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Auschwitz-Befreiung und Demokratie in Gefahr: Holocaustüberlebende besorgt

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"Nie wieder" lautete die Antwort auf das Menschheitsverbrechen des Holocaust. Heute warnen Überlebende des NS-Terrors eindringlich vor der Bedrohung von Demokratie und Zivilisation. 81 Jahre sind vergangen, seit die Rote Armee Auschwitz am 27. Januar 1945 befreite. Das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager gilt mit mehr als einer Million Ermordeter seither als Symbol dessen, was Menschen anderen Menschen anzutun imstande sind. Doch der Holocaust ging weiter, etwa in anderen Konzentrationslagern und auf den sogenannten Todesmärschen. Bis die Wehrmacht am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulierte – und der Nationalsozialismus besiegt war. "Nie wieder!" schworen die befreiten Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald; die Worte "Nie wieder" sind seitdem Hoffnung – und Kampfansage – gegen die Unmenschlichkeit geworden. "Doch die Hoffnung auf eine bessere Welt erweist sich in unserer Gegenwart als trügerisch", sagt Thomas Weber, Historiker und Experte für die Geschichte des Nationalsozialismus. "Der Niedergang der liberalen Weltordnung, die Zunahme von Kriegen und Konflikten sowie der Aufschwung populistischer und radikaler Politiker wie Bewegungen sind eine extreme Bedrohung." Warnung der Geschichte Niemand kann besser vor der Gefahr warnen und erklären, was wir anders machen müssen, als die Überlebenden des Holocaust, deren Zahl immer weiter sinkt. Für das Buch "Nach der Nacht. Holocaustüberlebende über die Zukunft der Demokratie" haben nun Thomas Weber und der Filmemacher Joachim A. Lang sieben Überlebende des Holocaust interviewt. Anders als es üblicherweise bei Gesprächen mit Überlebenden der Shoah der Fall ist, stand in den Interviews nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart im Mittelpunkt. Lang und Weber wollten von den sieben Überlebenden wissen, ob es Dinge in der Gegenwart gibt, die sie an die dunkelsten Kapitel ihres Lebens erinnerten. Ferner, was für Handlungsanweisungen sie an uns alle haben. Thomas Weber und Joachim A. Lang waren überrascht, wie stark diese Überlebenden in ihrer Analyse der Gegenwart übereinstimmen: Die Gefahr für die Demokratie und die Zivilisation ist gewaltig. Noch nie seit 1945 haben sie eine solche Sorge um die Zukunft von Demokratie und Zivilisation gehabt wie heute. Sie sehen alle überall Zeichen, die sie an das Vorstadium des Zivilisationszusammenbruchs am Vorabend des Holocaust erinnern. "'Wehret den Anfängen' ist eine Lehre aus dem Holocaust", sagt Thomas Weber. "Was tun wir also, wenn uns Überlebende des Holocaust sagen: 'Es beginnt wieder'?" Die Aussagen der Überlebenden alarmieren und mahnen, aber sie versuchen auch, zu konkretem Handeln zur Stärkung von Demokratie und Zivilisation zu inspirieren. Hier sind Auszüge aus Interviews mit Elly Gotz, Margot Friedländer, Ernst Grube, Charlotte Knobloch, Eva Umlauf, Eva Szepesi und Leon Weintraub aus dem Buch "Nach der Nacht": Elly Gotz, 1928 im litauischen Kaunas/Kowno geboren, überlebte Sklavenarbeit im Konzentrationslager Dachau: " Wir müssen Mitgefühl lehren. Wie lehrt man Mitgefühl? Manche Menschen haben Freude daran, andere zu quälen oder zu töten? Nun, manche Menschen sind einfach Tyrannen, die Freude am Leiden anderer haben, aber sie sind noch in der Minderheit, obwohl Hass heute in einigen Ländern auf die Mehrheit übergegriffen hat. " " Schülerinnen und Schüler lesen nicht, sie sind in ihre Telefone vertieft und hören sich kurze Informationsschnipsel an, von denen viele Fake News sind. Unsere Technologie hat einige sehr negative Eigenschaften. Sie ist so fesselnd. TikTok ist wie Opium. " " Wir müssen Goethe und die große Literatur gegen TikTok und schädliche soziale Medien einsetzen. " " Was Kinder vor Hass schützt, ist, durch das Lesen guter Literatur, klassischer Literatur, Einblicke in die menschliche Natur zu gewinnen. Ich erinnere mich, wie ich als Kind so bewegt war, als ich 'Onkel Toms Hütte' las – über Sklaverei. