In einer Ratgeberserie erklärt die t-online-Redaktion Schritt für Schritt, wie ein erfolgreicher Start an die Börse gelingen kann. Heute geht es um die Wahl eines passenden ETF für Ihr Depot – und welche Kriterien dafür wirklich wichtig sind. Wie Sie mit kleinem Einsatz schrittweise Vermögen aufbauen können , lesen Sie in Folge 4 der t-online-Ratgeberserie "Ihr Weg an die Börse". Doch spätestens bei der Auswahl des richtigen Produkts kann man sich schnell überfordert fühlen. Denn blicken Sie bei Ihrer Bank oder Ihrem Broker in die Liste der verfügbaren ETFs , stehen mittlerweile mehrere Tausend zur Auswahl – mit teils abenteuerlich anmutenden Bezeichnungen. Für viele Einsteiger ist dabei oft unklar, was genau sich hinter Namen wie MSCI World oder Gold 3x Lev USD verbirgt. Und ganz abgesehen davon: Was bedeuten eigentlich Fachbegriffe wie "thesaurierend" oder "Dividende"? Die gute Nachricht: Wer sein Geld einfach nur gut angelegt wissen will, muss gar nicht so viele Bezeichnungen und Kennzahlen kennen. Im Ratgeber erklären wir Ihnen nachvollziehbar, was bei der Wahl eines ETF wirklich wichtig zu wissen ist. Lesen Sie aus der Reihe "Ihr Weg an die Börse": Folge 1: Warum überhaupt Börse? Diese Chancen sollten Sie kennen Folge 2: Von der Kraft der Weltwirtschaft profitieren: Geldanlage ohne Zockerei Folge 3: Qual der Wahl: Wer bietet günstige Aktienfonds überhaupt an? Folge 4: Einsteigen mit kleinen Beträgen – ohne großes Risiko Folge 5: Welche Wertpapiere sich für Einsteiger wirklich lohnen Welcher Index darf es denn sein? Als Erstes sollten Sie festlegen, worin Sie genau investieren wollen – also in welchen Teil des Aktienmarkts. Denn: ETFs bilden einen bestimmten Index nach und folgen damit möglichst genau dessen Wertentwicklung. Den bekanntesten Index hierzulande kennen Sie vielleicht, das ist der Deutsche Aktienindex (Dax). Darin befinden sich die 40 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Börse. Davon, Ihr ganzes Geld in den Dax zu stecken, raten Verbraucherschützer jedoch ab. Der Grund: Sie würden in dem Fall das Risiko von Kursverlusten auf "nur" 40 Schultern verteilen, für die alle mehr oder minder der Standort Deutschland wichtig ist. Die Empfehlung lautet daher vielmehr, Ihre Geldanlage so breit zu streuen, dass es kaum etwas ausmacht, ob es einem einzelnen Unternehmen oder einer Branche zwischenzeitlich einmal nicht so gut geht. Man nennt das auch Diversifikation . Genau deshalb ist bei Anlegern der Weltaktienindex MSCI World so beliebt. Dieser Index des Anbieters Morgan Stanley Capital International (MSCI) fasst die Aktien der etwa 1.300 größten Unternehmen aus 23 Industriestaaten zusammen, die global tätig sind. Das Risiko für starke Wertverluste (Drawdown) und Kursschwankungen (Volatilität) ist hier etwa deutlich geringer als etwa im Dax, denn Ihr Geld ist nicht an den Erfolg von wenigen Unternehmen gebunden, sondern an den Wert von mehr als 1.300 gleichzeitig. Kursverluste bei einzelnen Aktien werden durch Kursgewinne anderer ausgeglichen. Warum überhaupt Aktien? Diese Chancen sollten Sie kennen (Ratgeberserie, Teil 1) "Ihr Weg an die Börse", Teil 2: Von der Wirtschaftskraft der Welt profitieren mit ETFs MSCI World plus X Einen Nachteil hat das weltweite Aktienbarometer allerdings dennoch: Sein Wert hängt derzeit zu