Niederlande vor Machtwechsel: Jetten trumpft auf – Wilders stürzt ab
Die Niederlande erleben eine Überraschung. In ersten Prognosen steht die sozialliberale Partei vor einem Sieg bei der Parlamentswahl. Wilders liegt auf Rang zwei. Nach zwei Jahren unter einer rechts-konservativen Regierung stehen die Niederlande nach der vorgezogenen Parlamentswahl vom Mittwoch vor einem Machtwechsel. Erstmals in ihrer Geschichte ist die sozialliberale Partei D66 laut ersten Prognosen die stärkste Kraft. Der Spitzenkandidat Rob Jetten holte 27 Sitze (plus 18). Wilders kam nach ersten Prognosen auf 25 Sitze (minus 12 Mandate). Nur auf Rang 4 landete überraschend das rot-grüne Listenbündnis von Sozialdemokraten und Grünen mit Frans Timmermans. Die Allianz verlor fünf Mandate und landete bei 20 Abgeordnete. Timmermans übernahm noch am Abend die Verantwortung für das Ergebnis und erklärte seinen Rücktritt als Parteichef. Die christdemokratische CDA unter Henri Bontenbal erzielte 19 Sitze (plus 14 Mandate). Porträt: Liberaler mit Vibe - Rob Jetten entzaubert Geert Wilders Analyse: Die Besonderheiten dieser Wahl Die rechtsliberale Partei VVD, die mit Mark Rutte von 2010 bis 2024 den Ministerpräsidenten in Den Haag gestellt hatte, konnte entgegen der Umfragen ihr Ergebnis annähernd halten. Mit der früheren Justizministerin Dilan Yesilgöz als Spitzenkandidatin kam die VVD auf 23 Sitze und verlor lediglich ein Mandat. Yesilgöz hatte die Partei nach der letzten Wahl vor zwei Jahren gegen interne Kritik in ein Bündnis mit Wilders geführt. Der Rechtspopulist hatte die Regierungskoalition im Juni aber im Streit um eine Verschärfung des Asylrechts verlassen. Die entscheidenden politischen Kräfte des Landes lehnten deshalb schon vor der Wahl eine mögliche Zusammenarbeit mit Wilders ab. Das niederländische Wahlrecht kennt keine Sperrklausel. Dem Parlament mit seinen 150 Abgeordneten gehören weit mehr als zehn Parteien an. Erwartet werden daher langwierige Koalitionsverhandlungen.