„Eine schwere Geburt …“
Die GIESSEN 46ers feiern mit dem 92:88 (40:41) bei Neuling SBB Baskets Wolmirstedt den fünften Auswärtssieg dieser Saison.
Ingo Klimmey, ein Freund von „Frenki“ Ignjatovic, war wie immer vor Ort, wenn die GIESSEN 46ers im Osten Deutschland spielen. Jena, Dresden, Chemnitz, Weißenfels … Und nun Magdeburg. Die rund 150 Kilometer von seinem Wohnort Grimma in Sachsen bis in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt nahm er am Freitagabend gerne in Kauf, um seinem alten Kumpel, mit dem er einst die Trainerlizenz gemacht hatte, beizustehen. Ihn moralisch zu unterstützen. Und vor allem um danach mit ihm nochmals einen Schnack zu halten und die Partie zu analysieren.
Dass Ignjatovic dabei herzhaft lachen musste, war der Tatsache geschuldet, dass sein Spezi wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen hatte: „Es war eine schwere Geburt, aber das Kind ist gesund!“ Keine Worte dieser Welt hätten die Partie des 23. Spieltages der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA besser beschreiben können als die von Ingo Klimmey. Denn der 92:88 (40:41)-Erfolg des Altmeisters von der Lahn bei Aufsteiger SBB Baskets Wolmirstedt glich einem langen Kampf. Mit einem glücklichen (aber nicht unverdienten) Ende für die 46ers, die sich rechtzeitig vor dem Umzug in einer Woche in die Wetzlarer Buderus Arena und der Partie gegen die Nürnberg Falcons einigermaßen erholt von gar manchen Rückschlägen in dieser Saison präsentiert hatten.
Kein Wunder also, dass Branislav Ignjatovic davon sprach, dass es „heute keinen Schönheitspreis zu gewinnen“ gegeben habe, dass „einzig und allein die zwei Punkte zählen. Der Sieg war enorm wichtig. Wir haben Moral bewiesen und uns endlich auch mal wieder in einem engen Match belohnt. Ich merke, es kommen bessere Zeiten.“
In die gleiche Kerbe schlugen auch seine Jungs, die froh waren, in der Crunchtime eine Partie auf ihre Seite gezogen zu haben, die trotz zwischenzeitlich deutlicher 13-Punkte-Führungen fast noch in die Hose gegangen wäre. „Als unsere Gastgeber nach der Pause plötzlich einen Run hatten, haben wir gut reagiert“, befand Kapitän Robin Benzing. „Wir haben mit viel Energie gespielt und es geschafft, die Partie in unsere Richtung zu kippen“, ergänzte Till Gloger. Und Luis König Figge dankte Kyle Castlin: „Er war am Ende überragend!“
In der Tat lief der Topscorer der 46ers zur richtigen Zeit heiß und markierte 18 seiner starken 25 Punkte in den letzten zehn Minuten. Wolmirstedt machte aus einem 61:74-Rückstand (32.) innerhalb von nur zwei Minuten den 74:74-Ausgleich, doch der US-Guard aus Georgia entschied, sich diese Aufmüpfigkeit nicht bieten zu lassen. Erst versenkte er zwei Würfe aus Downtown zum 79:78 und zum 85:84, dann schloss er einen Traumpass von Robin Benzing zum 87:86 ab, ehe er per And One auf 89:88 stellte und später von der Freiwurflinie fünf Sekunden vor Schluss alles entscheidend zum 92:88-Endstand traf. „KC hat am Ende die Nerven behalten und uns gerettet“, freute sich „Frenki“ Ignjatovic über einen seiner Helden des Abends.
Doch der Gießener Erfolg in Magdeburg hatte am Freitag viele Väter. Beispielsweise Till Gloger, der nach seinen 20 Zählern vor Wochenfrist gegen die Tigers Tübingen abermals als „Mister Zuverlässig“ unter beiden Körben glänzte, sieben seiner elf Würfe aus der Nahdistanz versenkte und auch sechs Abpraller einsammelte. Beispielsweise Viktor Kovacevic, der längst wieder ganz der Alte ist und ein Double-Double auflegte. Beispielsweise Daniel Norl, der gerade zu Beginn des dritten Viertels Selbstbewusstsein demonstrierte, die 46ers mit fünf schnellen Punkten auf 48:43 davonziehen ließ und damit die wichtigste Phase der Begegnung einläutete, denn Robin Benzing und Simon Krajcovic (mit der Shotclock) machten es dem Ex-Bremerhavener nur Sekunden später nach und vollendeten aus dem Nirwana.
