Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo RTL daher. Das Dschungelcamp ist vorbei, schon seit zwei Wochen. Beim Sender aus Köln wähnt man sich noch im Karnevalsblues und singt: Einer geht noch. Eine Kolumne von Janna Halbroth. Wenn jemand weiß, wie man Sachen ausschlachtet, dann ist es RTL. Nachdrehs zu gut laufenden oder auch weniger gut laufenden Shows gehören zum Standard-Repertoire". "Der Bachelor", "Das Sommerhaus der Stars", "Temptation Island VIP", "Die Verräter", "Love Island" – all diese Formate sind nicht etwa vorbei, wenn sie vorbei sind. Sie alle haben inzwischen eine Wiedersehens-Show, in der dann noch einmal alles durchgekaut wird. Der Dschungel ist der Dschungel und hat deswegen sogar mehrere solche Sendungen. Vielleicht sei an dieser Stelle noch einmal kurz das Programmsystem des Dschungelcamps erklärt, das nach eigenen Gesetzen funktioniert. Nach jeder täglichen Sendung von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" folgte 17 Tage lang das Format "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Die Stunde danach". Nach den ersten fünf Tagen mit dieser Doppelspitze dachte man sich wohl: nur zwei Shows zum Thema Dschungel? Wir sind hier doch nicht bei ProSieben, da geht noch mehr. Also kramte man oberflächlich in der RTL-Schublade nach einem, der früher einmal alles konnte und jetzt irgendwie gar nichts mehr und fand: Stefan Raab . Fortan gab es nach der Originalshow und nach der "Stunde danach" also noch "Die Stefan Raab Show – Die halbe Stunde nach der Stunde danach". Haha. Witzig war das nur leider eher selten. "Sollte ersetzt werden": RTL-Zuschauer kritisieren Sonja Zietlow für Umgang mit Gil Ofarim Am Montag vor zwei Wochen gab es nach "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Das große Finale" die Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Das große Wiedersehen", und weil das alles noch nicht groß genug war, zeigte man dann am vergangenen Sonntag, also 14 Tage nach Ende der eigentlichen Staffel, noch einmal das Format "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Das Nachspiel". Ob die Erfinder hier aus weiser Voraussicht und Einsicht auf das "große" verzichteten, kann hier nur spekuliert werden. Von Rebecca Mirs "RTL-Exklusiv"-Interview am Samstag nach dem Finale mit Gil Ofarim soll hier aus Platz und Unterhaltungsgründen lieber erst gar keine Rede sein. Ebenso wenig wie von Frauke Ludowigs Piratinnen-Show , in der sie Ofarim auch noch mal interviewte, woraus dann die dramatisch klingende Dokumentation "Der Fall Ofarim" entstand, die seit vergangener Woche online abrufbar ist. RTL weiß jedenfalls, wie man Kühe melkt und Schweine schlachtet, und das nicht erst seit "Bauer sucht Frau". Braucht man das alles? Es stellt sich nun also unausweichlich die Frage: Braucht man dieses zweite Wiedersehen? Da schon das erste Treffen dieser Art ein Flop war, ist die Antwort schnell gegeben: nein. Von rund 165 Minuten wurden dem TV-Publikum über 30 Minuten lang Kaufempfehlungen abseits des Dschungels gegeben. Weitere wertvolle Minuten gingen für Rückblicke drauf, die schon zwei Wochen zuvor beim "großen Wiedersehen" überflüssig waren, da wir ja nun alle eben erst das Dschungelcamp hinter uns gelassen und mit eigenen Augen gesehen haben, was dort vorgefallen ist. In der Zeit, die dann noch übrig blieb, ging es um Streitigkeiten, die sich schon im Camp wie eine Wiederholung anfühlten. Nach etwa 130 Minuten, sozusagen in der Verlängerung des Nachspiels, gab es dann doch noch so etwas wie eine kurze spannende Sequenz. Moderator Jan Köppen hat "viel nachgedacht" und dabei kam heraus, dass er sich über Dinge ärgert, die er nicht klargestellt hat, weswegen er nun Gil Ofarim, dem Sieger der Show, noch einmal auf den Zahn fühlen wollte. Nach viel Palaver stellte er dann endlich die Frage, die man dem Musiker schon hätte vor zwei Wochen stellen müssen: "Wolltest du Zweifel säen?" Zweifel woran? 2021 hatte Ofarim einen Hotelmitarbeiter beschuldigt, ihn antisemitisch beleidigt zu haben. Der eine oder die andere wird es vielleicht mitbekommen haben. In einem Gerichtsprozess zweieinhalb Jahre später gab Ofarim zu, dass er die Vorwürfe frei erfunden hatte. Trotzdem war er 2026 im Dschungelcamp, wollte aber nicht einsehen, dass ein großes Verlangen darin bestand, dass er über eben genau diese Lüge spricht. Im Dschungel aber schwieg Ofarim 14 Tagen lang, schob eine Verschwiegenheitserklärung vor und säte dann, ob bewusst oder nicht, Zweifel an dem gesamten Vorfall. Er suggerierte mehrmals, dass das, was im Hotel vorgefallen war, vielleicht doch so hätte sein können, wie er es anfangs in einem Video auf Social Media schilderte. Viele Zuschauende waren plötzlich nicht mehr sicher, ob Ofarim nun gelogen hatte oder nicht. Der heute 43-Jährige erklärte, er habe selbst Fragen an das deutsche Justizsystem, sagte, er sei freigesprochen worden und machte auf eine Reportage aufmerksam, in der aufgedeckt worden sei, dass einige Sekunden aus einem Überwachungsvideo fehlten. Dabei ist der Fall klar: Ofarim wurde nachweislich als Lügner enttarnt, es gab Beweise, Zeugenaussagen und letztlich auch sein eigenes Geständnis. Im Nachspiel entschuldigte sich Ofarim zwar für seine teilweise falsche Wortwahl, konnte aber nicht aus seiner Haut. Er inszenierte sich abermals als Opfer, als Mensch, der seit 1995 eine erfolgreiche Karriere hatte und so viel mehr sei als diese eine Sache. Und wie wird das Publikum nun zurückgelassen, was ist sozusagen die Einsicht aus dieser Wahnsinns-Inszenierung? Vielleicht: Weniger ist mehr? Oder vielmehr die Erkenntnis, dass RTL noch so viele Shows machen kann: An Gil Ofarim scheitert der Sender. Er ist der Mann mit der eisernen Maske, wahrhaftige Schuldeingeständnisse gibt es bei ihm nicht. Fast schon David-Copperfield-mäßig ist er ein Meister der Inszenierung, der die Zuschauer glauben lassen will, dass nichts ist, wie es scheint. Auf Ofarims eigene Frage, was er nun in den kommenden zwölf Monaten, bis zur neuen Staffel Dschungelcamp als amtierender König eigentlich machen müsse, antwortete Sonja Zietlow schlicht: "genau nichts". Und das ist vielleicht das Beste, was uns passieren könnte. Es sei denn RTL setzt die Maschinerie an und macht aus "genau nichts" 78 Shows PLUS drei große Wiedersehen mit Nachspiel. Teilen Sie Ihre Meinung mit Wie haben Sie Sonja Zietlow und Jan Köppen bei den Dschungel-Shows wahrgenommen? Schreiben Sie eine E-Mail an Lesermeinung@stroeer.de . Bitte nutzen Sie den Betreff "Dschungel" und begründen Sie.