Opfer sowie Politiker und die Öffentlichkeit haben sich Aufklärung durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten erhofft. Doch viele Seiten sind geschwärzt. Das US-Justizministerium hat am Freitag Ermittlungsakten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein offengelegt. Veröffentlicht wurden Fotos, Protokolle, Verhörunterlagen und weitere Beweisstücke aus jahrzehntelangen Ermittlungen. Die Veröffentlichungen, die auf massiven Druck aus dem Kongress zurückgehen, bleiben jedoch lückenhaft: Viele Seiten sind ganz oder teilweise geschwärzt, zahlreiche zentrale Dokumente fehlen. Die Freigabe der Akten ist gesetzlich vorgeschrieben. Ein vom Kongress verabschiedetes Transparenzgesetz verpflichtet das Justizministerium, nahezu alle nicht klassifizierten Unterlagen offenzulegen. Eine Frist lief am Freitag ab. Zwar stellte das Ministerium mehr als 100.000 Seiten bereit, doch nach Angaben von Abgeordneten handelt es sich dabei nur um einen Bruchteil des Materials, das insgesamt über 300 Gigabyte an Daten und Beweisen umfassen soll. Nach Einschätzungen von Juristen und Abgeordneten hat die Regierung damit gegen das Transparenzgesetz verstoßen. Sanktionen sind jedoch nicht vorgesehen. Neue Epstein-Dokumente : Bill Clinton in der Badewanne "Wie ein Wettstreit" : Epstein soll Trump eine 20-Jährige "geschenkt" haben Umfangreiche Schwärzungen lösen Kritik aus Auffällig sind die zahlreichen Schwärzungen. In mehreren Fällen wurden ganze Dokumente unkenntlich gemacht, darunter ein 119 Seiten langes Protokoll mit Aussagen einer Grand Jury (Geschworene). Die Listen, Vermerke und Protokolle enthalten häufig kaum mehr als Datum und Uhrzeit. Das Ministerium begründete dies mit dem Schutz der Opfer sowie mit rechtlichen Ausnahmen für laufende Ermittlungen, nationale Sicherheit oder interne Beratungen. Kritik kommt parteiübergreifend. Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna sprach von einer "inakzeptablen Einschränkung der Transparenz". Der Republikaner Thomas Massie erklärte, die Veröffentlichung verstoße gegen den Geist und Wortlaut des Gesetzes. Auch der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, warf dem Ministerium vor, nur einen kleinen Teil der Beweismittel offengelegt zu haben. Hinzu kommt, dass die Schwärzungen offenbar inkonsistent sind. In mehreren Fällen tauchen identische Fotos oder Dokumente in unterschiedlicher Form auf: Gesichter sind auf einem Bild unkenntlich gemacht, auf anderen Aufnahmen ist dieselbe Person jedoch sichtbar. Außerdem wurden offenbar nicht nur Opfer geschwärzt, sondern auch Männer ohne erkennbare Schutzwürdigkeit, berichtet CNN . Auch Namen wurden teils geschwärzt, an anderer Stelle nicht. Das Justizministerium räumte ein, dass der Umfang der Akten sowie der Zeitdruck den Prozess anfällig für maschinelle und menschliche Fehler gemacht hätten. Laut der "Washington Post" waren über 200 Juristen an der Prüfung beteiligt. Neue Epstein-Dokumente: Zentrale Unterlagen fehlen vollständig Bislang wurden zahlreiche Dokumente nicht veröffentlicht, die für ein besseres Verständnis des Falls entscheidend wären. Dazu zählen Finanzunterlagen, interne Memos von Staatsanwälten, E-Mail-Verkehr innerhalb des Justizministeriums sowie detaillierte Auswertungen von Durchsuchungen in Epsteins Anwesen. Auch Unterlagen, die Aufschluss über Epsteins Vermögen, Geldflüsse oder mögliche Mitwisser geben könnten, fehlen. Gesetzgeber schätzen, dass bisher nur rund zehn Prozent des vorhandenen Materials öffentlich zugänglich gemacht wurden. Vize-Justizminister Todd Blanche kündigte an, in den kommenden Wochen weitere Hunderttausende Seiten zu veröffentlichen. Einen konkreten Zeitplan nannte das Ministerium jedoch nicht. Trump kaum erwähnt, Clinton häufig zu sehen Auffällig ist zudem die ungleiche Präsenz prominenter Namen. In den bislang veröffentlichten Akten wird Präsident Donald Trump nur selten erwähnt. Sein Name taucht vereinzelt in Kontaktlisten, Nachrichtenbüchern oder Flugprotokollen auf. Vielfach handelt es sich um bereits bekannte Informationen. Neue belastbare Details zu Trump enthalten die Unterlagen nicht. Deutlich häufiger erscheinen hingegen Fotos und Erwähnungen des früheren Präsidenten Bill Clinton. Mehrere Bilder zeigen ihn unter anderem beim Schwimmen oder in Gesellschaft von Epsteins Vertrauter Ghislaine Maxwell . Der Kontext zu den Aufnahmen fehlt. Clintons Sprecher kritisierte die Veröffentlichung der Fotos als politisches Ablenkungsmanöver und betonte, Clinton habe seine Kontakte zu Epstein abgebrochen, bevor dessen Straftaten bekannt wurden. Das Justizministerium verwies darauf, dass der Überprüfungsprozess andauere. Mehr als 1.200 Opfer oder deren Angehörige seien identifiziert worden, deren Schutz Vorrang habe. Weitere Dokumente sollen folgen, sobald sie geprüft und gegebenenfalls redigiert seien. Ob damit die Erwartungen von Kongress und Öffentlichkeit erfüllt werden, bleibt offen. Schon jetzt ist klar: Die Veröffentlichung liefert kaum neue Erkenntnisse und enttäuscht jene, die vollständige Aufklärung erwartet hatten.