Straße von Hormus: Deutschland zieht Minen-Jagdboot wieder ab
Die Bundesregierung wollte in der Straße von Hormus helfen und schickte zwei Boote los. Die müssen jetzt unverrichteter Dinge wieder abreisen. Die Bundesregierung hat beschlossen, das Minenjagdboot "Fulda" und das Versorgungsschiff "Mosel" aus der Golfregion abzuziehen. Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte, sollen die beiden Schiffe angesichts der "volatilen politischen Lage" in den kommenden Tagen aus dem Hafen von Dschibuti ins östliche Mittelmeer verlegt werden, wo sie ursprünglich stationiert waren. An Bord befinden sich nach Angaben des Ministeriums rund 140 Soldatinnen und Soldaten. Ein Verbleib in der Region stelle angesichts eines "nicht absehbaren zeitnahen Einsatzbeginns" eine "vermeidbare Belastung der technischen Systeme" dar, begründete das Ministerium den Schritt. Sobald ein baldiger Missionsbeginn wieder absehbar sei, sollten die Schiffe erneut in Richtung Golfregion verlegt werden. Bis dahin befänden sie sich in "Verlegebereitschaft". Huthis blockieren Meerenge : Das könnte auch Deutschland hart treffen Newsblog : Alle aktuellen Nachrichten zum Krieg in Nahost Eskalation am Golf Hintergrund des Rückzugs ist der Zerfall der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran . Die USA griffen zuletzt die zwölfte Nacht in Folge Ziele im Iran an. Parallel erklärte die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen eine Blockade der Seefahrt für Saudi-Arabien und griff den saudi-arabischen Öltanker "Encelia" an; nach eigenen Angaben zwang sie rund zehn Schiffe zur Umkehr. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran daraufhin mit Vergeltung. Sollten die Huthi erneut angreifen, werde man Teheran zur Rechenschaft ziehen, da die Miliz als Stellvertreter des Irans agiere, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social und kündigte "schwere militärische Strafen gegen den Iran und natürlich auch gegen die Huthi selbst" an. Der Ölpreis stieg in Reaktion auf die Zuspitzung auf mehr als 100 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Die Geschichte der beiden Schiffe "Fulda" und "Mosel" waren ursprünglich für einen möglichen Bundeswehreinsatz zur Minenräumung in der Straße von Hormus in Stellung gebracht worden, nachdem Kanzler Friedrich Merz (CDU) Hilfe durch Deutschland versprochen hatte. Als rechtliche Grundlage für das parallel vorbereitete Bundestagsmandat sollte eine UN-Resolution vom März dienen, die zwar das Recht auf Selbstverteidigung von Schiffen anerkennt, aber kein robustes militärisches Vorgehen erlaubt. Als Voraussetzungen für den eigentlichen Einsatz galten von Beginn an ein belastbarer Waffenstillstand sowie die Zustimmung Teherans – beides ist nicht gegeben. Geplant war eine Räumung von Seeminen, um die Handelsschifffahrt durch die für den Welthandel wichtige Meerenge abzusichern. Die "Fulda" ist ein Minenjagdboot der "Frankenthal"-Klasse und dafür mit Unterwasser- und Überwasserdrohnen sowie Minentauchern ausgestattet; die "Mosel" dient als Versorgungsschiff mit Wartungs- und Reparaturkapazitäten. Der Weg von Dschibuti zur Straße von Hormus hätte beide Schiffe durch die Meerenge Bab al-Mandab und den Golf von Aden geführt – also genau durch das Gebiet, in dem die Huthi zuletzt Tanker angriffen. Schon vor der Entscheidung, das Boot wieder zurückzuholen, mehrten sich kritische Stimmen. Auch Pistorius zeigte sich zuletzt zunehmend skeptisch: Die Bundeswehr sei zwar weiterhin "ready", ein baldiger Einsatzbeginn sei aber nicht in Sicht. Auch in der Koalition wuchsen die Zweifel: Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Adis Ahmetović, hatte schon vor Wochen betont: "Wir schicken keine Soldaten in eine aktive Kampfzone." Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Sara Nanni rechnete bereits damit, dass die Besatzungen den Sommer in Deutschland statt in der Golfregion verbringen würden.