Das US-Justizministerium hat erste Dokumente im Epstein-Fall veröffentlicht, hält aber tausende weitere zurück. Die Veröffentlichung erfolgte nach Ablauf einer Frist, die der Trump-Regierung gesetzt wurde. Das US-Justizministerium hat auf Druck der amerikanischen Öffentlichkeit und des Parlaments damit begonnen, Ermittlungsakten zum Fall des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Tausende Dokumente und Fotos sind auf der Webseite des Ministeriums einsehbar. Unter den ersten hochgeladenen Dateien sind viele zum Teil geschwärzte Dokumente der US-Bundespolizei FBI. Das Ministerium hatte allerdings am Freitagvormittag erklärt, es werde Tausende Dokumente zurückhalten – relevante Stellen seien noch nicht ausreichend geschwärzt worden. Die aktuellen Veröffentlichungen beinhalten ihrerseits Dokumente, die aktuell von Medien gesichtet werden. Die Dokumente wurden auf der Webseite des US-Justizministeriums veröffentlicht. Neue Skandale erwartet das Justizministerium nicht. "Die Überprüfung [der Dokumente] ergab keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass Epstein prominente Persönlichkeiten erpresst hat, und es wurden auch keine Beweise gefunden, die eine Untersuchung gegen nicht angeklagte Dritte rechtfertigen würden", schrieb der stellvertretende Generalstaatsanwalt Todd Blanche an den Kongress. Namen und Fotos von Prominenten In einem Adressbuch, das vom Justizministerium veröffentlicht wurde, sind nur die Namen zu sehen, unter anderem von Schauspieler Alec Baldwin , Andrew Mountbatten-Windsor , Francesca von Habsburg und dem ehemaligen Rennfahrer Jacques Villeneuve. Eine Liste mit "Masseusen" ist komplett geschwärzt. Unter den Fotos befindet sich eine Aufnahme des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, wie er in einer Badewanne liegt und in einem anderen Bild eine Frau im Arm hält. Unklar ist, wann die Aufnahmen gemacht wurden. Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte am Freitag, dass die unkenntlich gemachte Person auf einem der neuen Fotos von Ex-Präsident Bill Clinton in einem Whirlpool "ein Opfer" von Jeffrey Epsteins sexuellem Missbrauch sei. Der Sprecher, Gates McGavick, veröffentlichte das Bild auf X und schrieb: "Geliebter demokratischer Präsident. Die schwarze Box wurde hinzugefügt, um ein Opfer zu schützen." Clinton-Sprecher: Nichts gewusst von Epstein-Taten Ein Sprecher von Ex-US-Präsident Bill Clinton hat das US-Justizministerium für die Veröffentlichung zahlreicher Fotos des Demokraten im Kontext des Skandals um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein kritisiert. Es gebe zwei Gruppen von Menschen, schrieb Angel Urena auf X. Eine erste Gruppe, die nichts gewusst und die Beziehung zu Epstein abgebrochen habe, bevor dessen kriminelle Taten ans Licht kamen. Und eine zweite Gruppe, die auch danach ihre Beziehungen zu ihm weitergeführt habe. "Wir gehören zur ersten Gruppe." Keine noch so große Verzögerungstaktik von Menschen aus der zweiten Gruppe werde daran etwas ändern, schrieb er weiter. Großer Ansturm auf Webseite Da es eine große Nachfrage nach der Veröffentlichung gab, mussten Nutzer zunächst in einer Warteschleife warten. Einige Dokumente, wie handschriftliche Notizen, können von der Suche aber nicht erfasst werden. Viele Dokumente sind auch geschwärzt. Wie der US-Sender NBC News berichtet, sei zum Beispiel bei Telefonmitschnitten nicht ersichtlich, wer wen angerufen hat. Das Weiße Haus hatte Schwärzungen mit dem Schutz von Opfern begründet. Weitere Hunderttausende Dokumente sollen folgen Auf der Webseite sind unter anderem Dokumente von mehr als 50 Gerichtsverfahren aufgeführt, darunter die Strafverfahren gegen Epstein auf Bundesebene, die Verfahren auf Landesebene in Florida und Zivilverfahren wie die Klage des Epstein-Opfers Virginia Giuffre. In den nächsten Wochen sollten voraussichtlich noch einmal mehrere hunderttausend Dokumente freigegeben werden, hatte Vize-Justizminister Todd Blanche kurz zuvor im Sender Fox News erklärt. Jede einzelne Seite, die veröffentlicht werde, müsse so gestaltet sein, dass die Identität der Opfer geschützt werde. Demokraten: Ministerium hat gegen Gesetz verstoßen Von den Demokraten gab es bereits Protest: Das US-Justizministerium habe gegen das Gesetz zur Offenlegung von Unterlagen im Fall Epstein verstoßen. Laut einer gemeinsamen Erklärung der demokratischen Mitglieder im Justizausschuss des Senats blieb die Behörde eine vollständige Umsetzung des sogenannten "Epstein Files Transparency Act" schuldig. Der demokratische Senator Dick Durbin aus Illinois veröffentlichte die Erklärung zusammen mit anderen Ausschussmitgliedern. Ein Sprecher der Demokraten warf dem Ministerium vor, mit dem Verhalten nicht nur das Gesetz zu brechen, sondern auch Präsident Trump und andere Beteiligte zu schützen. In dem Statement heißt es, das Vorgehen trage zur Aufrechterhaltung einer "Bondi-Patel-Vertuschung" bei. Diese geschehe auf Kosten der Betroffenen im Fall Epstein. Bei den nun freigegebenen Unterlagen des Justizministeriums, der Staatsanwaltschaft und des FBI geht es um die Ermittlungen gegen Epstein. Dokumente zu seiner damaligen Vertrauten und Komplizin Ghislaine Maxwell sollen ebenfalls veröffentlicht werden. Maxwell wurde im Zuge des Skandals verurteilt und sitzt im Gefängnis. Die Dokumente sollen auch Aufschluss über die genauen Todesumstände Epsteins geben.