Himmelsschauspiel: Sonnenfinsternis ohne Spezialbille? So lässt sie sich gefahrlos beobachten
Für die anstehende Sonnenfinsternis gilt: Bitte nur mit geeigneter Brille anschauen. Die Alternative ist eine Camera obscura – die lässt sich einfach selbst basteln. Und so geht’s.
Keine Ferngläser, keine gerußten Gläser und auch keine gewöhnlichen Sonnen- oder Schweißerbrillen benutzen, bitte. Wenn sich am Abend des 12. August 2026 der Mond vor die Sonne schiebt und diese zu 90 Prozent bedeckt, ist für Beobachter guter Augenschutz wichtig.
Schon ein nur wenige Sekunden dauernder Blick in die Sonne – selbst wenn nur ein schmaler Streifen von ihr zu sehen ist – kann die Netzhaut dauerhaft schädigen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) befürchtet sogar, dass die Gefahr einer Augenverletzung bei der anstehenden partiellen Sonnenfinsternis noch größer sein könnte als ohnehin schon. Da sie in die Dämmerungszeit falle, sei die Pupille weiter geöffnet, sodass mehr Strahlung auf die Netzhaut treffe, heißt es beim BfS.
In Norddeutschland beginnt die Sonnenfinsternis um 19.10 Uhr, im Süden ungefähr zehn Minuten später.
Auf unserer interaktiven Karte können Sie sehen, wann Sie wo in Deutschland die beste Sicht haben – einfach den Regler verschieben oder auf „Verlauf abspielen“ klicken. Sie können auch Ihre Stadt oder Ihr Bundesland anklicken:
Um das Spektakel sicher beobachten zu können, empfehlen das BfS, Augenärzte und andere Fachleute geprüfte Sofi-Brillen.
Achten Sie bei Sofi-Brillen auf das CE-Symbol
Die Schutz- oder Folienbrillen lassen höchstens 0,001 Prozent des Sonnenlichts durch. Sie müssen das CE-Symbol tragen und nach den EU-Normen als sicher für den direkten Blick in die Sonne gekennzeichnet sein.
Achten Sie beim Kauf zudem darauf, dass die Schutzbrille intakt ist: Die Folie sollte weder Kratzer noch Löcher oder Risse am Übergang zwischen Filterfolie und Pappe aufweisen und auch sonst nicht beschädigt sein. Empfehlenswert ist eine Schutzbrille außerdem dann, wenn sie extrabreite Bügel hat und eng am Gesicht anliegt, damit möglichst wenig Licht in die Augen fällt.
Sonnenfinsternis sicher beobachten
Soweit die Anforderungen. Erhältlich sind geeignete Schutzbrillen beim Optiker. Auch Planetarien und Sternwarten geben rund um den Beobachtungsabend teilweise Schutzbrillen aus. Daneben werden Sofi-Brillen etwa bei Elektronikhändlern wie Mediamarkt, über Amazon, in spezialisierten Astroshops und bei Optikversendern wie Bresser angeboten.
Ein Problem: Wegen der offenbar hohen Nachfrage seien viele Sofi-Brillen vielerorts bereits ausverkauft, heißt es. Und nun? Auf keinen Fall sollten Sonnenfinsternis-Interessierte zu von Freunden oder im Internet „empfohlenen“ DIY-Hilfsmitteln wie gerußten Gläsern, Röntgenbildern, CDs, gefalteten Rettungsdecken oder schwarzen Filmstreifen greifen. Nichts davon bietet zuverlässigen Schutz, Experimente damit gefährden die Gesundheit.
Eine geeignete Ausweichmethode: Für Kameras und Teleskope werden im Fachhandel spezielle Filteraufsätze oder Folien angeboten, die vor der Optik des Geräts angebracht werden müssen. Als sicherste Methode zur Beobachtung der Sonnenfinsternis empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz aber eine sehr simple und sehr alte Projektionsmethode: die Lochkamera.
Selbst gebastelt und trotzdem sicher
Die sogenannte „Camera obscura“, eine lichtdichte Röhre oder Schachtel mit einem winzigen Loch, verhindert, dass man direkt ins Sonnenlicht schauen muss. Das Licht erzeugt darin ein auf dem Kopf stehendes Bild auf einem transparenten Schirm.
Sie lässt sich leicht selbst bauen und eignet sich auch für Kinder.
- Das Material: Benötigt werden eine Papprolle, schwarzes Tonpapier, Transparent- oder Butterbrotpapier, Alufolie, Klebeband, eine Schere und eine Nadel.
- Die Röhre: Die Papprolle kann beispielsweise von einer Küchenpapierrolle stammen. Längere Rollen können auf die gewünschte Länge zugeschnitten werden.
- Die Innenseite: Eine Rolle schwarzes Tonpapier zu einem Zylinder formen und in die Röhre stecken oder kleben. Die dunkle Innenseite verhindert störende Lichtreflexionen.
- Der Schirm: Ein Stück Transparent- oder Butterbrotpapier so zuschneiden, dass es an allen Seiten etwas größer als die Röhrenöffnung ist. Anschließend das transparente Papier straff über ein Ende der Röhre ziehen und rundherum lichtdicht festkleben.
- Das andere Ende: Das offene Ende der Röhre mit glatt gespannter Alufolie abdecken und diese mit einem Gummiband oder Kleber befestigen.
- Die Lochblende: Mit einer feinen Nadel vorsichtig ein möglichst kleines Loch genau in die Mitte der Alufolie stechen. Je kleiner das Loch, desto schärfer, aber auch dunkler wird das Bild.
- Die Ränder: Übergänge und mögliche Spalten mit dunklem Klebeband abkleben. Ziel ist, dass außer durch das Nadelloch kein Licht in die Camera obscura gelangt.
- Die Sonnenfinsternis: Die Lochseite in Richtung Sonne halten – das Bild ist dann auf der Seite mit dem transparenten Papier zu sehen.
- Die Karton-Alternative: Das Prinzip funktioniert auch mit einem Karton: Zwei Löcher nebeneinander an einem langen Ende schneiden. Eine Öffnung mit der „Lochfolie“ versehen und weißes Papier von innen auf die gegenüberliegende Seite kleben. Die Sonnenfinsternis lässt sich darauf durch das zweite offene Loch beobachten.
Für beide Varianten gilt: Niemals direkt in die Sonne oder in die Sonnenfinsternis schauen!