etwa 70 Prozent von US-Firmen ab. Allein die Aktien der größten zehn Firmen im Index – allesamt US-amerikanisch, darunter Nvidia, Microsoft , Apple , Amazon und Meta – machten Ende November 2025 knapp 28 Prozent des Indexwertes aus. Wer sich diesem Übergewicht entziehen will, kann einen Teil seines Budgets in ETFs auf europäische Indizes investieren. Geldratgeber wie "Finanztip" raten auch hier wieder zu möglichst breiter Streuung. Infrage kommt daher etwa der Stoxx Europe 600 mit den 600 wertvollsten Aktien Europas, einschließlich der Schweiz. Dieser schwankt nachweislich weniger als etwa der womöglich bekanntere Eurostoxx-50-Index. Möchten Sie zusätzlich mehr Gewicht auf die 40 größten deutschen Unternehmen legen, könnten Sie einen weiteren Teil Ihres Budgets auch in einen Dax-ETF stecken. Gut zu wissen: Ist Ihnen Nachhaltigkeit wichtig, gibt es all diese breiten Indizes (und darauf lautende ETFs) auch in einer solchen Variante. Der MSCI World SRI enthält etwa nur Aktien von Unternehmen, die festgelegte Umwelt- und soziale Kriterien erfüllen, sowie Standards, die die Unternehmensführung betreffen. SRI steht dabei für "Socially Responsible" (also mit sozialer Verantwortung). Rüstungs- oder Tabakunternehmen sind oft ausgeschlossen. MSCI World: Alle gegen den Börsenliebling (Kolumne) Lesen Sie auch: Das passende Depot für ängstliche Anleger (Kolumne) ETF-Anbieter? Fangen Sie einfach an ... Angenommen, Sie haben sich nun entschieden, etwas Geld in einen ETF auf den MSCI World zu investieren und suchen danach im Onlinebereich Ihrer Bank oder Ihres Brokers. Sie werden sehen: Die Liste ist lang. Was zur Frage führt: Welcher ETF-Anbieter soll es denn sein? Diejenigen mit dem größten Marktanteil heißen iShares, Amundi , Xtrackers und Vanguard. Aber es gibt etliche andere. Folge 3 schildert, wer alles am Markt mitmischt und wer hinter den Anbieternamen steckt. Die gute Nachricht: Wirklich falsch machen können Sie beim Anbieter nichts. Es ist nahezu egal, welchen Sie wählen. Warum? ETFs bilden die Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Aktienindex so gut wie möglich ab. Es ist also vorgegeben, welche Aktien die jeweiligen Anbieter in einen bestimmten ETF "hineinkaufen". In der Rendite sollten sich unterschiedliche ETFs, die sich aber auf denselben Index beziehen, am Ende also kaum unterscheiden. Daher: Lassen Sie sich von der Wahl des Anbieters nicht irritieren, sondern achten Sie auf andere Faktoren. Je größer der Fonds, desto etablierter ... Ein Kriterium, auf das Sie schauen können, ist die Fondsgröße, also: Wie viel Anlegergeld steckt bereits im ETF? Je größer das Fondsvolumen, desto mehr Menschen haben in diesen ETF investiert. Das kann für Neulinge als Signal verstanden werden, dass der ETF "sicher" ist, im Sinne von: nicht kurz vor der Auflösung oder Fusion mit einem anderen ETF steht. Dies ist für Anleger oft ärgerlich, weil es unter anderem steuerliche Nachteile mit sich bringen kann. Zudem bedeutet ein größeres Fondsvolumen auch, dass der Anbieter womöglich noch ein wenig an der Kostenschraube drehen kann: Denn einmalige Kosten, etwa für die Auflage des Fonds, aber ggf. Kosten auch für die Verwaltung, lassen sich besser verteilen; der ETF könnte also tendenziell günstiger werden. Zu den Kosten lesen Sie im nächsten Kapitel mehr. Als