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Декабрь
2025

Konrad Adenauer, die USA und die Sowjetunion: "Schlimmster Albtraum"

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Westbindung, Stabilität und Antikommunismus: Konrad Adenauer steuerte die junge Bundesrepublik kompromisslos auf Demokratiekurs, teils mit fragwürdigen Mitteln. Historiker Holger Löttel erklärt, warum Adenauer den Deutschen niemals traute. Hochbetagt war Konrad Adenauer 1949, als er zum ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde: 73 Jahre alt. Am 5. Januar 2025 ist der 150. Geburtstag Adenauers. Die Herausforderungen waren für ihn 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Kapitulation, gewaltig. Mit Tatkraft ging der CDU-Politiker Adenauer die Aufgabe an, ging auch über die Grenze des Erlaubten. Immer geleitet von einem tiefen Misstrauen gegen die Deutschen, wie sein Biograf Holger Löttel weiß. Woher stammte Adenauers Misstrauen? Warum waren seine Sorgen bezüglich der USA dieselben, die uns in der Gegenwart umtreiben? Und warum stellten die Sowjets Adenauer 1955 eine Falle? Diese Fragen beantwortet Holger Löttel, Autor des Buches "Konrad Adenauer. Leben in Zeiten des Umbruchs", im Gespräch. t-online: Herr Löttel, anderthalb Jahre vor seinem Tod äußerte Konrad Adenauer 1965 in einem ZDF-Interview erhebliche Zweifel an der politischen Reife der Deutschen. Wie erklärt sich das? Holger Löttel: Aus diesen Worten spricht ein kaum verhohlenes Misstrauen gegenüber den eigenen Landsleuten, die Adenauer für unstetig und verführbar hielt. Als er 1949 Bundeskanzler wurde, besaß die Stabilisierung des neuen Staates daher für ihn absolute Priorität. Die Deutschen hätten "zu viel erleben müssen", sagte Adenauer in diesem Interview dem Journalisten Günter Gaus. Das dürfte auch für ihn selbst gelten? Adenauer bezog sich dabei auf die Erfahrung von Katastrophen und Umbrüchen, die das deutsche Volk traumatisiert habe – den Ersten Weltkrieg und das Ende des Kaiserreichs, die Gründung und Zerstörung der Weimarer Republik, die totalitäre Diktatur des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg , schließlich den demokratischen Neuanfang in Westdeutschland. Diese elementare Erfahrung politischer Diskontinuität war auch für ihn persönlich prägend. Adenauer war zum Zeitpunkt seiner Wahl zum westdeutschen Regierungschef 73 Jahre alt. Was verlieh diesem Mann die nötige Energie für die Mammutaufgabe, den westdeutschen Staat vier Jahre nach der deutschen Niederlage aufzubauen? Diese Energie bezog er nicht zuletzt aus der Stabilisierungsaufgabe, die er erkannte und anzunehmen bereit war. Eine Anekdote mag das veranschaulichen: Im März 1945 erhielt Adenauer in seinem Wohnort Rhöndorf Besuch von amerikanischen Offizieren, die ihn als Oberbürgermeister von Köln reaktivieren sollten, da er als politisch unbelastet galt. Adenauer war noch zurückhaltend, ließ aber durchblicken, er fühle sich berufen, "das deutsche Volk von Grund auf zum Frieden zu erziehen." Gemeint war damit, die nach zwölfjähriger Gewaltherrschaft politisch-moralisch verwüsteten Deutschen zur Ruhe zu bringen. Erziehung zum Frieden hieß in diesem Sinne: Erziehung zu Freiheit und Demokratie. Sie haben kürzlich eine Biografie über Adenauer veröffentlicht: Was für eine Art Politiker war er? Adenauer besaß einen klaren politischen Kompass, war im Tagesgeschäft aber auch überaus pragmatisch und flexibel. Selbst im fortgeschrittenen Alter besaß er die Fähigkeit, sich auf veränderte politische Konstellationen einzustellen. Im Bundestagswahlkampf 1957 plakatierte die CDU den bekannten Slogan "Keine Experimente!" Strenggenommen war das paradox, denn kaum ein anderer Kanzler hat jemals eine derart präzedenzlos neue, riskante und umstrittene Politik betrieben. Zugleich erweiterte er seine eigene Machtstellung in nicht unbedenklicher Weise. Das kann man wohl sagen. Adenauer profitierte vom Ausspionieren der Sozialdemokraten