Beim Pokalerfolg in Köln zeigt der FC Bayern in der ersten Halbzeit Schwächen und hat viel Schiedsrichterglück. Kann das gegen Leverkusen und PSG gutgehen? Aus Köln berichtet Julian Buhl Die Kölner Fans machten ihrem Ärger schon in der Halbzeitpause Luft. Als das Schiedsrichtergespann um Tobias Welz den Platz verließ, bedachte die Südkurve die Unparteiischen mit lauten Pfiffen. Immer wieder skandierten die Fans: "Schiebung, Schiebung." Ähnliches war dann auch wieder nach dem Abpfiff des Zweitrundenspiels des DFB-Pokals zu vernehmen, das der FC Bayern am Ende mit 4:1 beim 1. FC Köln gewann . Der Grund für die Aufregung der Kölner Anhänger war der eigentlich irreguläre Treffer der Münchner in der 36. Spielminute zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, mit dem das bis dahin klar von den Gastgebern dominierte Spiel kippte. Trotz Sieg im Pokal in Köln: Bayern-Star bekommt Note 5 Bayern-Tor hätte nicht zählen dürfen: Das sagt Klubboss Eberl Torschütze Luis Díaz stand dabei nämlich deutlich im Abseits. Kölns Keeper Ron-Robert Zieler hatte einen Schuss von Josip Stanišić abgewehrt, der direkt vor den Füßen von Díaz landete. Weil in der zweiten Pokalrunde aber kein Videoschiedsrichter im Einsatz ist, wurde der Fehler des Schiedsrichterteams nicht korrigiert. Und so fragten sich am Ende nicht nur die FC-Fans, wie das Spiel wohl ausgegangen wäre, wenn dieser irreguläre Treffer wieder zurückgenommen worden wäre. Köln zeigt, dass Bayern verwundbar ist Bis dahin hatte Köln den Bayern schließlich einen packenden Pokalfight geliefert und war durch den Kopfballtreffer von Ragnar Ache (31.) verdient in Führung gegangen. Nur zwei Minuten nach dem umstrittenen Ausgleich erzielte Harry Kane mit einem regelkonformen Traumtor den nächsten Treffer und drehte die Partie damit komplett. Anschließend spielten die Bayern ihre Führung souverän aus und legten noch zwei weitere Treffer durch Kane (64.) und Michael Olise (72.) nach. Der 14. Sieg im 14. Pflichtspiel und damit ein neuer Startrekord in Europas Top-5-Ligen war damit perfekt. Der wackelige Auftritt in der ersten halben Stunde sollte den bislang unschlagbaren Bayern speziell vor den kommenden Aufgaben aber ein wenig zu denken geben. Am Samstag kommt in der Bundesliga Bayer Leverkusen in die Allianz Arena, bevor die Bayern am Dienstag in der französischen Hauptstadt bei Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain antreten müssen. Diese beiden Gegner werden die zahlreichen Nachlässigkeiten, die sich die Münchner in der ersten halben Stunde in Köln leisteten, mit Sicherheit noch konsequenter und gnadenloser bestrafen, als es der Bundesligaaufsteiger tat. Köln hat es ihnen vorgemacht, dass und wie Bayern verwundbar ist. Und stellte die Münchner Abwehr phasenweise vor große Probleme. Kann das gegen Leverkusen und PSG gutgehen? Das war auch dem Münchner Sportvorstand Max Eberl nicht entgangen. "Sie haben es sehr aktiv und sehr mutig gemacht, sind auf die zweiten Bälle gegangen, haben sie immer wieder erobert", sagte der Sportvorstand der Münchner. "In der ersten Halbzeit war es schon sehr, sehr kompliziert für uns, kein einfaches Spiel." Eberl vergaß gleichzeitig nicht, zu betonen, "wie wir dann zurückgekommen sind" und wie "mannhaft" und "souverän" die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gespielt habe. Aber kann das gegen Leverkusen und vor allem PSG gutgehen? "Also wir haben jetzt Leverkusen, eine sehr schwierig zu bespielende Mannschaft. Also bevor wir an PSG denken: Samstag Bayer Leverkusen", sagte Eberl auf t-online-Nachfrage. Gerade mit Blick auf die Dienstreise in die französische Hauptstadt und das Champions-League-Spiel am Dienstagabend wäre es psychologisch enorm wichtig, die Siegesserie auch bis dahin noch aufrechtzuerhalten. "Die Jungs haben Hunger und wollen mehr!" "Wir waren letzte Saison auch schon gierig. Aber jetzt haben wir natürlich auch große Lust, das, was wir jetzt geschafft haben, nämlich 14 Spiele am Stück zu gewinnen, weitermachen zu wollen", sagte Eberl. Man sehe auch in den Defensivaktionen, bei denen sich die Bayern-Spieler gegenseitig pushen, "was für eine Mentalität in dieser Mannschaft gerade ist, was für eine Lust, einfach Fußball zu spielen". Unmittelbar nachdem er mit dem 14. Sieg mit seiner Mannschaft nun eine europaweite Bestmarke aufgestellt hatte, betonte Chefcoach Vincent Kompany zwar bei Sky, dass er eigentlich "gar nicht so viel auf diese Rekorde" schaue. "Die Rekorde kommen, wenn wir mit der Mentalität antreten, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Das ist das Erste. Und das Zweite ist die Qualität", sagte er. "Die Jungs sind fit und man sieht viele Automatismen. Sie haben Hunger und wollen mehr!" Der FC Arsenal blieb 2003/2004 einst zumindest eine komplette Premier-League-Saison lang ungeschlagen und verdiente sich damit in der jüngeren Vergangenheit den Spitznamen "The Invincibles" – auf Deutsch: die Unbesiegbaren. Bei den Bayern stellt sich momentan noch die Frage, wie unverwundbar Kompanys "Invincibles" wirklich sind. In den kommenden beiden Pflichtspielduellen steht ihr Traumstart jedenfalls auf einer harten Probe, am Dienstagabend in Paris beim Champions-League-Sieger auf der momentan wohl größten überhaupt. Danach werden die Bayern wissen, was er tatsächlich wert ist und wo sie im (direkten) Vergleich stehen.