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Menschen sagen würden, sie würden einen anderen Menschen besitzen. Wie schwer, wie leidvoll war die Sklaverei. Das weckte in mir Mitgefühl und Empathie. " " Ich spürte den Schmerz persönlich. Das hat mir geholfen, Hass zu verstehen. Deshalb ist mehr Literaturunterricht so wichtig. Es ist ein Gewinn für die Menschheit, unsere großen Schriftsteller zu lesen. Denn sie haben das Leiden der Menschheit verstanden und so klar darüber geschrieben, dass sie Mitgefühl hervorrufen. " Margot Friedländer, 1921 in Berlin geboren und dort 2025 gestorben, überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt: " Wer kann am besten den Menschen erklären, was war? Wir, die wir es erlebt haben. [...] Es ist nicht für mich. Es ist für euch, für Deutschland, für die Zukunft der Demokratie. Damit ihr so etwas nie erleben müsst, was wir erleben mussten. " " Ich bin sehr enttäuscht, dass alles wieder so aufgeflammt ist. " " Es ist wieder viel Hass in der Welt. Wir haben ja wieder Krieg. Menschen werden umgebracht. Für was? Für Macht. " Ernst Grube, 1932 in München geboren, überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt: " Wir wissen, dass rechtsextreme, nationalistische und antidemokratische politische Kräfte verdeckt und offen schon lange – auch gezielt – zusammenarbeiten. Dabei konzentrieren sie sich immer wieder auf die Themen, mit denen sie erfolgreich Angst, Unzufriedenheit und Unsicherheit verstärken oder erst heraufbeschwören. " " Menschenfeindlichkeit und Entrechtung, staatlich betriebene Grausamkeiten in kleinen kontinuierlichen Schritten schaffen neue Spielräume für weitergehende Pläne der AfD als parlamentarischer Arm und Zentrum des Rechtsextremismus. " " Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sind heute nicht nur neonazistischen Kreisen vorbehalten, sondern wieder fest verankert im gesellschaftlichen bürgerlichen Leben. " Charlotte Knobloch, 1932 in München geboren, überlebte den Holocaust, weil eine Retterin sie versteckte: " Der Judenhass nimmt stetig zu, und die Demokratie ist so bedroht wie seit der Gründung der Bundesrepublik nicht. Da ist jeder Einzelne gefragt, um unsere Demokratie zu bewahren. An der Wahlurne und im Alltag. " " Der steigende Antisemitismus in Deutschland ist eine existenzielle Gefahr nicht nur für die jüdische Gemeinschaft, sondern für die Demokratie und damit für die gesamte Gesellschaft. Judenhass richtet sich zuerst gegen jüdische Menschen. Aber er endet nie bei ihnen. " " Sie [die AfD] ist keine Protestpartei mehr. Die Wähler geben ihr ihre Stimmen, nicht trotz, sondern wegen ihrer antidemokratischen, autoritären, völkisch-rassistischen, antisemitischen Positionen. Natürlich fragt man sich da: Was haben wir eigentlich erreicht? " Eva Umlauf, geboren 1942 im Zwangsarbeiter- und Durchgangslager Nováky, überlebte das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz: " Wir sind nur noch ein Häufchen Überlebende, und jeden Tag werden wir weniger, aber wir gehen in die Schulen, klären auf, schreiben Briefe. Und was ist das Ergebnis? Die AfD hat ihre Mitgliedschaft verdoppelt. Ich bin ratlos. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so etwas noch einmal in Deutschland passieren würde. " " Wir müssen vor allem an junge Leute herankommen und sie aus der Scheinwelt herausholen, in der sie auf TikTok leben. Und wir müssen sie dahin bekommen, Verschwörungsmythen zu erkennen und sich gegen sie zu stellen. " " Ich möchte dafür kämpfen, dass 'Nie wieder' nicht nur eine Phrase ist, sondern ein Versprechen. Ein Versprechen, das auch heute gilt. Und morgen. Und für immer. " Eva Szepesi, geboren 1932 in Budapest, überlebte das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz: " Ich möchte