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Herbert Knaup: "Von der Rente kann ich nicht leben"

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Schauspieler Herbert Knaup blickt auf eine lange Karriere zurück. Im Interview mit t-online spricht er über den Wandel der Branche, seine Rente und das Thema Wehrdienst. Herbert Knaup gehört seit den Siebzigerjahren zur deutschen Schauspielwelt und ist bis heute präsent. Seit 2015 verkörpert er in der Serie "Die Kanzlei" den Rechtsanwalt Markus Gellert und ist in dieser Rolle am 2. Januar in der neuen Folge "Weites Land" zu sehen. In wenigen Monaten feiert Knaup seinen 70. Geburtstag. Im Interview mit t-online spricht der Schauspieler über das Älterwerden in der Film- und Fernsehbranche, Spannungsfelder zwischen den Generationen und teilt klare Gedanken zum neuen Wehrdienstmodell. t-online: Herr Knaup, Sie leben seit 25 Jahren in Berlin – können Sie sich vorstellen, wieder in Ihren Heimatort Sonthofen im Allgäu zu ziehen? Herbert Knaup: Sonthofen ist wunderschön und idyllisch, ich bin regelmäßig dort. Aber wieder dort zu leben, fände ich schwierig. Die Sonne geht in den Tälern selbst im Sommer schon ab 17 Uhr unter. Ich wüsste gar nicht, wie ich dort meinen Lebensunterhalt verdienen sollte. Ich brauche das Stadtgetriebe. Reizt Sie stattdessen ein anderer Ort, vielleicht einer im Ausland? Man soll niemals nie sagen. Wenn, dann würde ich in den Süden Richtung Italien oder Spanien auswandern. Noch bin ich aber Städter und in Berlin. Warum haben Sie damals Ihre Heimat verlassen? Ich bin weg, weil ich mit 17 Jahren dachte, in Sonthofen sei es zu eng, da muss ich raus. Es gibt da eine Parallele zu unserem Film "Die Kanzlei: Weites Land". Meine Figur, der Anwalt Markus Gellert, ist auf dem Bauernhof aufgewachsen und ergriff die Flucht, um zu studieren. Mich persönlich hat die Hippie-Zeit aus dem Allgäu herauskatapultiert. Die Weltoffenheit schwappte plötzlich in jedes Dorf der Welt, und man sagte wie im John-Lennon-Song: "'Give Peace a Chance' – werde frei und erfinde dich neu." Mein Vater war Schlosser und fand gut, dass ich mich weiterentwickeln wollte. So habe ich überhaupt den Mut gefasst, Schauspieler zu werden. Haben Sie Ihre Berufswahl jemals bereut? Nein, ich habe mit 18 meinen Beruf gefunden. Im kommenden März werde ich 70 Jahre alt, bin also bald schon 52 Jahre in dem Job und wollte ihn in all der Zeit nie aufgeben. Schauspielen ist das, was ich wirklich kann, worin ich ausgebildet bin. Ich habe viele Möglichkeiten, kann für Film und Fernsehen drehen, Lesungen geben oder Theater spielen. Das ist ein Geschenk. Einige Ihrer Schauspielkollegen klagen über das Ausbleiben von Rollenangeboten im Alter. Ich hatte bis jetzt das Glück, das nicht zu erleben. Ich arbeite seit Jahrzehnten. Dass ich 17 Jahre am Theater war und ein riesiges Repertoire an Verwandlungsmöglichkeiten entwickeln konnte, kommt dem zugute. Dadurch werde ich in keine Schublade gesteckt, sondern kann ganz unterschiedliche Charaktere verkörpern. Stellen Sie dennoch Veränderungen in Ihrer Branche fest? Heute wird viel weniger gedreht als früher. Man muss sich mehrere Standbeine aufbauen und wird immer an den letzten Leistungen gemessen. Es wird gefragt: "Kann er das eigentlich?" Viele arbeitslose Schauspieler sind durchaus qualifiziert, werden aber nicht engagiert. Womit hängt das zusammen? Das hängt vom Markt und von der Nachfrage ab. Früher gab es mehr Produktionen. Das Privatfernsehen ist ein bisschen weggebrochen, auch die Öffentlich-Rechtlichen produzieren weniger. Der Job ist oberflächlicher geworden, es mangelt an Qualität. Es wird Künstliche Intelligenz eingesetzt und es gibt immer mehr Schauspieler – oder Menschen, die sich dafür halten. Influencer, die tagtäglich ihre Shows machen, denken, sie seien Schauspieler und werden tatsächlich sogar engagiert. Was macht das mit einem Schauspieler? Entsteht Neid? Nein, ich bin nicht neidisch. Neid ist schlecht, er schwächt einen selbst und lässt einen an sich zweifeln. Klar gibt es Momente, in denen man denkt: "Das könnte ich auch, warum werde ich nicht angerufen und bekomme die Rolle?" Solche Gedanken bereiten seelische Schmerzen. Aber gerade dann ist es wichtig, immer bei sich zu bleiben und sich selbst zu vertrauen. Der Schauspielberuf ist wie eine Therapie, er fordert einen auf, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Kam