Kann es Alexander Zverev dieses Jahr schaffen? Ganz Tennis-Deutschland wünscht dem Deutschen den Grand-Slam-Titel. Doch es gibt immer noch Zweifler. Die Sonne brannte heiß auf den Balkon der Medienterrasse im Melbourne Park, als am Dienstag zahlreiche ehemalige Größen des Sports den Australian Open ihre Aufwartung machten. Unter ihnen waren neben vielen internationalen Tennis-Legenden wie Patrick Rafter und Marat Safin auch die Deutschen Tommy Haas, Angelique Kerber und Andrea Petkovic , die inzwischen als Kommentatorin für die turniereigenen TV-Kanäle arbeitet. Die Zeit Frage, die viele der Anwesenden umtrieb war die nach Alexander Zverev . Ist die deutsche Nummer ein in diesem Jahr endlich reif für den Titel in Melbourne? Wenn es nach den ehemaligen deutschen Tennisstars geht, ja. Kerber sowie der einstige Weltranglistenzweite Tommy Haas trauen Alexander Zverev den großen Wurf zu – vielleicht sogar schon in diesem Jahr. Das stellten sie am Rande der Australian Open klar. "Ich weiß, dass Sascha irgendeinen gewinnen wird. Da bin ich mir sicher. Er trainiert so hart, und das wird sich irgendwann auszahlen", sagte Kerber am Montag in Melbourne bezogen auf einen möglichen Grand-Slam-Sieg: "Wir wissen, wie gut Sascha spielen kann. Er hat schon das ein oder andere große Turnier gewonnen und die Großen geschlagen". Kerber hatte vor ziemlich genau zehn Jahren in Melbourne einen ihrer größten Triumphe feiern können. 2016 gewann sie bei den Australian Open die Einzelkonkurrenz der Damen. Auch der einstige Wimbledon-Halbfinalist Haas traut Zverev schon in diesem Jahr viel zu. "Wir wissen, dass er ein absoluter Topspieler ist und immer die Chance hat, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen", sagte Haas, der wie Kerber am Legendenturnier in Melbourne teilnehmen wird: "Bis jetzt sieht er sehr solide aus, ist in einer fitten Verfassung. Auch wenn er gegen Alcaraz ( Carlos, d. Red. ) spielen sollte, ist alles möglich." Der zweifache Davis-Cup-Sieger Mark Philippoussis sieht Zverev Siegchancen hingegen kritischer. Er glaubt nicht, dass der Deutsche in diesem Jahr schon reif für den Titel bei den Australian Open ist. "Er muss einfach noch mehr an seinem Spiel arbeiten", sagte der 49-Jährige t-online. "Von seiner Mentalität her glaube ich schon, dass er bereit ist, aber er entwickelt sich nicht so schnell, wie er es eigentlich tun müsste, wenn er gegen jemanden wie [Jannik] Sinner bestehen will". Als Beispiel nannte Philippoussis die fehlende Varianz in Zverevs Spiel. So komme der Deutsche etwa viel zu selten ans Netz. Auch das häufig viel zu statische Grundlinienspiel des Hamburgers sei ein Problem. Zverev steht vor schwerer Aufgabe gegen Learner Tien Auch Lleyton Hewitt, ehemaliger US-Open- und Wimbledon-Sieger, sieht die Zeit für Zverev noch nicht gekommen. "Ich zähle ihn dieses Jahr nicht zu den ganz großen Favoriten. Zverev spielt sicherlich sehr konstant und er ist immer sehr nahe dran, aber ich glaube nicht, dass er an Sinner und Alcaraz vorbeikommt", sagte der 44-jährige Australier t-online. "Nicht dieses Jahr". Hewitt war der jüngste Spieler, der es bis heute an die Spitze der Weltrangliste geschafft hat. Zverev, der es in seiner Karriere bislang auf Weltranglistenplatz zwei geschafft hat, trifft am Dienstag im Viertelfinale nach vier überzeugenden Auftritten in Melbourne auf den US-Amerikaner Learner Tien. Der 20-Jährige gilt als eines der größten Talente in dem Sport. Er hatte auf dem Weg ins Viertelfinale des Turniers unter anderem den Russen Daniil Medwedew souverän in drei Sätzen geschlagen. Im Halbfinale könnte auf Zverev bereits ein Duell mit dem aktuellen Weltranglistenersten Carlos Alcaraz warten. Der Deutsche hat seine bisherigen drei Major-Finals allesamt verloren. Mit 28 Jahren wartet er immer noch auf die Krönung seiner Karriere: einen Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier. Und auch wenn Tommy Haas Zverev diesen Titel im Prinzip zutraut, schränkt er doch auch ein: "Wir wissen alle, dass Sascha ein Top-Ten-Spieler ist, aber um den Titel zu gewinnen, gehört auch immer ein bisschen Glück dazu." Dieses Glück wird Zverev auf dem Weg zu seinem lange ersehnten ersten Grand-Slam-Titel benötigen.