Epstein hatte offenbar Interesse an der Übernahme einer traditionsreichen deutschen Bank. Auch die Gründe dafür gehen einer Recherche zufolge aus den neuen Akten hervor. Jeffrey Epstein war daran interessiert, eine deutsche Traditionsbank zu übernehmen. Die Privatbank Sal. Oppenheim, ansässig in Köln, war während der weltweiten Finanzkrise in eine Schieflage geraten. Das 1789 gegründete Geldhaus sollte nach mehr als 220 Jahren Firmengeschichte im Jahr 2009 notverkauft werden. Ein Kaufangebot kam damals offenbar auch von dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein, wie aus den neuen Akten hervorgehen soll, die das US-Justizministerium am vergangenen Freitag veröffentlichte. Zuerst berichteten WDR, NDR und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) über Epsteins Interesse an der Bank. Geschäfte außerhalb des US-Zugriffs Die Übernahme plante Epstein damals gemeinsam mit hochrangigen Mitarbeitern der US-Bank J.P. Morgan. Geplant war wohl offenbar, eine Bank in Luxemburg anzusiedeln. Sal. Oppenheimer hatte dort bereits einen Sitz. Den Recherchen zufolge gehen auch die Gründe für Epsteins Bestreben aus den Dokumenten hervor. Offenbar ging es dabei nicht allein um ein Investment. Vielmehr habe er das Institut nutzen wollen, um Geschäfte außerhalb des Zugriffs US-amerikanischer Behörden abzuwickeln. Kunden ließen sich so laut Epsteins eigenen Worten wie hinter einer "chinesischen Mauer" vor den Behörden abschirmen. In einer E-Mail schrieb er damals: "Niemand mit Sinn und Verstand würde es wollen, dass eine US-Bank sich in die intimsten Details der eigenen Geschäfte einmischen kann." Die deutschen Aufsichtsbehörden schätzte Epstein offenbar als weniger strikt ein, als die US-Behörden. Banken spielten zentrale Rolle in Epsteins System Epstein soll Tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später beging er nach offiziellen Angaben Suizid in einer New Yorker Gefängniszelle. In den am Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten mehr als drei Millionen Dokumenten zum Fall Epstein tauchen die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auf, darunter auch US-Präsident Donald Trump , Tech-Multimilliardär Elon Musk , Frankreichs Ex-Kulturminister Jack Lang und der ehemalige britische Prinz Andrew . J.P. Morgan und Deutsche Bank leisteten Vergleichszahlungen Bekannt war bereits, dass Banken eine zentrale Rolle in Epsteins System spielten. Zahlreiche Frauen hatten etwa dem US-Finanzdienstleister J.P. Morgan im Jahr 2022 vorgeworfen, finanziell von Epstein profitiert und so den Missbrauch junger Frauen befähigt zu haben. Eine Einigung in Höhe von 290 Millionen Dollar mit den Epstein-Anklägerinnen folgte auf Enthüllungen, dass J.P. Morgan interne Warnungen ignoriert und Warnsignale bezüglich Epstein übersehen hatte – weil er ein wertvoller Kunde war. Epstein war zwischen 2013 und 2018 zudem Kunde der Deutschen Bank. Auch ihr wurde vorgeworfen, Sorgfaltspflichten verletzt zu haben. Konzernchef Christian Sewing hatte zudem im Jahr 2020 eingeräumt, dies sei ein "schwerwiegender Fehler" gewesen. Die Bank leistete schließlich mehr als 100 Millionen US-Dollar Vergleichszahlungen an Epsteins Opfer. 500 Millionen Dollar für ein Angebot Die "SZ"-Recherche zeigt nun, dass Epstein im August 2009 eine Initiative startete, um selbst in den Besitz einer Bank zu kommen. Vermittelt werden sollte das Geschäft mit Sal. Oppenheim über seine engen Kontakte bei J.P. Morgan. Als zentrale Figur tritt in der Korrespondenz amerikanische Banker Jes Staley auf, der damals als hochrangiger Manager bei J.P. Morgan fungierte. In E-Mails, die als Teil der Epstein-Akten öffentlich zugänglich sind, plante Epstein demnach, sich rund 500 Millionen US-Dollar zu leihen, um den Kauf des deutschen Geldhauses zu finanzieren. Dabei konkurrierte er mit der Deutschen Bank, die bereits in Verhandlungen mit der familiengeführten Privatbank stand. Epstein formulierte ein Kaufangebot Epsteins Initiative stieß bei den Eigentümerfamilien von Sal. Oppenheim demnach aber auf wenig Resonanz. Bereits am 7. August 2009 schrieb ein Oppenheim-Vertreter laut "SZ"-Recherche an einen Epstein-Vertrauten, man befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen, die "Chance aber z. Zt. unter 20 Prozent". Dennoch habe Epstein ein Kaufangebot formalisiert. Die Gruppe sei wechselweise als "Financial Trust" oder als "diskreter US-Finanzinvestor mit starker Kapitalbasis" aufgetreten. Die Dokumente sollen zudem zeigen, dass Epstein versuchte, seine Rolle zu verschleiern. Wiederholt schickte er demnach Jes Staley vor, um die Eigentümerfamilien zu überzeugen. In einer E-Mail, die in den Akten zu finden ist, stellte Epstein selbst die entscheidende Frage: "How to describe me???" – wie man ihn also beschreiben solle. Zur Aufwertung der Konstruktion wollte Epstein offenbar prominente Berater gewinnen, darunter den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair. Epsteins Vorstoß blieb erfolglos. Im Oktober 2009 übernahm die Deutsche Bank Sal. Oppenheim für 1,3 Milliarden Euro. J.P. Morgan und die Deutsche Bank wollten sich auf Anfrage der "SZ" nicht äußern. Auch Staleys Anwälte antworteten nicht. Aus Konzernkreisen hieß es dem Bericht zufolge, damalige Führungskräfte hätten nicht im Auftrag der Bankspitze gehandelt. Christopher von Oppenheim, damals persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim, ließ über einen Sprecher mitteilen, er wisse nichts von früheren Kaufabsichten Epsteins.