durch den Bundesnachrichtendienst . Der Kanzler hat die Parteienspionage der Organisation Gehlen beziehungsweise des BND nicht angeordnet, wohl aber toleriert und die Informationen zur Kenntnis genommen. Das war zweifellos ein bürokratisch organisierter Machtmissbrauch. Aus Adenauers Sicht heiligte wohl der Zweck die Mittel, weil er im Falle eines Wahlsiegs der SPD fürchtete, die Westbindung könnte zurückgenommen und Deutschland auf einen Neutralitätskurs geführt werden. Als sich die Sozialdemokratie 1959 mit dem Godesberger Programm modernisierte und wesentliche Prämissen von Adenauers Politik übernahm, wurde die Bespitzelungspraxis freilich nicht eingestellt. Machtpolitisch gesehen war die Opposition ja nun gefährlicher denn je. Woher nahm Adenauer diese Chuzpe? Adenauer pflegte einen autoritären Führungsstil, der seiner Sozialisation im Kaiserreich entsprach. Im Rahmen der "Kanzlerdemokratie" setzte er auf die Kontrolle von Informationen und Apparaten. Wie das BND-Beispiel zeigt, überschritt er dabei auch Grenzen. Vordergründig kann man das mit dem Streben nach Machterhalt erklären, dahinter stand aber auch die bereits erwähnte Destabilisierungsangst. Adenauer verstand sich selbst als den maßgeblichen Garanten von Stabilität. Gehen wir an dieser Stelle zurück ins Jahr 1933, als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen: War Adenauer damals bereits derart abgeklärt? Während der Weimarer Republik war er noch nicht der programmatische Skeptiker der Nachkriegszeit. Als Kölner Oberbürgermeister trieb er die urbane Modernisierung voran, war fortschrittsaffin und glaubte an die Gestaltbarkeit der Zukunft durch Planung und Verwaltung. In Köln gab es lange Zeit noch vergleichsweise geordnete politische Verhältnisse, die NSDAP war zumindest im Stadtrat bis 1933 nur marginal vertreten. Wie schätzte Adenauer die Gefahr ein, die von den Nationalsozialisten ausging? Adenauer hat die Nationalsozialisten unterschätzt, er verkannte den rassenideologischen und revolutionären Anspruch dieser Partei. Hitler wollte die Republik zerstören, Adenauer dachte legalistisch und suchte nach Wegen, diese radikale Bewegung wieder einzufangen und zu domestizieren. 1932 plädierte er gar für eine Koalition der katholischen Zentrumspartei mit der NSDAP in Preußen und im Reich. Lässt sich aus Adenauers damaliger Fehleinschätzung eine Lehre für die Gegenwart ziehen? Adenauer musste lernen, dass die Feinde der Demokratie die demokratischen Spielregeln nicht honorieren. Das Konzept der wehrhaften Demokratie resultierte auch aus diesen Erfahrungen. Ende Januar 1933 wurde Hitler jedenfalls Reichskanzler und beseitigte die Demokratie. Auch nach der NS-Machtübernahme pochte Adenauer konsequent auf die Einhaltung von Recht und Ordnung. Vor öffentlicher Brüskierung der Nationalsozialisten scheute er nicht zurück: Im Februar 1933 kam Hitler für den Wahlkampf nach Köln, zum Empfang am Flughafen schickte Adenauer lediglich einen Stellvertreter. Zugleich ließ er Hakenkreuzflaggen von der Deutzer Rheinbrücke entfernen. Kurzum, Adenauer war beharrlich in der Verteidigung rechtsstaatlicher Grundsätze. Wie reagierten die Nazis? Die Nationalsozialisten betrieben einen regelrechten Psychoterror gegen Adenauer. SA-Leute skandierten "Adenauer an die Mauer", mit einer Spendenbüchse wurde symbolisch Geld für eine für ihn bestimmte Kugel gesammelt. Am 13. März 1933 verließ Adenauer dann die Stadt Köln, um sich der gefährlichen Situation zu entziehen. Entsprechend wuchs sein Misstrauen gegen den menschlichen Charakter. Ja. Später erzählte er, wie die Leute plötzlich die Straßenseite wechselten, um ihn nicht grüßen zu müssen, weil er unter den neuen Machthabern als Ausgestoßener galt. Dieses wetterwendische, opportunistische Verhalten seiner Mitmenschen prägte sich ein. Auch deswegen setzte er später auf nahezu autoritäre Strenge, um die Deutschen auf den seiner Ansicht nach richtigen Weg zu führen. 