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SPD-Nostalgie: Steinbrück und Schily zeigen, was der Partei heute fehlt

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Die Tage zwischen den Jahren sind eine besondere Zeit. In der Nachrichtenarmut kommen skurrile Meldungen zu voller Blüte. Sogar eine untergegangene SPD ersteht nochmal kurz wieder auf. Ein Seufzer. Ich muss ja sagen: Diese stille Zeit zu Weihnachten und zwischen den Jahren gefällt mir immer wieder gut. Alles ruht, nichts rast. Von mir aus könnte viel mehr Weihnachten sein. Die "Tagesschau", die sich sonst schwer damit tut, die Welt der vergangenen 24 Stunden in eine Viertelstunde zu pressen, hat plötzlich Mühe, sich bis zum Wetter zu hangeln. Selbst irgendein gottvergessener Ort namens Oulou 600 Kilometer nördlich von Helsinki ist ihr da mit einem Mal einen großen Beitrag wert, weil er 2026 eine Kulturhauptstadt sein soll. Minutenlang war ein wilder Haufen finnischer Männer zu sehen, die sich nach Maßgabe eines Dirigenten die Lunge aus dem Leib schrien, bis die Gesichter rot anliefen und die Halsschlagadern hervortraten. Ich bin ganz sicher: Wenn an dem Tag nicht Brigitte Bardot gestorben wäre und Édith Piaf ihren 100. Geburtstag gehabt hätte – die Wetterkarte wäre das erste Mal um zehn nach acht gekommen. Auch solche Nachrichten bringt nur diese stille Zeit ganz nach oben: Mann in Italien erstickt an Panettone . Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist natürlich furchtbar, schrecklich, eine Tragödie, die sich da vor den Augen seiner Lieben an Heiligabend in einer Wohnung in Turin abgespielt hat. Aber wer je einen Panettone, diesen zähen und zugleich knochentrockenen Betriebsunfall italienischer Backkunst, im Mund hatte und versuchte, den faden Batzen vor dem Schlucken hinreichend einzuspeicheln, bis die Spuckedrüsen hinten in den Backentaschen zu ziehen beginnen … der wundert sich eher, dass das erst jetzt, nach all den Jahrhunderten dieses Italo-Guglhupfes, mal nicht gut gegangen ist. Weil die Redaktionen wissen, dass das schwarze Loch gähnt und das große Nichts droht, bereiten sie schöne Interviews vor, dann mal nicht mit denen, die sie sonst immer fragen. Plötzlich reden also die, die nur noch so selten blasen wie der Pottwal in den Weiten der Ozeane, bevor er wieder für Stunden tausende Meter tief abtaucht. Zur Einleitung eine Liebeserklärung Die "Welt am Sonntag" hatte sich Otto Schily gesichert. Schon die Einleitung des geschätzten Kollegen, der ihn besuchte, verströmte den Zauber einer Liebeserklärung an den 93-Jährigen mit Jungengesicht und Cäsar-Schnitt. Dann im Wortlaut und im Wechselspiel von Frage und Antwort: Wissen, Witz, Wortgewalt, Weisheit, sogar, man staune bei Otto Schily, einige Selbstkritik. Und vollkommene Unerschrockenheit in Fragen des aktuellen Geschehens wie dem Rechtsruck in Deutschland. Schily: "Die AfD gäbe es nicht in dieser Stärke ohne die verfehlte Migrationspolitik. Trump hat in einem Interview gesagt, die beiden großen Fehler Merkels seien die Migrations- und die Energiepolitik gewesen. Ich sehe das genauso." Dann, lieber Otto Schily, sind wir schon drei. Wie überhaupt das mit dem Rechtsruck vielleicht gar nicht wäre, wäre nicht unter anderem die Partei, der Schily bis heute angehört, so seltsam in eine andere Richtung verrutscht. Ich kann jedenfalls