Das Aufklärungsflugzeug E-3 Sentry ist für die US-Luftwaffe unerlässlich. Nun wurden fast alle einsatzbereiten Modelle in den Nahen Osten entsandt. In dieser Woche machen die Vereinigten Staaten im Hinblick auf den Konflikt mit dem Iran ernst: Während am Dienstag die Trump-Vertrauten Steve Witkoff und Jared Kushner mit ihrer Delegation Gespräche über das Atomprogramm der Islamischen Republik in Genf führten, verlegte die US-Armee so viele Flugzeuge und Schiffe in den Nahen Osten, wie sie es zuletzt vor der Invasion des Irak im Jahr 2003 getan hatte. Ob dieser Aufbau einer militärischen Macht wirklich die Vorbereitung für eine großangelegte Angriffswelle auf das Mullah-Regime ist, oder ob die USA nur eine Drohkulisse aufbauen, um den Iran zum Einlenken zu zwingen , ist bislang unklar. Doch ein besonders klares Signal sendet ausgerechnet ein eher unauffälliges, mit Technik beladenes Flugzeug: die Boeing E-3 Sentry, die wegen ihres Radar- und Gefechtsstandsystems auch als Airborne Warning and Control System, kurz AWACS, bekannt ist. Sicherheitsexperte: "Das ist kein PR-Gag" Sechs dieser fliegenden Gefechtsstände wurden innerhalb von 48 Stunden von US-Stützpunkten in Alaska und Oklahoma nach Großbritannien und Deutschland geflogen – zwei davon sind laut Flugbewegungsdaten bereits weiter in den Nahen Osten unterwegs, der Rest dürfte folgen. Iran-Newsblog: Russland warnt USA vor Angriff auf den Iran US-Truppenbewegung: Läutet Trump hier das Ende der Mullahs ein? 16 E-3-Flugzeuge stehen im Dienst der US-Luftwaffe. Doch wie Matthew Hoh, Sicherheitsexperte beim Eisenhower Media Network, auf dem Kurznachrichtendienst X schreibt, seien offiziell neun der fliegenden Gefechtsstände einsatzbereit. Diese Zahl schätzt Hoh außerdem als zu hoch gegriffen ein, er vermutet sieben oder acht einsatzfähige E-3 Sentrys im Dienst der US-Luftwaffe. Somit seien nahezu alle einsatzfähigen AWACS für einen möglichen Angriff der USA auf den Iran in Stellung gebracht worden. "Das ist kein PR-Gag, das macht die Luftwaffe nur, wenn es absolut notwendig ist", schreibt Hoh. AWACS sind im Kriegsfall für die USA entscheidend Die E-3 Sentry gilt als fliegendes Nervenzentrum militärischer Operationen. Mit ihrer rotierenden Radarantenne auf dem Rumpf kann sie sowohl feindliche als auch eigene Flug- und Schiffsbewegungen weitflächig erfassen. Das gilt auch für niedrig fliegende Ziele wie Drohnen oder Marschflugkörper, bei deren Erfassung und Abwehr das System helfen kann. Die Flugzeuge dienen jedoch nicht nur der Aufklärung, sondern steuern aktiv die Luftkriegsführung: Sie leiten Kampfjets, koordinieren Abfangmaßnahmen und übermitteln Echtzeitdaten an Kommandozentralen. Im Fall eines Angriffs auf iranische Ziele wäre genau dieser Aspekt für die Luftkampffähigkeiten der USA und ihrer Verbündeten in der Region essenziell. Experten gehen davon aus, dass eine solche Attacke der USA eine massive Gegenreaktion Teherans provozieren würde – mit Drohnenangriffen, Raketenbeschuss und asymmetrischen Aktionen in der Region. Die AWACS wären dann Schlüsselinstrumente zur Koordination von Luftabwehr, Gegenangriffen und Rettungsoperationen. Die Verlegung ist ein Risiko für die USA Verlegen die USA einen so großen Teil dieser Spezialflugzeuge in den Nahen Osten, gehen sie damit ein strategisches Risiko ein. Denn insbesondere in Alaska, wo bislang zwei E-3-Maschinen für die Luftraumüberwachung zuständig waren, dürfte eine kritische Lücke entstanden sein. Selbiges gilt auch für den Indopazifik, ein weiteres geopolitisches Spannungsfeld. Auch hier fehlt es der US-Luftwaffe nun an unmittelbarer AWACS-Verfügbarkeit. Hintergrund ist der jahrelange Modernisierungsstau: Von einst 31 Flugzeugen ist die Flotte auf 16 geschrumpft. Ersatz durch modernere E-7-"Wedgetail"-Jets verzögert sich; ein geplanter Stopp des Programms wurde zwar vom US-Kongress zurückgenommen, aber Zeit wurde verloren. Durch die Verlegung würde es für die Vereinigten Staaten schwer, unmittelbar zu reagieren, sollte etwa China eine Eskalation im Pazifik forcieren, während die AWACS der USA im Nahen Osten gebunden sind. Ein politisches Signal Die Entsendung der E-3-Flugzeuge ist daher auch ein politisches Signal: Die USA sind offenbar bereit, bestehende Lücken in anderen Regionen zu riskieren, um im Nahen Osten präsent zu sein. Laut einem Bericht von "Itamilradar" könnten die Maschinen demnächst auf dem saudischen Stützpunkt Prince Sultan Air Base stationiert werden – ein Ort, der bereits im Juni 2025 Ausgangspunkt für militärische Operationen gegen den Iran war. Zwei AWACS sind bereits am Mittwoch dort angekommen. Somit verdichten sich die Hinweise auf konkrete Angriffsvorbereitungen. Ein Berater von US-Präsident Trump wird von der amerikanischen Nachrichten-Webseite "Axios" zitiert: "Ich denke, die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Eingreifens liegt bei 90 Prozent." Auch Vizepräsident JD Vance erklärte in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox News am Dienstag, es gebe rote Linien für Trump, hinsichtlich derer Teheran zu keinen Zugeständnissen bereit sei.