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Eigenverantwortung statt Staatshilfe: Warum wir mehr Risiko wagen sollten

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Ob beim vorauseilenden Schulfrei im Winter oder der Bewältigung der Krise: Statt die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, trainieren wir Menschen dazu, sich auf Regeln zu verlassen. Das könnte sich rächen, schreibt Neurowissenschaftler Henning Beck. Kennen Sie die DIN EN 1176? Sie regelt, wie Spielplatzgeräte und Spielflächen gestaltet sein müssen. Von der "dynamischen Höchstspannkraft im Tragseil, in kN" bis zur "lotrechten Gesamtlast der Nutzer für Spielplätze" wird haarklein ausgeführt, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit kleine Kinder sicher über den Spielplatz toben können. Das ist sicher gut gemeint – aber nicht zu Ende gedacht. Die norwegische Psychologin Ellen Sandseter würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Sie hat schon vor Jahren erforscht, dass Kinder ganz bewusst Gefahren suchen, um sie im Spiel zu meistern ("risky play"). Warum? Weil man so lernt, seine Grenzen einzuschätzen, und Ängste zu dosieren. Gastbeitrag von Henning Beck: Warum wir die Zukunft verspielen Der Spielplatz, gedacht als mentales und körperliches Trainingslager, verkommt bei uns zu einer gesicherten Wohlfühloase. Ich bin früher auf Bäume geklettert, ohne dass mir jemand zugeschaut hat. Wenn ein Kind heute fällt, fällt es weich, denn der Boden soll nach der ergänzenden DIN EN 1177 ab einer Fallhöhe von 600 mm stoßdämpfend aufbereitet sein. So ziehen wir eine Generation heran, die motorisch und mental keine Aufprall-Kompetenz mehr hat. Erste Studien der jüngsten Generation ("Generation Alpha") zeigen genau diesen psychologischen Effekt: Die Frustrationstoleranz sinkt, Konfliktlösungsfähigkeiten nehmen ab. Kein Wunder, wenn "Helikopter-Eltern" und ein überbehütender Staat vor allem das Signal senden: Du bist sicher. Leider ist die Welt nicht sicher. Erziehen wir Menschen dazu, permanent beschützt werden zu wollen, sprechen wir Ihnen die Fähigkeit ab, selbstständig und eigenverantwortlich handeln zu können und aus Rückschlägen gestärkt hervorzugehen. Sprich: Wir machen sie schwach. Schon in den 1980ern hat der US-Psychologe Jerome Kagan festgestellt: Ein ängstliches Kind, von den Eltern vor allem abgeschirmt, was ihm Angst macht, erlebt etwas Tragisches. Seine Angst verschwindet nicht. Sie verfestigt sich. Das Gehirn lernt: "Die Welt ist so gefährlich, dass meine Eltern mich ständig schützen müssen." Nur die Kinder, die trotz ihrer Angst sanft an ihre Grenze geführt wurden, legten die Ängstlichkeit ab. Wir tun heute gesellschaftlich genau das Gegenteil: Wir bestätigen die Angst durch Vermeidung. Das Risiko wird gerne vergesellschaftet. Was wir brauchen, ist mehr Eigenverantwortung. Mehr Selbstständigkeit. Mehr gesunden Menschenverstand, um für sein eigenes Leben einstehen zu können. Denn das Problem ist nicht, dass wir unsere Kinder schützen wollen (Wer will das nicht?). Das Problem ist, dass wir heute ständig einfordern, dass für einen gesorgt wird. Natürlich ist Schutz legitim. Aber wenn er zur Standardlogik wird, ersetzt er persönliche Verantwortung durch externe Regulierung. Langfristig führt dies zur Unterentwicklung eigenständiger Entscheidungsfähigkeiten. "Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen", formulierte es der deutsche Ökonom Walter Eucken, ein Pionier der Sozialen Marktwirtschaft. Diese Ansicht hat sich geändert. Heute wird der persönliche Nutzen gerne mitgenommen – das Risiko hingegen vergesellschaftet. Hat schließlich nicht der Staat dafür zu sorgen, dass es allen gutgeht? Wehe, er kommt dieser sozialen Forderung nicht nach. Auch aus diesem Grund fordern wir, dass Risiken möglichst konsequent aus dem Weg geräumt werden. "Zero-Risk-Bias" nennt sich der Denkfehler, dass Menschen für die Reduktion des letzten bisschen Restrisikos hohe Summen zu zahlen bereit sind. Denn der Preis für Sicherheit ist hoch. Was für ein Mentalitätswandel Erstens: Wir werden unselbstständiger. Viele Bereiche des Alltags werden heute als "Risiken" behandelt, die eliminiert werden sollen. Diese "Riskifizierung" führt zu mehr Regeln, weniger Raum für individuelle Entscheidung und reduziert die Eigenverantwortung. Seitdem der Deutsche Wetterdienst seine Warnregeln konsequent kommuniziert, tut man sich beispielsweise leichter mit vorauseilenden Schulschließungen. Denn was früher eine Fährnis des Lebens war (nämlich durch den Schnee zur Schule zu kommen), hat heute Schuldpotenzial. "Pass auf dich auf", riefen mir meine Eltern früher zu, wenn ich als Vierjähriger zum Kindergarten lief. "Warum hast du das zugelassen?", werfen fassungslose Eltern nun einer öffentlichen Verwaltung vor, wenn diese bei DWD-Warnstufe 2 nicht für ausreichend Sicherheit gesorgt hat. Was für ein Mentalitätswandel. Wenn einem im Wald ein Ast auf den Kopf fiel, war das tragisch