Medhi Benatia: Wirbel um Vorwürfe gegen Ex-Bayern-Profi in Marseille
Unruhe bei Olympique Marseille: Eine Lokalzeitung schreibt von schweren internen Streitigkeiten. Im Mittelpunkt: Ein früherer Spieler des deutschen Rekordmeisters. 28 Millionen Euro zahlte der FC Bayern 2014 für ihn an die AS Roma – nur um ihn zwei Jahre später erst für drei Millionen Euro an Juventus Turin zu verleihen, und im Sommer 2017 dann für 16,5 Millionen Euro an die "Alte Dame" zu verkaufen. 46 Pflichtspiele absolvierte er insgesamt für den deutschen Rekordmeister, konnte die ganz großen Erwartungen als Abwehr-Stabilisator allerdings nicht erfüllen. Nach weiteren Stationen in Katar und der Türkei beendete er 2021 seine aktive Karriere, blieb dem Fußball aber verbunden: Im November 2023 kehrte er zu seinem langjährigen Klub Olympique Marseille zurück, wurde erst Berater des Managements, ist seit Januar 2025 Sportdirektor des Traditionsklubs. Nun aber sieht sich Medhi Benatia mit schweren Vorwürfen konfrontiert, die über die Stadt in Südfrankreich hinaus Aufsehen erregen. Einmal soll sogar die Polizei verständigt worden sein Die lokale Tageszeitung "La Provence" veröffentlichte am Donnerstag einen wenig schmeichelhaften Bericht über die Arbeit des 38-Jährigen bei "OM" und das von ihm erzeugte Arbeitsklima im Klub – und ließ kein gutes Haar am früheren marokkanischen Nationalspieler. Aus droht: Pokal-Klatsche für Thomas Müller und Vancouver Kahn schwärmt vom FC Bayern: "Beste Mannschaft in Europa" Die Reportage beschreibt Benatias schnellen Aufstieg in Marseille und seinen zunehmenden Einfluss auf Jugendarbeit, Kommunikation und sogar die erste Mannschaft des Spitzenklubs. Demnach habe es klubintern wiederholt Streit und Missstimmung gegeben, Benatia habe dabei stets im Mittelpunkt gestanden. Auch der Trennung von Trainer Roberto De Zerbi Mitte Februar – nach einem 0:5 im Topspiel gegen Paris Saint-Germain und dem Verpassen der K.o.-Phase der Champions League – seien abseits der enttäuschenden Ergebnisse Spannungen mit dem Sportdirektor vorausgegangen. Mehr noch: Schon im Sommer 2024 habe die damalige Co-Geschäftsführerin Cécilia Barontini sogar die Polizei verständigt, als eine "hitzige Auseinandersetzung" mit Benatia eskaliert sei. Dabei soll es unter anderem um die damals anstehende Verpflichtung von Angreifer Mason Greenwood gegangen sein. Barontini habe sich gegen einen Transfer des Engländers ausgesprochen, der sich wiederholt Vorwürfen der Vergewaltigung und häuslicher Gewalt ausgesetzt sah. Streit um Greenwood-Transfer? Auch habe sie sich vehement gegen eine – letztlich nicht zustande gekommene – Verpflichtung von Verteidiger Youcef Atal von Liga-Konkurrent OGC Nizza stark gemacht. Dieser hatte schon im November 2023 kurz nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel in den sozialen Medien einen antisemitischen Beitrag geteilt, in dessen Folge er zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Barontini musste im Dezember 2024 gehen. Auch in anderen Bereichen seien seit Benatias Amtsantritt geschätzte Mitarbeiter entweder aus eigenen Stücken gegangen oder gegangen worden, unter anderem zwei federführende Personalien aus der Jugendakademie. Kurios dazu: Auch Greenwood, dessen Transfer Benatia einst so befürwortet haben soll, habe mittlerweile kein gutes Verhältnis mehr zum Funktionär. "La Provence" schrieb sogar, der Angreifer gehe Benatia auf dem Vereinsgelände aus dem Weg. Dieser habe ihn wiederholt für seine Einstellung kritisiert, soll sogar einen Verkauf Greenwoods im letzten Sommer-Transferfenster anvisiert haben. Noch am Donnerstag reagierte Marseille auf den Bericht– und stützte Benatia. "OM ist geschockt über den Bericht zu Medhi Benatia", erklärte Klub-Sprecher Bel-Abbès Bouaissi auf einer Pressekonferenz. "Dieser Bericht besteht aus voreingenommenen Meinungen, unbegründeten Unterstellungen, die auf dubiosen Quellen basieren, und lässt andere Stimmen nicht zu Wort kommen." Der Artikel untergrabe "die Arbeit des Klubs in einer wichtigen sportlichen Phase, in der Verantwortungsbewusstsein und Gelassenheit gefragt sind." Dass der neunmalige französische Meister sich aber zu einer Stellungnahme gezwungen sah, mag indes auch Indiz für Unruhe im Klub und interne Aufregung um den "Provence"-Bericht sein.