Israel: Massenprotest in Jerusalem eskaliert – Bus überrollt Menschen
Bei einem Protest Ultraorthodoxer gegen den Militärdienst in Jerusalem werden mehrere Menschen von einem Bus erfasst. Die Polizei spricht von "gewalttätigen Unruhen". Bei einem Massenprotest Tausender Ultraorthodoxer gegen ihre Rekrutierung in Israel hat laut israelischen Polizeiangaben ein Busfahrer mehrere Teilnehmer mit seinem Fahrzeug erfasst. Ein junger Mann sei unter dem Bus eingeklemmt und für tot erklärt worden, meldete der Rettungsdienst Magen David Adom. Demnach wurden auch mehrere Menschen verletzt. Der Busfahrer wurde laut Polizei festgenommen. Laut ersten Ermittlungen ereignete sich der Vorfall außerhalb des für den Protest vorgesehenen Bereichs, wie die Polizei weiter mitteilte. Dort habe es regulären Verkehr gegeben. Demonstranten hätten dort versucht, den Busfahrer an der Weiterfahrt zu hindern. Der Fahrer sagte den Angaben zufolge aus, die Demonstranten hätten ihn angegriffen. Haaretz: Rund 15.000 Demonstranten in Jerusalem Laut der israelischen Zeitung "Haaretz" nahmen rund 15.000 Menschen an dem Protest teil. Israels Polizei teilte mit, dass einige von ihnen Polizisten mit Gegenständen beworfen und Mülltonnen angezündet hätten. Zudem hätten Randalierer auch Journalisten angegriffen, hieß es weiter. Die israelische Polizei sei im Einsatz, um die "gewalttätige Unruhe" aufzulösen. Streng religiöse Männer waren in Israel jahrzehntelang von der Wehrpflicht befreit. Diese Ausnahmeregelung lief jedoch vor rund anderthalb Jahren aus. Der israelischen Regierung gelang es nicht, ein neues Gesetz zu verabschieden, um diesen Sonderstatus für die Ultraorthodoxen zu zementieren. Seitdem gibt es häufig große Proteste streng religiöser Juden gegen ihre Rekrutierung. Viele Ultraorthodoxe empfinden den Militärdienst als Bedrohung ihres frommen Lebensstils, unter anderem, weil Frauen und Männer gemeinsam dienen. Ein Redner habe auf der Demonstration die Wehrpflicht mit dem Holocaust verglichen, meldeten die "Times of Israel" sowie die israelische Nachrichtenseite "ynet". Streit über die Wehrpflicht gefährdet Netanjahus Koalition Die Armee hat dagegen auch wegen des langen Gazakriegs eindringlich vor einem drastischen Mangel an kampffähigen Soldaten gewarnt. Viele Israelis empfinden es zudem als ungerecht, dass ultraorthodoxe Juden vom Dienst an der Waffe und gefährlichen Kampfeinsätzen ausgenommen sind. Die Kundgebung in Jerusalem richtete sich auch gegen einen neuen Gesetzentwurf, der die Befreiung der Ultraorthodoxen regeln soll, der einigen von ihnen aber nicht weit genug geht. Der Streit über die Wehrpflicht für streng religiöse Männer gilt auch als Gefahr für den Fortbestand der rechtsreligiösen Koalition des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu .