Zivilgesellschaft stieß Merz mit seinen Aussagen auf Unmut. Der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace, Martin Kaiser, forderte: "Friedrich Merz muss sich bei den Menschen von Belém entschuldigen". Dem Bundeskanzler habe offenbar die Zeit gefehlt, die große Gastfreundschaft der Menschen in Belém kennenzulernen, die in einem der Kipppunkte des globalen Klimas leben. Gastgeber Brasilien hatte die UN-Konferenz bewusst in die Amazonas-Stadt Belém verlegt, um im Regenwald-Gebiet auf die Dringlichkeit von Klimamaßnahmen hinzuweisen.