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Autoversicherung: Neapolitaner sparen mit polnischem Kennzeichen

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In keiner anderen italienischen Stadt sind die Versicherungsprämien für Autofahrer so hoch wie in Neapel. Dort setzen immer mehr Versicherte auf eine fragwürdige, bislang aber effektive Masche. Die Autoversicherung ist zu teuer? Nicht nur in Deutschland ärgern sich viele Versicherte über steigende Prämien – auch in Italien stoßen die Kosten für die Kfz-Police vielen Autofahrern sauer auf. In der süditalienischen Stadt Neapel greifen deshalb immer mehr Fahrzeugbesitzer zu einem kuriosen Trick, der aus ihren Fahrzeugen offiziell polnische Fahrzeuge macht. 35.000 Autos und Roller mit polnischen oder bulgarischen Kennzeichen rollen bereits durch die Metropole am Vesuv. In Polen wird Neapel bereits scherzhaft als Stadtteil von Warschau bezeichnet. Für den beliebten Trick haben die Polen einen eigenen Ausdruck gefunden: "proceder włoski" – die italienische Praxis. Teuer, teurer, Neapel Begründet liegt die italienische Praxis in den hohen Versicherungsprämien, die Autofahrer insbesondere in Neapel zu zahlen haben. Laut Zahlen des Instituts für Versicherungsaufsicht zahlten Neapolitaner im Durchschnitt 617 Euro im Jahr für ihre Kfz-Haftpflichtversicherung. In keiner italienischen Stadt zahlen die Menschen so viel für den entsprechenden Schutz wie unterhalb des Vesuvs. Die Kosten hängen dabei von der Wahrscheinlichkeit für einen Unfall ab – diese schätzen die Versicherer in Neapel als besonders hoch ein. Noch höher sind die Prämien derweil für Fahranfänger, auf die laut "Südtirol News" teils Kosten von über 2.000 Euro pro Jahr zukommen. Viele können oder wollen diese Beiträge nicht bezahlen. Ihr Ausweg lautet: "proceder włoski". Dafür muss das jeweilige Fahrzeug jedoch polnisch werden. Um dies zu bewerkstelligen, wird das Auto in einem ersten Schritt aus dem italienischen Kraftfahrzeugregister gelöscht, im Anschluss als Fahrzeug einer polnischen Leasingfirma wieder angemeldet. Diese wird faktisch zum Eigentümer des Fahrzeugs, schließt für dieses eine Versicherung in Polen ab und "vermietet" dieses an den früheren Fahrzeugbesitzer. Dieser fährt nun offiziell ein polnisches Fahrzeug mit deutlich günstigerem Versicherungsschutz. So werden laut "Südtirol News" im ersten Jahr noch rund 600 bis 800 Euro fällig, in den folgenden Jahren schließlich nur noch rund 350 Euro. Für die "Mieter" der polnischen Autos hat der Trick zudem weitere Vorteile. Sie sparen sich die italienische Kfz-Steuer sowie Bußgelder für Verkehrsverstöße wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, da sie als eigentliche Besitzer kaum zu ermitteln sind. Polnische Versicherte zahlen mehr Leidtragende sind unter anderem die polnischen Autofahrer. Die Kosten für die von den "polnischen" Fahrzeugen in Italien verursachten Unfälle fließen in die Berechnung ihrer Versicherungsprämien mit ein. Der polnische Kraftfahrtzeug-Versicherungsverband PBUK verzeichnet explodierende Schadenzahlen aus Italien: "Zwischen 2021 und 2025 hat sich die Anzahl der von der PBUK für Vorfälle in Italien regulierten Schadensfälle um fast das 17-Fache erhöht, die Auszahlungssumme sogar um fast das 10-Fache", berichtet der PBUK-Vorstandsvorsitzende Mariusz Wichtowski. Polnische Regierung will handeln In Polen will man folglich handeln. Ein möglicher Hebel: die Hauptuntersuchung, mit der die Halter die Verkehrstüchtigkeit des Fahrzeugs nachweisen müssen. Deren Bestehen ist Voraussetzung für die Zulassung des Fahrzeugs. Die italienischen Autos werden in der Regel jedoch keiner polnischen Prüfstelle vorgeführt. Häufig helfen hier aber korrupte Prüfer nach, die dem Fahrzeug eine bestandene Hauptuntersuchung bescheinigen, ohne es auch nur einmal gesehen zu haben. Künftig soll der Prüfer die Kontrolle der Fahrzeuge jedoch per Fotos nachweisen müssen, die Fotos samt dem Prüfbericht danach unmittelbar in ein staatliches Register hochladen. Die Autos müssen folglich tatsächlich in Polen sein, um untersucht zu werden. Ob dies der "proceder włoski" letztlich einen Riegel vorschiebt, bleibt abzuwarten.














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