Iran: TV-Versprecher löst Entlassungswelle nach Chamenei-Slogan aus
Irans Staatsapparat hat einen Senderchef entlassen. Der Vorfall löst internationale Beachtung aus. Im Iran haben die Behörden nach dem "Fehltritt" eines TV-Moderators während einer Live-Sendung zum 47. Jahrestag der Islamischen Revolution den Senderchef entlassen. Dies berichtete am Donnerstag das iranische Staatsfernsehen. Der Moderator des regionalen Senders Hamun TV, Musab Rasulisad, hatte am Mittwoch eine Versammlung zur Revolutionsfeier in der südöstlichen Provinz Sistan-Balutschistan begleitet. Dabei entglitt dem Moderator der Slogan "Tod für Chamenei". Dieser Slogan gegen den das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, war während der jüngsten, blutig niedergeschlagenen Protestbewegung oft zu hören gewesen. Dem Moderator entglitt der Spruch, während er beschrieb, was bei der Revolutionsfeier vor sich ging und er Gesänge wie "Gott ist groß" für die Fernsehzuschauer wiederholte. Trump und der Iran: Das würde das Regime nicht überleben Newsblog zur Lage im Iran: Alle Entwicklungen "Versprecher und Fehlgriff" Der Direktor des Senders sei "nach einem Fehler, der in dem Regionalsender auftrat", entlassen worden, berichtete das Staatsfernsehen. Der für die Übertragung zuständige Techniker und der Sendeleiter wurden demnach suspendiert. Weitere Angestellte des Senders müssten sich vor einem Disziplinarausschuss verantworten, hieß es weiter. Die Strafmaßnahmen dienten dazu, "die professionelle Disziplin zu erhalten und den Ruf des Senders zu schützen". Rasulisad entschuldigte sich nach der Sendung in einem Video. Der Ausspruch des Protestslogans sei ein "Versprecher und Fehlgriff" gewesen, sagte er. Bei Pro-Regierungsdemonstrationen im Iran sind Slogans wie "Tod für Amerika" und "Tod für Israel" üblich. Regierungsgegner rufen Parolen gegen Irans Führung Regierungsgegner riefen auch am Jahrestag der Revolution am Mittwoch in Teheran von ihren Balkonen aus Parolen gegen die Regierung. Zu hören waren unter anderem die Rufe "Tod dem Diktator" und "Tod der Islamischen Republik". Über den Jahreswechsel hatte es im Iran mehrere Wochen lang Massenproteste gegen die religiöse und politische Führung des Landes gegeben, bei denen tausende Menschen getötet wurden. Die iranische Führung spricht von mehr als 3.000 Toten bei den Demonstrationen – ihren Angaben zufolge hauptsächlich Sicherheitskräfte und von "Terroristen" getötete Passanten. Menschenrechtsgruppen gehen von einer weitaus höheren Zahl an Toten aus. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana bestätigte bisher mehr als 7.000 Todesfälle, meist unter den Demonstranten. Zudem seien mindestens 52.623 Menschen festgenommen worden.