Ihnen schon mal der Gedanke: "Wie lange will ich das eigentlich noch machen?" Wenn Angebote kommen, arbeite ich gerne weiter, wenn nicht, muss ich aufhören. Spielen auch andere Faktoren in Ihre Entscheidung mit ein, weiterzuarbeiten? Die Rente zum Beispiel? Nein, die Höhe meiner Rente hat darauf keine Auswirkungen. Ich beziehe sie bereits, arbeite aber unabhängig davon weiter. Mein Beruf belebt mich und bringt mich im Leben weiter. Das Auswendiglernen der Texte soll außerdem vor Demenz schützen. Ich könnte jetzt aufhören und meine Biografie schreiben oder mich einfach zurücklehnen, aber so bin ich nicht. Ich bin umtriebig und lebe nach dem Motto: "Ruhig ist er nur, wenn er sich bewegt." Außerdem werden die Rentner heute aufgerufen, bis 70 zu arbeiten, weil sich der ganze Staat sonst nicht mehr erhalten kann. Ist die gesetzliche Rente für Sie eher Absicherung – oder Enttäuschung? Das Rentensystem ist extrem, es gibt keine guten Renten. Darum muss man fürs Alter selbst finanziell versorgen. Was ich in die Rente eingezahlt habe, das kriege ich nie raus. Würde ich die Summe nennen, würde man beim Vergleich zu dem, was mir über 50 Jahre abgezogen wurde, hintenüberfallen. Das ist der Sozialstaat, ich habe so viel eingezahlt, aber von der Rente kann ich nicht leben. Und wie steht es stattdessen um Ihre Absicherung für das Alter? Ich habe selbst vorgesorgt, um nicht nur von meiner Rente leben zu müssen. Dadurch, dass ich gute Berufsjahre hatte, konnte ich das. Das Problem um die Rente wird für jüngere Generationen noch größer werden. Was raten Sie? Die junge Generation kann nicht von der Rente leben, sondern muss selbst vorsorgen. Der Älteste praktiziert als Kardiologe und Onkologe in Zürich. Er hat bereits ausgesorgt und mich kürzlich zum Opa gemacht. Mein jüngster Sohn ist jetzt fast 18 Jahre alt. Ich habe etwas für ihn angelegt, was er dann weiterführen kann. Damit wird er dann ein gutes Auskommen im Alter haben. Viele junge Menschen haben heute das Gefühl, über Gebühr für die Probleme der Älteren geradestehen zu müssen – nicht nur bei der Rente, sondern auch beim Wehrdienst. Was halten Sie von der Einführung des neuen Wehrdienstmodells? Das ist schon hart. Ich finde es natürlich schrecklich. Ihr jüngster Sohn fällt in die Altersklasse derjenigen, die verpflichtend einen Fragebogen zu ihrer Wehrdienstbereitschaft ausfüllen müssen. Was macht das mit Ihnen? Ich werde alles dafür tun, dass er nicht zur Bundeswehr muss. Ich selbst war Kriegsdienstverweigerer. Wir haben uns damals auf die Fahne geschrieben, dass wir nie wieder eine Waffe anfassen. Braucht Deutschland denn keine Verteidigung? Das ist immer diese Fangfrage: Wenn der feindliche Soldat kommt und mit dem Maschinengewehr vor meiner Familie steht, würde ich dann schießen? Man wird durch die Frage zu einer Entscheidung gedrängt. Der eine sagt, natürlich würde er schießen, und dann heißt es, dann könne er auch Wehrdienst leisten. Aber man könnte auch den Verantwortlichen erklären, dass man überhaupt nicht in so eine Situation kommen wird. Was wäre aus Ihrer Sicht eine Alternative zur Wehrpflicht ? Anstatt Menschen unfreiwillig einzuziehen, sollte man ein Berufsheer bilden. Mögliche Anwärter können auch mit einem höheren Verdienst geködert und überzeugt werden – Frauen natürlich ebenso. Welche Gedanken löst das Thema Krieg in Ihnen aus? Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die im Krieg waren, auch mit meinem Vater. Das Schlimmste für sie war der Krieg selbst – und Menschen zu töten. Das wurden sie nie wieder los. Im Ersten Weltkrieg waren die Menschen vorab euphorisch, sie wollten in den Krieg. Dann kamen sie als traumatisierte, schwerbehinderte Soldaten zurück. Theorie ist etwas anderes als Praxis, und die Praxis im Krieg ist gnadenlos. Heute reicht eine bewaffnete Drohne, gesteuert aus Hunderten Kilometern Entfernung, und der Mensch ist ausgelöscht. Das will doch keiner. Inwiefern wirken sich solche Erfahrungen auf das Verhältnis der Generationen aus? Früher gab es mehr Distanz. Ältere Menschen waren oft traumatisiert, schwer erreichbar. Das hat sich verändert. Heute erlebe ich, dass gerade Jüngere unglaublich offen sind und den Dialog suchen. Und genau das brauchen wir: Jung und Alt im Austausch, um diesen Sozialstaat noch einmal auf die Beine zu stellen.














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