1944 geriet Adenauer dann in große Gefahr? Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler, in das Adenauer übrigens nicht eingebunden gewesen war, startete die Gestapo die "Aktion Gewitter". Sie traf die Repräsentanten der "Weimarer Systemzeit". Adenauer kam in ein Internierungslager nach Köln-Deutz, schließlich in ein Krankenhaus, von wo er sich zunächst absetzen konnte. Nachdem man ihn wieder dingfest gemacht hatte, wurde er für zwei Monate im Gestapo-Gefängnis inhaftiert. In seiner Zelle konnte er nach eigener Aussage die Schreie der Gefolterten aus dem Keller hören. Das hat er niemals vergessen. Mit diesem mentalen Rüstzeug wurde Adenauer am 15. September 1949 zum ersten Kanzler der Bundesrepublik gewählt. Er regierte damit ein Land, das von den westlichen Alliierten besetzt war, keine Souveränität besaß, obendrein geteilt von Ostdeutschland war und in dem unzählige NS-Verbrecher, NS-Belastete und Mitläufer lebten. Um nur einige Probleme zu nennen. Was den letzten Punkt Ihrer Aufzählung betrifft, betrieb die Bundesregierung eine weitreichende Integrationspolitik gegenüber dem Heer der NS-Mitläufer, Parteigenossen und Funktionseliten. Aus Adenauers Sicht zählten vor allem schnelle Stabilisierungserfolge. Deswegen wurde die Entnazifizierung zügig beendet, es folgte eine Gesetzgebung, die auf Amnestie und Wiedereingliederung abzielte, nicht zuletzt der Beamten. Das hatte natürlich einen moralischen Preis, über den auch heute noch viel diskutiert wird. Adenauer ging noch weiter, indem er Hans Globke, den früheren Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, zu einem seiner engsten Mitarbeiter machte. Der Kanzler wusste um die Brisanz dieser Angelegenheit und hatte zunächst davon abgesehen, Globke zum Staatssekretär im Kanzleramt zu machen. Das traute er sich erst nach dem Erfolg bei der zweiten Bundestagswahl 1953. Als loyaler Mitarbeiter war Globke für den Kanzler unverzichtbar, zugleich erwies sich die Personalie aber als politische Belastung, da Globkes Vergangenheit bekannt und Gegenstand kritischer Berichterstattung war. Wie Sie in Ihrem Buch schreiben, hat Adenauer nur ein einziges Mal ein früheres Konzentrationslager besucht. Das war in Bergen-Belsen am 2. Februar 1960. Wenige Wochen zuvor hatte es in Köln und anderswo antisemitische Schmierereien gegeben. In Reaktion hierauf bekannte sich Adenauer klar zum Schutz der jüdischen Mitbürger durch den Staat. Dabei trieb ihn nicht zuletzt die Sorge vor einem internationalen Reputationsverlust um. Als im Jahr darauf der Prozess gegen Adolf Eichmann der ganzen Welt das Ausmaß der deutschen Verbrechen vor Augen führte, sollte sich das noch intensivieren. In der Bundesrepublik wären die von Deutschen begangenen Verbrechen mehrheitlich lieber vergessen worden. Richtig. Das Luxemburger Wiedergutmachungsabkommen 1952 mit dem Staat Israel musste Adenauer auch gegen erheblichen innenpolitischen Widerstand durchsetzen. Den Bundestag passierte es übrigens nur dank der Stimmen der oppositionellen SPD. Ein weiteres Standbein von Adenauers Stabilisierungspolitik war die Wirtschaft. Der wirtschaftliche Aufschwung spielte in der Stabilisierungsgeschichte der frühen Bundesrepublik eine entscheidende Rolle. In der zeitgenössischen Wahrnehmung verband er sich mit der Person von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und dem Konzept der sozialen Marktwirtschaft. Dieser Begriff war eine geniale Erfindung, weil er den Gedanken wirtschaftlicher Freiheit mit dem der sozialen Gerechtigkeit zusammenführte. Durch fairen Wettbewerb sollte stetiges Wachstum ermöglicht werden, von dem sämtliche Gesellschaftsschichten profitierten, Stichwort "Wohlstand für alle". Soziale Ungleichheit blieb zwar erhalten. Dass es aber vielen Menschen nur wenige Jahre nach Kriegsende materiell tatsächlich besser ging, förderte die Akzeptanz des neuen Staates ganz erheblich. Adenauer setzte auch die Rentenreform von 1957 