Beatrix von Storch zeigt bei "Markus Lanz" Verständnis für Donald Trump und bringt sich mit ihrer Kritik an einem politischen Konkurrenten in Erklärungsnot. Venezuela , Iran, Grönland – Donald Trumps ungestümes Auftreten auf der politischen Weltbühne stellt nicht nur die europäischen Regierungen vor große Herausforderungen, sondern zwingt auch die einzelnen Parteien dazu, Stellung zu beziehen. So wollte Markus Lanz am Mittwochabend in seiner Talkshow von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch wissen, wie ihre Partei zur Außenpolitik des US-Präsidenten steht. Die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende bemühte sich, ein pragmatisches Urteil abzugeben. Am Ende musste sie sich vom Moderator den Vorwurf gefallen lassen, eine Unwahrheit zu verbreiten und ein einseitiges Verhältnis zur Meinungsfreiheit zu haben. Gäste Manfred Weber (CSU), EVP-Vorsitzender Beatrix von Storch (AfD), stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende John Bolton , ehemaliger Trump-Sicherheitsberater Ulrike Herrmann , Journalistin Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton bemängelte zu Beginn der Sendung am US-Präsidenten, dass es ihm außenpolitisch an einer roten Linie mangele, wenn man mal von seinen starken Eigeninteressen absehe. Der aus den USA zugeschaltete Republikaner, der sich längst zu einem Trump-Kritiker entwickelt hat, begrüßte die Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und sprach sich auch für eine US-Intervention im Iran aus. Allerdings hegte er laute Zweifel an Trumps Fähigkeit und Willen, die Sache in beiden Fällen zu einem guten Ende im Sinne eines Regimewechsels zu führen. Überhaupt mangele es Trump an einer Philosophie. "Politik betreibt er nicht, wie wir das verstehen, es ist ein Real-Estate-Deal nach dem anderen", erklärte Bolton. John Bolton nennt Merz-Äußerungen gefährlich Friedrich Merz riet der US-Politiker dementsprechend dazu, seine Worte in Zukunft mit mehr Bedacht zu wählen. Der Bundeskanzler habe in der Vergangenheit einige gefährliche Dinge gesagt, beispielsweise, dass Europa von den Vereinigten Staaten unabhängig sein sollte. Das könne leicht geschehen, wenn man Trump eine solche rhetorische Steilvorlage liefere. Dieser verstehe im Prinzip weder die Bedeutung der Nato noch der transatlantischen Partnerschaft. Ein Angriff auf Grönland , zeigte sich Bolton überzeugt, würde aber auch in den USA ein politisches Erdbeben hervorrufen. Nur ein ganz geringer Anteil der US-Bevölkerung befürworte ein militärisches Vorgehen. Nichtsdestotrotz müsse man die Sicherheitsfrage rund um die Arktis-Insel lösen. Darüber sei schon 2019 während Trumps erster Amtszeit wiederholt im US-Sicherheitsrat gesprochen worden. Während der EU-Parlamentarier Manfred Weber vor diesem Hintergrund forderte, wieder zu einer regelbasierten Weltordnung zurückzukehren, riet von Storch dazu, sich mit den Realitäten abzufinden und auf die eigenen Interessen zu konzentrieren, statt zu moralisieren. "Das ist wieder typisch deutsch oder typisch europäisch: Wir machen nichts, wir können nichts, aber wir urteilen über die anderen", sagte die AfD-Politikerin und ehemalige EU-Abgeordnete. Journalistin hält Regimewechsel durch USA für illusorisch Trump erreiche mit seiner unkonventionellen, überrumpelnden Art eine ganze Menge – auch in Grönland. "Er schafft Fakten", resümierte von Storch an späterer Stelle. Eine Einschätzung, der die "taz"-Journalistin Ulrike Herrmann umgehend widersprach. In Venezuela seien gerade keine Fakten geschaffen worden. Bis auf die Entfernung Maduros habe sich in dem Land überhaupt nichts geändert, stellte Herrmann fest. Die Journalistin hatte zuvor schon vor den negativen Folgen der Trump'schen Außenpolitik gewarnt. Die USA hätten weder in Venezuela noch im Iran die Möglichkeit, einen grundlegenden Wandel herbeizuführen. "Das ist komplett illusorisch", urteilte Herrmann. In beiden Ländern habe man es mit hochgerüsteten Regimen zu tun, die keine Alternative hätten. "Die werden kämpfen bis zum letzten Atemzug", konstatierte die Publizistin. Kämpfe mit Bodentruppen vor Ort würden die USA nach Herrmanns Ansicht voraussichtlich verlieren. Zudem sei eine Mehrheit der Amerikaner isolationistisch gestimmt und wolle nicht in irgendwelchen fernen Weltgegenden Regime stürzen. Wahrscheinlicher seien daher einzelne Militärschläge, etwa im Iran. Trump gehe es letztlich nur um Trump, lautete Herrmanns Fazit. Und da der US-Präsident gegenwärtig innenpolitisch unter Druck sei, werde er sich "durch die Welt bomben", um als Kriegsherr über den ganzen Globus dazustehen. AfD-Politikerin in Erklärungsnot Ihren unerwarteten Höhepunkt erreichte die Talkshow bei einem Thema, das nur am Rande mit der US-Außenpolitik zu tun hat und zu einem offenen Streit zwischen dem Moderator und der AfD-Politikerin von Storch führte. Die US-Regierung sei zu Recht besorgt über den Zustand insbesondere der deutschen Demokratie sowie den Umgang mit der Opposition hierzulande, legte von Storch dar und fügte hinzu: "Ich finde es sehr beruhigend, zu wissen, dass die Vereinigten Staaten das auf dem Radar haben und das adressieren." Als Beispiel für eine bedenkliche Einstellung zur Meinungsfreiheit führte von Storch ausgerechnet eine kürzlich ausgestrahlte "Markus Lanz"-Sendung an. Dort habe der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Daniel Günther frank und frei gesagt, ein Magazin wie "Nius" müsse man im Zweifelsfall verbieten. Das 2022 gegründete Nachrichtenportal, dessen Chefredakteur der ehemalige "Bild"-Journalist Julian Reichelt ist, wird häufig als rechtspopulistisch und tendenziös kritisiert. Wie Moderator Markus Lanz der AfD-Politikerin anhand der Gegenüberstellung des Originalausschnitts seiner Sendung und der anschließenden irreführenden Berichterstattung von "Nius" vorführen konnte, handelte es sich bei von Storchs Wiedergabe um eine unzulässige Verkürzung und Verstellung von Günthers Aussagen. Der CDU-Politiker mit seinem Auftritt vom 7. Januar zwar tatsächlich eine Debatte über seine Einstellung zur Meinungs- und Medienfreiheit ausgelöst, seine Worte waren im Zuge dessen aber teilweise verfälschend zitiert worden. Von Storch geriet so nicht nur in deutliche Erklärungsnot, sondern musste auch die abschließende Standpauke des Moderators über sich ergehen lassen. "Wissen Sie, die Art von Meinungsfreiheit, die Leute wie sie immer meinen, und das ist auch die Art von Meinungsfreiheit, die JD Vance meint, das ist immer genau die, die ihm gerade passt, und damit habe ich ein riesiges Problem", warf Lanz von Storch erzürnt vor.