oder Pech. Heute ist es ein Versäumnis der Kommune. So schaffen wir den Begriff des "Schicksals" gesellschaftlich ab. Es gibt kein Pech mehr, es gibt nur noch Schuldige, die man verklagen kann. Wer früher nach 20 Jahren Kettenrauchen dem Lungenkrebs erlag, war selbst schuld. Heute soll jeder Verbraucher mit Lebensmittelampeln, Warnhinweisen und Aufklärungskampagnen öffentlich erzogen werden. Wer früher in die Stadt zog, wusste, dass es teuer wird. In Tübingen hatten wir vor 20 Jahren Kaltmieten von 20 Euro pro Quadratmeter. Heute fordern wir ein "Recht auf bezahlbaren Wohnraum" ein – und zwar an jedem Ort. Als wäre eine Balkonwohnung in München-Schwabing ein Grundrecht. Auf Dauer wird das zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung Immanuel Kant brachte es vor einem knappen Vierteljahrtausend auf den Punkt: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Heute erleben wir den Eingang in die staatlich betreute Unmündigkeit: Eine Lebensmittelampel soll die Kunden zur gesunden Ernährung anstupsen. Oder anders gesagt: Der Staat traut den Menschen nicht mehr zu, dass sie merken, dass Zucker dick macht. Er behandelt uns wie ein unmündiges Kind, das man an die Hand nehmen muss. Auf Dauer wird das zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Wer sich daran gewöhnt, dass für einen gesorgt wird, denkt weniger nach. Das Schlimme ist nicht, dass der Staat das tut. Das Schlimme ist, dass wir es wollen. Wir haben eine Sehnsucht nach dem "Paternalismus" entwickelt. Es ist bequem, unselbstständig zu sein. Sind wir schon auf dem Weg in eine "betreute Demokratie", in der zu Klienten degradierte Bürger beim Staat ihr Glück bestellen wie bei Amazon – und wehe, die Lieferung verzögert sich? Resilienz ist wie ein Muskel, er wächst nur am Widerstand Zweitens: Wenn der Staat Risiken weitestgehend übernimmt, entzieht er Menschen die Möglichkeit, Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Werden alle Risiken wegreguliert, verkümmert die Fähigkeit zur Krisenbewältigung. Kinder werden weniger frustrationstolerant, Erwachsene hilflos. Tritt dann eine Krise ein, die der Staat nicht abfedern kann (etwa Inflation oder Krieg), sind die Menschen, denen man immer gesagt hat "wir kümmern uns", am schutzlosesten, weil sie keine privaten Bewältigungsstrategien entwickelt haben. Ein anderes Wort für die Fähigkeit, Rückschläge zu bewältigen, ist übrigens "Resilienz". Was für eine Ironie: In jedem Management-Seminar, in jeder HR-Abteilung wird heute "Resilienz" gepredigt. Wir alle sollen widerstandsfähig sein. Aber gleichzeitig entfernen wir systematisch jeden Widerstand aus dem Leben. Wie soll denn Resilienz entstehen? Resilienz ist wie ein Muskel, er wächst nur am Widerstand. Wenn ich aber jede Prüfung, jede Härte, jede Ungerechtigkeit sofort wegreguliere oder therapeutisiere, dann ist der Ruf nach Resilienz reines Marketing. Nur wer zurückgeschlagen wird, kann gestärkt daraus hervorgehen. Wie soll man das Aufstehen lernen, wenn man nie hinfällt? Idee von eigenverantwortlichen Bürgern hat keine politische Konjunktur Das Problem: Die Idee von eigenverantwortlichen Bürgern hat keine politische Konjunktur. Im Gegenteil: Wer sich selbst um seine Altersvorsorge kümmert und Kapital aufbaut, soll laut den aktuellen Ideen von Bärbel Bas extra zur Kasse gebeten werden, um ein offensichtlich in Teilen dysfunktionales Krankenkassensystem zu finanzieren. Vielen Dank, werden da Millionen von Freiberuflern sagen und all diejenigen, die bereit sind, ihre persönliche Alterssicherung selbst in die Hand zu nehmen. Und was für ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die genau das leisten, was unsere soziale Marktwirtschaft fordert: Sich nicht auf Kosten der anderen auszuruhen, sondern sich eigenverantwortlich um ihr Fortkommen zu bemühen. Tatsächlich lässt sich der gesellschaftliche Beginn dieser Kontrollsehnsucht recht gut datieren: Seit der Finanzkrise ist das Vertrauen nicht nur in freie Märkte, sondern auch in eigenverantwortliches Handeln hierzulande zutiefst erschüttert. Das darauffolgende Jahrzehnt politischer Kriseninterventionen hat uns vor allem eines gelehrt: Ohne konsequente Regulierung geht es nicht. Das ist allerdings nur in Teilen richtig. Denn wir können kein Gesetz erlassen, das unser Leben besser macht. Das ist schon unsere eigene Aufgabe. Es wird auch kein Gesetz geben, das uns vor Unbill und Schicksalsschlägen schützt. Vielleicht sollten wir Menschen daher mehr zutrauen, nicht nur Kindern, sondern auch uns Erwachsenen. Auch das ist Teil der deutschen DNA: "Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken", schrieb Friedrich Schiller, ein Zeitgenosse Immanuel Kants, schon vor mehr als 225 Jahren. Es müssen harte Zeiten gewesen sein. Hinweis der Redaktion: Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinungen der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.














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