um, ein System, das heute an seine Grenzen stößt. Adenauer dachte mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl im September 1957 taktisch. Zugleich war es ihm aber auch ein ehrliches Anliegen, das damals weit verbreitete Phänomen der Altersarmut zu bekämpfen. Die Rente als Lohnersatz zu konzipieren und durch ein Umlagesystem zu finanzieren, war revolutionär neu. Die Sorge, sie könne durch demografische Umbrüche einmal in Schieflage geraten, wurde kaum thematisiert. Adenauer wird das Zitat zugeschrieben: "Kinder bekommen die Leute immer". Wenn das nicht stimmt, ist es doch zumindest gut erfunden und gibt seine Sicht auf das Thema treffend wieder. Ernst wurde die Lage tatsächlich immer wieder in Bezug auf das geteilte Deutschland. Wie agierte Adenauer in dieser Frage? Adenauer wollte die Wiedervereinigung nicht um jeden Preis, zumindest nicht um den Preis einer Neutralisierung Deutschlands. Seine größte Furcht bestand darin, dass sich die USA wie schon nach dem Ersten Weltkrieg wieder in den Isolationismus zurückziehen könnten. Deutschland und Europa, so sah er es, wären dann dem sowjetischen Expansionsdrang weitgehend schutzlos ausgeliefert gewesen. Die von Adenauer betriebene Westbindung verfolgte also zwei Ziele? Bündnispolitik und Sicherheitspolitik gingen Hand in Hand. Die unruhigen Deutschen sollten fest im Kreis der parlamentarischen Demokratien des Westens verankert werden. Zugleich war der westeuropäisch-transatlantische Zusammenschluss militärisch geboten, um die Sowjetunion vor einem weiteren Vordringen in Europa abzuhalten. Vor diesem Hintergrund ist auch die europäische Einigungspolitik zu sehen? Die europäische Einigung betrachtete Adenauer als historische Aufgabe. Auf eine bestimmte Methode war er hierbei nicht festgelegt. In den frühen Fünfzigerjahren unterstützte er die supranationale Integration mit der Vergemeinschaftung von Wirtschaftsbereichen und der Errichtung europäischer Behörden eigenen Rechts. Später setzte er eher auf die bilaterale Zusammenarbeit der Nationalstaaten. Beide Ansätze prägen die europäische Politik noch heute. Adenauer erreichte beträchtliche politische Fortschritte in bemerkenswert kurzer Zeit: 1955, gerade zehn Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, trat die Bundesrepublik der Nato bei und erlangte durch die Pariser Verträge eine weitgehende Souveränität. Die raschen Erfolge wären ohne die internationale Konstellation des Kalten Krieges nicht denkbar gewesen. Adenauer bot den Westmächten 1950 einen Verteidigungsbeitrag im Gegenzug für die Wiedererlangung der Souveränität an. Hierüber wurde man sich eigentlich schon 1952 handelseinig; durch die Verknüpfung des sogenannten Deutschlandvertrags mit dem Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, das schließlich in der französischen Nationalversammlung scheiterte, konnte diese Paketlösung aber nicht realisiert werden. Die westdeutsche Wiederbewaffnung erfolgte dann ab 1955/56 durch die Aufstellung der Bundeswehr im Nato-Rahmen. Für Adenauer galt übrigens die selbstverständliche Maxime: Wer sich im Konzert der Mächte behaupten will, braucht eine Armee. Welche Rolle spielte das wechselhafte Verhältnis zu den USA? In den ersten Jahren seiner Kanzlerschaft suchte Adenauer konsequent die Nähe zu den USA als Schutzmacht Westeuropas. Nie verließ ihn jedoch die Sorge vor einem außenpolitischen Kurswechsel Washingtons, und jeder US-Präsidentschaftswahl blickte er mit Anspannung entgegen. Während der Berlin-Krise ab 1958 nahmen seine Zweifel an der Zuverlässigkeit der amerikanischen Europapolitik dann weiter zu. Am Ende hielt er das militärische Sicherheitsversprechen der Amerikaner für kaum noch belastbar. Das erinnert an unsere heutigen Probleme mit Donald Trump . Die Lage ist heute noch ungleich kritischer als damals. In den 1950er- und 1960er-Jahren stand das europäische Engagement sowohl der republikanischen als auch der demokratischen Administrationen