FDP im Landtagswahlkampf: FDP wird von Usedomer Hochschullehrer in Wahlkampf geführt
Die Liberalen wählen ihre Kandidatenliste für die Landtagswahl am 20. September. Der Wiedereinzug ins Schweriner Schloss scheint in weiter Ferne. Wie die FDP es trotzdem schaffen will.
Die FDP zieht nach monatelangen innerparteilichen Streitigkeiten um Führungsstil und Diskussionskultur mit frischem Personal in den Landtagswahlkampf. Zum Spitzenkandidaten wählte eine Landesvertreterversammlung in Binz auf Rügen den Hochschullehrer Jakob Schirmer von der Insel Usedom.
Platz zwei und drei gingen an Frauen - an die Pflege-Unternehmerin Jessica Mendle aus der Region Greifswald und an die Lehrerin Whitney Bräunig aus Wismar. Auf Platz vier wurde der 72-jährige Uwe Ahlers von der Insel Rügen gesetzt, auf Platz fünf kam der Lehrer Brian Kipke aus Nordvorpommern.
Keiner von ihnen zählt zum bisherigen Personal der FDP im Landtag. Der Landesvorsitzende René Domke, zugleich Chef der Fraktion im Landesparlament, trat nicht an. Er will im März ein neues Amt als Vize-Bürgermeister der Hansestadt Wismar übernehmen. Dann scheidet er aus dem Landtag aus.
Schirmer bekommt 89,2 Prozent
Der 43 Jahre alte Jurist Schirmer erhielt 89,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht - im Gegensatz zu den Kandidaten nachfolgender Plätze.
Schirmer ist nach eigenen Worten verheiratet und hat zwei Kinder. Er sagte, er stehe für eine freiheitliche Politik. "Der Staat ist für die Menschen da, nicht die Menschen für den Staat."
Als politische Schwerpunkte der Liberalen im Wahlkampf nannte der Jurist Wirtschaft, Inneres, Bildung, Justiz und Finanzen. Das Wahlprogramm soll in den nächsten Wochen erarbeitet und bei einem Parteitag im März beschlossen werden.
Umgang mit AfD: Gelassenheit mit klaren Grenzen
Im Umgang mit der AfD sprach er sich für mehr Gelassenheit bei klaren Grenzen aus. Er könne sich keine persönliche Zusammenarbeit mit der AfD vorstellen, sagte er. Gleichwohl gebe es Situationen, in denen man sich verhalten müsse.
"Das heißt, wenn ein Radweg beantragt wird, der richtig ist in der Sache, dann ist es dogmatisch, dann ist es ideologisch zu sagen, wir sagen aber nein, weil ihr den Antrag gestellt habt", so Schirmer. Man müsse "vielleicht ein bisschen gelassener mit dieser Frage lernen umzugehen und gleichwohl klarmachen, wo unsere persönlichen Grenzen liegen." Diese Grenze sei das liberale Menschenbild.
FDP in Umfrage unter fünf Prozent
Die FDP hat aktuell drei Abgeordnete im Schweriner Landtag, die als Gruppe agieren. Nach der Wahl von 2021, bei der die Liberalen auf 5,8 Prozent kamen, waren es fünf Abgeordnete. Zwei kehrten jedoch der Fraktion im Laufe der Zeit den Rücken und der Fraktionsstatus ging verloren.
Nach Umfragen erscheint der Wiedereinzug der FDP in das Schweriner Schloss bei der Landtagswahl am 20. September in weiter Ferne. Die jüngste vorliegende Umfrage aus dem September 2025 sah die Liberalen unter der Fünf-Prozent-Hürde. Das genau Ergebnis wurde nicht ausgewiesen.
Polarisierter Wahlkampf erwartet
Mit Blick auf den Umfragewert hat der FDP-Landesvorsitzende Domke seiner Partei in Binz Mut zugesprochen. Auch bei vorangegangenen Wahlen seien die Liberalen in Mecklenburg-Vorpommern zu Beginn des Wahlkampfs nicht über fünf Prozent gemessen worden, sagte er bei der Landesvertreterversammlung. "So sah es auch 2021 aus, und dann sind wir mit 5,8 Prozent in den Landtag eingezogen. Es ist also möglich. Es liegt an uns."
Domke erwartet einen stark polarisierten Wahlkampf zwischen einem "Weiter so" von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und einem AfD-"Rechtsaußenblock". Dazwischen könnten kleine Parteien zerrieben werden, sagte er. "Aber wir haben es in der Hand, eine Alternative zu bieten. Die Menschen sehnen sich danach. Sie wollen weder das Weiter so von Frau Schwesig noch wollen sie unbedingt Rechtsaußen haben."
"Alternative der Vernunft"
Die FDP könne und müsse die "Alternative der Vernunft" sein. "Da müssen wir deutlicher werden, viel, viel deutlicher als bisher", rief Domke den mehr als 50 anwesenden Delegierten zu. Die FDP hat nach eigenen Angaben rund 800 Mitglieder in Mecklenburg-Vorpommern.