Richtwert für ein sicheres Fondsvolumen gilt die 100-Millionen-Euro-Marke. Das heißt nicht, dass kleinere ETFs automatisch "unsicher" sind – auch damit lässt sich eine gute Rendite erzielen. Doch haben sich die größeren ETFs schon weiter etabliert. Zu den nach Fondsvolumen größten weltweiten ETFs gehören Ende Dezember 2025: iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983): 108,23 Mrd. Euro Vanguard FTSE All-World ETF (ISIN: IE00BK5BQT80): 26,30 Mrd. Euro Xtrackers MSCI World ETF (ISIN: IE00BJ0KDQ92): 15,94 Mrd. Euro Beim genaueren Hinsehen erkennen Sie: Die Fondsvolumina liegen bereits im Milliardenbereich, also um ein Hundertfaches höher als der Richtwert von 100 Millionen Euro. Es handelt sich also um die echten Dickschiffe unter den weltweiten ETFs. Wählen Sie einen günstigen ETF Entscheidend für einen guten ETF sind neben der Größe auch die Gebühren. Besonders wichtig ist die Abkürzung TER, die Total Expense Ratio . Damit deckt der Anbieter seine laufenden Kosten ab, um den ETF zu managen, aber auch Fixkosten wie Lizenz-, Vertriebs- und Depotbankgebühren. Schließlich muss der Anbieter die Aktien im Fonds auch sicher für Sie verwahren. Wichtig zu wissen: Der ETF-Anbieter behält die TER direkt ein, das bedeutet: Sie mindert unmittelbar die Rendite Ihres Fonds. Das heißt auch: Je niedriger diese Kostenquote ist, umso weniger büßen Sie rein kostenbedingt bei der Wertentwicklung Ihres ETF ein. Wählen Sie also einen ETF mit einer möglichst geringen TER, machen Sie nichts falsch. Für Aktien-ETFs sind Kosten von 0,2 Prozent pro Jahr ungefähr der Durchschnitt. Man findet aber mittlerweile auch ETFs mit laufenden Kosten deutlich darunter (0,06 Prozent wäre ein sehr niedriger Wert) oder auch darüber (eher teuer wäre hier ein Wert von 0,5 Prozent). Eine hohe TER bedeutet nicht automatisch, dass man diesen Fonds meiden muss. Sondern, dass der Fonds die Kosteneinbußen über andere Eigenschaften wieder wettmachen muss. Ausschüttend oder thesaurierend: Geschmackssache Wichtig für die Auswahl des "richtigen" ETF ist schließlich, wie dieser mit Dividenden umgeht. Das sind regelmäßige Ausschüttungen der Aktienunternehmen an ihre Aktionäre, die der ETF-Anbieter an Sie als Anleger weitergibt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Der Anbieter kann die Dividenden an Sie ausschütten, im Sinne von: sie Ihnen einmal im Quartal oder einmal im Jahr auf Ihr Depotkonto überweisen. Oder er kann damit neue ETF-Anteile für Sie kaufen, man sagt: sie im Fonds reinvestieren. Je nachdem hängt sich der ETF das Label "ausschüttend" oder "wiederanlegend" um – in der Fachsprache "thesaurierend". Die Ausschüttungsart erkennen Sie auch im Namen des ETFs wieder. Die englischen Abkürzungen "Dis." und "Acc." stehen für "Distributing" (= ausschüttend) und "Accumulating" (= thesaurierend). Welche Ausschüttungsart Sie wählen sollten, hängt davon ab, was Sie mit Ihrem ETF erreichen wollen. Möchten Sie vor allem langfristig Geld ansparen und so Vermögen aufbauen, sind Sie vermutlich mit einem thesaurierenden ETF besser beraten. Denn so profitieren Sie von einem Zinseszinseffekt , weil die reinvestierten Dividenden Ihre Anlagesumme erhöhen und (idealerweise positiv) zur Wertentwicklung beitragen. Geht es Ihnen dagegen auch um ein regelmäßiges passives Einkommen