in Washington nie grundsätzlich infrage. Der Zerfall der atlantischen Bündnissolidarität, wie wir ihn derzeit erleben, war Adenauers schlimmster Albtraum. Welche Politik praktizierte der erste Bundeskanzler gegenüber der Sowjetunion? Adenauer war strenger Antikommunist, 1955 reiste er nach Moskau . Adenauer sah die Sowjetunion als politisch-ideologischen Hauptfeind im Kalten Krieg und elementare Bedrohung der europäischen Sicherheit. Aus seiner Sicht wurden die Herrscher im Kreml vom großrussischen Nationalismus und der weltrevolutionären kommunistischen Ideologie gleichermaßen angetrieben. Im September 1955 fuhr er trotzdem nach Moskau, um über ein konkretes Ziel, die Rückführung der noch in der UdSSR inhaftierten Kriegsgefangenen und der Zivilinternierten, zu verhandeln. Die Sowjetunion hatte Adenauer offiziell eingeladen. Was war das Ziel? Die Sowjetregierung stellte Adenauer eine Falle, indem sie ihn zu Verhandlungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen einlud – wohl wissend, dass ein solcher Schritt für die Bundesregierung hochproblematisch war, da man ihn international als faktische Anerkennung der deutschen Teilung werten könnte. Schließlich war die Sowjetunion die Schutzmacht der DDR. Adenauer fuhr trotzdem? Adenauer nahm die Einladung dennoch an, der Kriegsgefangenen wegen, aber auch, um überhaupt ostpolitischen Handlungsspielraum zu gewinnen. Unter dem Eindruck der noch völlig unbewältigten Gewaltgeschichte des Zweiten Weltkrieges wurden die Verhandlungen mit großer Härte geführt. Am Ende stand aber eine naheliegende Lösung, die den beiderseitigen Interessen entsprach: Kriegsgefangene gegen diplomatische Beziehungen. Um das zu erreichen, hatte sich Adenauer aber über den Widerstand seines Außenministers Heinrich von Brentano hinwegsetzen müssen, der die diplomatische "Normalisierung" nicht ohne Fortschritte in der Deutschlandfrage zugestehen wollte. Nicht zuletzt durften die Kriegsgefangenen aus der UdSSR heimkehren. Seitens der Sowjetregierung war das kein echtes Zugeständnis, man hatte den Rücktransport organisatorisch sogar schon vorbereitet. Adenauer musste aber, um den Erfolg zu gewährleisten, die eigene Verhandlungsstrategie modifizieren und deutschlandpolitisch ins Risiko gehen. Das zahlte sich insofern aus, als die Heimkehr der Kriegsgefangenen daheim kollektive große emotionale Reaktionen auslöste, die auf das Popularitätskonto des Kanzlers einzahlten. Von der ernüchternden deutschlandpolitischen Bilanz der Reihe sprach hingegen kaum jemand. Es heißt, dass Hans Globke Adenauer regelmäßig Olivenöl verabreichte, damit dieser den vielen Wodka bei den Zusammenkünften mit den Sowjetführern besser verkraftete. Das ist wahr. Es wurde viel getrunken, das gehörte zum gesellschaftlichen Rahmen der Verhandlungen. Adenauer suchte sich auf diese Weise Respekt zu verschaffen, was ihm anscheinend auch gelang. Noch fünfzig Jahre später erinnerte sich der Journalist Gerd Ruge an einen sowjetischen Kollegen, der ihn in einer Konferenzpause ansprach: "Das ist doch erstaunlich! Ein Deutscher, ein so alter, langer und dürrer Mann, kann so viel Wodka vertragen!" 1963 endete Adenauers lange Kanzlerschaft, 1967 starb der Langzeitkanzler. Wie reagierten die Westdeutschen? Anfang der 1960er-Jahre wurde Adenauer zusehends als Protagonist einer autoritären Politik gesehen, auch habituell schien er sprichwörtlich einer vergangenen Epoche zu entstammen. Sein Tod 1967 allerdings löste tiefe Betroffenheit aus. Zum Gedenkgottesdienst im Kölner Dom reisten Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt an, Erzbischof Kardinal Frings fasste die Gefühle zusammen: "Wir trauern um ihn wie um einen Vater." Als Adenauers Leichnam dann auf dem Rhein Richtung Rhöndorf transportiert wurde, säumten Tausende Menschen das Ufer und nahmen Abschied. Herr Löttel, vielen Dank für das Gespräch.














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