alles dafür tun, dass Kinder nicht hassen. Es ist wichtig, dass Kinder, wenn sie aufwachsen, viel Liebe im familiären Leben bekommen. Aber leider erleben viele Kinder zu Hause etwas anderes oder hören anderes. Deswegen ist es wichtig, dass man aufklärt. Deshalb gehe ich in Schulen und halte Vorträge. Ich erlebe da wunderbare Kinder, die hören mir wirklich zu. " " Es gibt jetzt immer viele Fragen zur AfD. Und ein Lehrer eines Gymnasiums hatte mir geschrieben, dass sie Hilfe brauchen. Sie hätten intern eine Probe gemacht und die Schülerinnen und Schüler geheim abstimmen lassen, was sie wählen würden, wenn sie 18 wären. 40 Prozent hätten die AfD gewählt. Es gibt jetzt viele solcher Hilferufe. " Leon Weintraub, 1926 in Łódź geboren, gelang bei einem alliierten Luftangriff die Flucht aus einem Deportationszug aus dem Konzentrationslager Natzweiler-Struthof: " Ich bin sehr, sehr, sehr traurig, dass nach all den furchtbaren Folgen des Zivilisationszusammenbruchs damals Überzeugungen wieder Konjunktur haben, mit denen sich viele besser wähnen als andere oder über das Sein der anderen bestimmen wollen. Das ist eine sehr traurige Auffassung. Vor allem ist es undemokratisch. Ich bin für Demokratie. " " Und überall steigt der Antisemitismus. Es macht mich traurig, denn es zeugt davon, dass die Schicht der Demokratie bei vielen nur sehr dünn war. " " Ihr sollt den Wert der Demokratie als bis jetzt beste Form, ein Land zu leiten, betonen! Die Demokratie ist nicht vollkommen, aber viel besser als alle anderen Formen wie Diktaturen oder Oligarchen oder Theokratien. Wie kann man einem Menschen, auch heute jemandem wie Trump in Amerika, so viel Macht geben? " Die Überlebenden warnen nicht nur, sie geben auch Rat. Nicht nur müssten Parteien wie die AfD offensiv von den Demokraten gestellt und konfrontiert werden, auch die Bedeutung der vorpolitischen Werte mahnen sie an: Mut und zivilgesellschaftliches Engagement, Aufklärung und Gegenwehr. Und nicht zuletzt Bildung, Bildung, Bildung. "Goethe gegen TikTok ist nicht nur die Formel, wie Elly Gotz Empathiefähigkeit als Schutzimpfung gegen Hass unter Kindern verbreiten will", sagt Thomas Weber. "Die Formel 'Goethe gegen TikTok' fasst das Grundproblem zusammen: Wir müssen die Grundmuster von Desinformation und Demagogie im digitalen Raum entlarven. Dann haben es die Rattenfänger unendlich viel schwerer, wenn gerade Kinder und Jugendliche erkennen, wie sie manipuliert werden sollen." Geschichte wiederholt sich selbstverständlich höchstens in den Grundmustern menschlichen Verhaltens, das betont auch Thomas Weber. "Aber wir sollten nicht blind sein", warnt der Historiker. "Die Motoren des Zusammenbruchs in Form von Desinformation und Demagogie sind heute die gleichen, mit denen auch die Menschen im Zeitalter der Weltkriege zwischen 1914 und 1945 konfrontiert waren." Die sechs Holocaust-Überlebenden – Margot Friedländer starb im vergangenen Jahr – geben jedenfalls nicht auf. Eva Umlauf, die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, kann gar nicht oft genug wiederholen: "Ich möchte dafür kämpfen, dass 'Nie wieder' nicht nur eine Phrase ist, sondern ein Versprechen." Eva Szepesi möchte den Menschen Kraft geben und sie zum Nachdenken animieren, was sie tun müssen, damit wir, wie Szepesi sagt, "alle friedlich zusammenleben können." Die Überlebende appelliert im Buch "Nach der Nacht": " Es muss schon einen Sinn haben, dass ich am Leben geblieben bin. Deshalb sollen die Leute nach meinen Vorträgen und Berichten nicht aufstehen und klatschen, sondern unser wunderbares Grundgesetz und unsere Demokratie verteidigen. Sie sollen ihre Stimme in ihrem Bekanntenkreis gegen die erheben, die wieder rechtsextreme Parteien wählen. Ich wünsche mir, dass die Leute nicht wegschauen und schweigen, denn die Shoah hat auch nicht mit Auschwitz begonnen, sondern mit dem Wegschauen der Gesellschaft. "














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