festhalten: Die SPD , der ich einmal viel abgewinnen konnte, die gibt es nicht mehr. Sie ist einfach weg. Ihre Gesichter sind weg, ihr Kompass ist weg. Sigmar Gabriel war der letzte Überlebende dieser Sozialdemokratie. Mit ihm ist jene SPD verschwunden, die mich politisch geprägt hat. Mit Leuten wie Franz Müntefering, Otto Schily, Gerhard Schröder . Zu Beginn Oskar Lafontaine . Renate Schmidt. Ulla Schmidt. Andrea Nahles . Und ja, auch Ottmar Schreiner und Rudolf Dreßler. Da spürt man den ganzen Verlustschmerz Einer fehlt noch in der Reihung. Aber er kommt jetzt. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte ihn sich für die stillen Tage auf Taste gelegt . Peer Steinbrück lässt ebenso den ganzen Verlustschmerz verspüren, wenn er sich mit seinem scharfen Verstand und seiner nicht minder scharfen Zunge zu Wort meldet. Man hört ihm zu. Es war der erfolgreichste Podcast des vergangenen Jahres bei t-online, als wir ihn dort zu Gast hatten. Jetzt in der "SZ" macht Steinbrück wieder keine Gefangenen. Analysiert die Misere der SPD messerscharf. Etwa mit diesem Erlebnis im Fußballstadion: "Eine meiner prägenden Erfahrungen war die Aktionärsversammlung von Borussia Dortmund vor mehreren Jahren. Die Westfalenhalle war knackvoll mit Anhängern, die teilweise nur wenige Aktien halten, aber dabei sein wollen. Ich war damals noch im Aufsichtsrat des BVB . Auf dem Weg zum Klo kam ein Mann auf mich zu und rief, 'Herr Steinbrück, Herr Steinbrück, ich muss Sie dringend sprechen', und fuhr fort: 'Wenn ich dreimal deutlich zu spät in meinen Betrieb komme, dann muss ich doch mit einer Abmahnung rechnen, oder?' 'Ja', hab’ ich gesagt. Dann sagte er: 'Okay, und was ist mit dem Hartzer, den ich mit meinen Steuern und Abgaben bezahle, wenn der dreimal nicht zu seinem Termin ins Jobcenter kommt?' Da war für mich glasklar: Das ist Dortmund , das ist Sozialdemokratie. Wenn ich dann verfolge, wie in Teilen meiner Partei das Thema 'Sanktionen' für Teufelszeug gehalten wird, darf man sich nicht wundern, dass sich selbst hier die Leute von der SPD entfremden ." Sprengstoff zwischen den Generationen Steinbrück spricht davon, wie sich die SPD immer mehr von ihrer Klientel entfernt hat. Und dabei ihre historisch gewachsene Aufgabe aus dem Blick verloren hat, die es natürlich nach wie vor gibt: "Die Reform der sozialen Sicherungssysteme muss ihr Thema sein", sagt Steinbrück, "damit das hohe Gut des Sozialstaats nicht zum Sozialfall wird. Die Verteilungsprobleme bei der Vermögensentwicklung, zwischen den Generationen, zwischen Zukunftsinvestitionen und Gegenwartskonsum sowie in und zwischen den öffentlichen Haushalten sind Sprengstoff, wenn man sich ihnen nicht stellt – wie die Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums. Nicht zu vergessen ist eine bessere Finanzierung unseres Bildungssystems als zentraler Faktor für eine gelingende Integration und Wettbewerbsfähigkeit." Manchmal, in Zeiten wie jetzt um Weihnachten, zuckt sie noch, die SPD, wie ich sie mochte. Otto Schily sagt in dem Gespräch, er würde am liebsten in einem Deutschland der Zeit von Goethe und Schiller gelebt haben. Mir würde ein Deutschland mit einer SPD der Steinbrücks, Schilys, Schröders und Münteferings vollauf reichen. Glauben Sie mir, es wäre ein besseres Deutschland.














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