Beispielsweise Robin Benzing, der nicht nur 14 Punkte zum Gelingen beisteuerte, sondern der wieder einmal in vielen Situationen ein glänzendes Auge bewies. Und beispielsweise auch Simon Krajcovic, der anfangs zwar vogelwild ballerte, der am Vorabend seines 32. Geburtstags aber im Alleingang aus einer 62:58-Führung vor dem Schlussabschnitt ein 67:58 für Gießen machte.
„Unsere Schussquote hat bei unter 50 Prozent zwar wieder einmal zu wünschen übriggelassen, dennoch haben wir auswärts 92 Punkte markiert“, wunderte sich „Frenki“ Ignjatovic ein wenig über die starke Offensivleistung. „Der Sieg war aber verdient, ich bin echt stolz auf meine Jungs!“
Das konnte der 46ers-Übungsleiter auch sein, denn von Beginn an machten die Mittelhessen klar, dass sie in die Playoffs wollen. Beim dritten Nachfassen durch Till Gloger zum zwischenzeitlichen 9:9 (4.), beim krachenden Dunk von Jonathan Maier zum 22:21 (10.), beim Alley Oop von Viktor Kovacevic, fantastisch bedient von Aiden Warnholtz, zum 60:48 (26.), beim 62:55 (30.) von Robin Benzing, der den bulligen Fabien Kondo wie in einer Telefonzelle frisch machte, beim 72:61 durch Kyle Castlin, der einen Tempogegenstoß abrupt abstoppte, um hinter den 6,75-Meter-Linie zu vollenden, erst recht aber beim 74:61 von Kyle Castlin nach Steal unter dem eigenen Korb erlebten die rund 30 mitgereisten Gießener Fans jenes unerschütterliche Selbstbewusstsein, das die Profis des Altmeisters in den bisher knapp vier Jahren unter „Frenki“ Ignjatovic fast immer ausgezeichnet hatte.
Dass der 59-Jährige nach der Schlusssirene mit der Becker-Faust über das Parkett bretterte, war ihm nicht zu verdenken, schließlich waren die letzten Monate für ihn kein Zuckerschlecken. „Dass so viele von euch mitgefahren sind, obwohl unsere Saison bisher eher bescheiden war, ist großartig“, wandte sich der Deutsch-Serbe freudig winkend an die auf der Tribüne nach ihm rufenden 46ers-Anhänger. „Ihr seid einmalig.“
Und vor allem waren sie noch von deutlich weiter angereist als Ingo Klimmey …
Wolmirstedt: Stewart (11), Köhler (n.e.), Perry (4), Bogdanov (3), Williamson (28), Paulauskas (4), Koppke (n.e.), Wohlrath (6), Pruitt (9), Ceesay (4), Kondo (2), Hughes II (17).
Gießen: Norl (8), Warnholtz, Castlin (25), Benzing (14), Maier (6), König Figge, Müsse (n.e.), Gloger (16), Nyama, Kovacevic (12), Krajcovic (11).
UND SONST NOCH …
- Unsere Starter: Daniel Norl, Kyle Castlin, Till Gloger, Viktor Kovacevic, Simon Krajcovic.
- Unser ausdauerndster Profi: Kyle Castlin (35:38 Minuten).
- Unser stärkster Rebounder: Viktor Kovacevic (13).
- Unser erfolgreichster Passgeber: Simon Krajcovic (6).
- Unsere höchsten Führungen: 56:43 (24.), 58:45 (26.) und 74:61 (32. Minute).
- Unsere erfolgreichste Serie: 11:0 zum 56:43 (24. Minute).
- Unsere emotionalen Beobachter: 1387 Zuschauer in der Magdeburger Wolfgang-Lakenmacher-Halle, davon 30 aus Gießen.
- Unser nächster Auftritt: Samstag, 21. Februar (17.30 Uhr), in der Wetzlarer Buderus Arena gegen die Nürnberg Falcons.
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