Kälte-Glocke über Russland: –55 Grad und Schnee bis zur 7. Etage
Eine massive Kältewelle mit Temperaturen bis zu minus 55 Grad hat weite Teile Russlands fest im Griff. In einigen Regionen türmt sich der Schnee bis zu einer Höhe von sieben Stockwerken. Ein massives Hochdruckgebiet hat sich über weite Teile Russlands gelegt . Laut dem russischen Hydrometeorologischen Zentrum bringt dieses Wetterphänomen außergewöhnlich kaltes und trockenes Wetter mit sich – vielerorts liegen die Temperaturen 7 bis 20 Grad unter den langjährigen Durchschnittswerten. Besonders betroffen sind der europäische Teil Russlands, der Ural und Sibirien . Dort seien die Abweichungen von der Klimanorm "rekordverdächtig", wie der wissenschaftliche Leiter des Zentrums, Roman Wilfand, der russischen Nachrichtenagentur Tass erklärte. Am härtesten trifft die Kälte den Süden Sibiriens. In Regionen wie Tomsk, Kemerowo, Nowosibirsk und Irkutsk fallen die Temperaturen auf Werte bis zu minus 53 Grad. Das russische Wetterzentrum sprach von einem "extrem gefährlichen Frostniveau", insbesondere in den zentralen Teilen der Region Krasnojarsk und im Norden Jakutiens, wo bereits minus 55 Grad gemessen wurden. Wetter-Prognosen: "Kältebestie aus dem Osten" kommt nach Deutschland Große Temperaturunterschiede: Wetterwende in Deutschland – "markante Phase" kommt Bis zu minus 26 Grad in Moskau erwartet Auch im europäischen Teil Russlands sinken die Temperaturen deutlich unter die Norm. In der Hauptstadtregion kündigten Meteorologen für die Nächte vom 17. und 18. Januar Werte bis zu minus 22 Grad an. Örtlich könnten die Temperaturen sogar auf minus 26 Grad sinken, heißt es beim russischen Wetterdienst. In Moskau sei die Nacht zum 16. Januar bereits die kälteste seit zwei Wochen gewesen, schrieb der Meteorologe Michail Leus auf seinem Telegram-Kanal. Der Höhepunkt der Kälte wird demnach am Wochenende erwartet. In Städten wie Samara, Kasan und Pensa sinkt die Temperatur dann auf minus 25 Grad. Das Katastrophenschutzministerium der Region Samara warnt angesichts der Witterung vor Ausfällen in der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft. Katastrophenschutzministerium bereitet sich auf Extremwetter vor Im Ural spitzt sich die Lage ebenfalls zu. In der Region Kurgan fallen die Temperaturen laut Katastrophenschutzministerium auf bis zu minus 40 Grad. Mobile Lager und Rettungsgruppen mit 100 Einsatzkräften und 26 Fahrzeugen wurden bereitgestellt, um die Bevölkerung bei Bedarf zu versorgen. Eisbaden in Jakutsk: Blogger springt bei minus 49 Grad ins Eisloch In der Region Tscheljabinsk haben die Behörden entlang der Fernstraßen mobile Aufwärmpunkte eingerichtet. Bei Temperaturen unter minus 42 Grad ist es in mehreren Ortschaften bereits zu Stromausfällen gekommen. Besonders betroffen war das Dorf Malinowka, wo der Ausfall fast einen ganzen Tag andauerte. In ländlichen Schulen wurden Notunterkünfte für Bürger eingerichtet, wie der Bezirksleiter Jewgeni Waganow erklärte. Einsatzkräfte kontrollieren Häuser, um sicherzustellen, dass niemand in akuter Gefahr ist. Windgeschwindigkeiten von bis zu 28 Metern pro Sekunde Während im Zentrum und Osten des Landes der Frost dominiert, kämpfen die Regionen im Fernen Osten mit einer Kombination aus Kälte, Schneestürmen und starkem Wind. Auf Kamtschatka und Tschukotka sowie im Norden der Region Chabarowsk werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 28 Metern pro Sekunde erwartet. In Petropawlowsk-Kamtschatski wurde am 16. Januar der Notstand ausgerufen. Bürgermeister Jewgeni Beljajew warnte vor Lawinengefahr an Berghängen sowie vor der Gefahr herabfallender Schneemassen von Dächern. Bereits am 15. Januar kamen zwei Menschen ums Leben, als Schnee von einem Hausdach stürzte. Schnee bis zur 7. Etage Kamtschatka wird seit mehreren Tagen buchstäblich von Schnee zugeschüttet. Seit dem 12. Januar hören die Niederschläge keine Stunde lang auf, und innerhalb von nur zwei Tagen ist in der Region mehr als die Hälfte der monatlichen Norm gefallen. Seit dem 14. Januar verschärft ein zweiter Zyklon die Lage. Er brachte nicht nur neuen Schnee, sondern auch orkanartigen Wind – die Böen erreichten bis zu 38 Meter pro Sekunde. In einzelnen Gebieten türmt sich der Schnee bis zu einer Höhe von sieben Etagen, wie das folgende Video zeigt. Die Bewohner sind gezwungen, Schneisen durch den Schnee zu schlagen, um zu ihren Häusern zu gelangen. In der Region Primorje werden zusätzlich zu den Stürmen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad erwartet. Die Kombination aus eisiger Kälte, Glatteis und starken Niederschlägen stellt die Behörden vor große Herausforderungen. Wenn minus 35 Grad "ungewöhnlich warm" sind Ein paradoxes Bild bietet sich ausgerechnet in Jakutien – der Region, die sonst regelmäßig zu den kältesten Orten der Welt zählt. Dort liegt die Temperatur derzeit teils 8 bis 12 Grad über der Norm, wie Roman Wilfand vom Hydrometeorologischen Zentrum erklärte. Nachts werden etwa minus 35 Grad gemessen, tagsüber steigt die Temperatur auf rund minus 30 Grad. Für Jakutien sei das "ungewöhnlich warm", so Wilfand weiter. Während andere Teile Sibiriens unter extremer Kälte leiden, erlebt Jakutien damit eine selten warme Wetterphase – ausgelöst durch die ungewöhnliche Verlagerung des Hochdrucksystems.