und eine bestmögliche Nutzung Ihres Steuerfreibetrags für Kapitaleinkünfte, könnte ein ausschüttender ETF eher passen. Sie können natürlich auch beides tun: Einen Teil Ihres Geldes in einen thesaurierenden ETF investieren und einen anderen Teil in einen ETF, der regelmäßig Dividenden ausschüttet. Die Rendite Der Grund, weshalb eine Geldanlage in Aktien oder Aktienfonds oft attraktiv erscheint, ist die mögliche Rendite. Wichtig ist: Zu einzelnen ETFs werden Sie zwar in der Regel Angaben zu Renditen etwa für den Zeitraum eines oder mehrerer Jahre finden – diese sollten Sie aber niemals als Garantie verstehen. Denn Sie bilden jeweils nur vergangene Werte ab. Keiner kann jedoch genau sagen, wie sich der Aktienmarkt in Zukunft entwickelt. Haben Sie etwa einen MSCI-World-ETF im Depot und die Weltwirtschaft erleidet einen Schock wie 2008 die Finanz- oder 2022 die Coronakrise, spüren dies alle Unternehmen – die Aktienkurse und Ihre Rendite gehen nach unten. Deshalb empfehlen Experten, ETFs stets als langfristige Anlage zu sehen. Langfristig heißt: Sie bleiben mindestens zehn bis 15 Jahre dabei. Über einen solchen Zeitraum können Rückschläge eher aufgeholt werden. So erzielte zum Beispiel ein Anleger, der vor der Finanzkrise 2008 einen MSCI World ETF gekauft und anschließend einige Jahre nur Verluste gesehen hat, erstmals 2012 wieder eine leicht positive Rendite pro Jahr. Wer bis Ende 2024 durchgehalten hat, stand mit einer durchschnittlichen Rendite von 9,1 Prozent pro Jahr sehr gut da. Das zeigt: Die Wirtschaft der Welt – in Form ihrer aktiennotierten Unternehmen – ist heute deutlich mehr wert als vor der Finanzkrise. Werfen Sie einen Blick aufs Renditedreieck Nachvollziehen können Sie die MSCI-World-Renditen für alle möglichen Ein- und Ausstiegsjahre im sogenannten Renditedreieck, das unter anderem das Deutsche Aktieninstitut oder der Broker Scalable Capital veröffentlicht. "Je länger, umso grüner", titelt Chefökonom Christian Röhl einen entsprechenden Beitrag. Blau sind im Renditedreieck die Jahreskombinationen, bei denen Anleger eine positive Rendite pro Jahr erzielen. Seit 1975 hat der MSCI World im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 7 Prozent erreicht. In Zahlen: Aus 1.000 Euro würden nach einem Jahr 1.070 Euro, ein Jahr später 1.145 Euro, wenn der Ertrag wieder angelegt würde. Der Ertrag steigert sich so wegen des Zinseszinseffekts jedes Jahr ein wenig. Nach etwa zwölf Jahren hätten Sie Ihren Einsatz verdoppelt. Um die Rendite zu erhöhen, ist die Wahl eines ETF mit einer niedrigen Kostenquote (TER) besonders wichtig. Auf den Gewinn drücken können auch Faktoren wie Depotführungsgebühren oder Orderkosten. Diese legt die Bank oder der Broker fest. Checkliste: So finden Sie einen guten ETF Wenn es an die Wahl des richtigen ETF geht, können die vielen Begrifflichkeiten und Zahlen auf den ersten Blick überfordern. Doch vieles davon kann man ausklammern, wenn man sich auf ein paar wesentliche Faktoren konzentriert: Der Fonds sollte breit gestreut sein und möglichst viele Werte enthalten. Die Wahl des Anbieters ist (fast) egal. Der Fonds sollte über mindestens 100 Millionen Euro Volumen umfassen. Achten Sie bei den Gebühren besonders auf die TER im Verhältnis zur Rendite. Investieren Sie langfristig, um vom Zinseszins zu profitieren.