Dschungelcamp Tag 8: Sie kam, stolperte und siegte (leider nicht)
Nicole Belstler-Boettcher ist aus dem Dschungelcamp geflogen. Zu früh! Die 62-Jährige setzte neue Standards. Wenn es wichtig wurde, war sie da. Eine Würdigung.
"In der Schule hatte ich noch eine Piepsstimme und habe gestottert". Diesen erstaunlichen Satz über sich hat Nicole Belstler-Boettcher nicht im Dschungelcamp gesagt, RTL stellte ihn Journalisten als O-Ton vor dem Einzug zur Verfügung. Sie hat ihn gesagt mit dieser Stimme, die man in den vergangenen acht Tagen im Camp gerne noch öfter gehört hätte. Eine verdammt tolle Stimme, die so klingt wie eine Absturzkneipe auf St. Pauli unter der Woche aussieht: ziemlich verraucht, angemessen ranzig und unheimlich einladend.
Jetzt ist Nicole Belstler-Boettcher blöderweise raus geflogen, noch dazu als Erste."Sie hat sich den undankbaren letzten Platz gegönnt", wie Sonja Zietlow den Abschied der mit 62 Jahre ältesten Kandidatin der Dschungeljahrgangs abmoderierte. Hörte man dabei nicht ein leises Seufzen? Aber es wäre ja geflunkert, zu sagen, Belstler-Boettcher und ihre markante Stimme seien vorher in aller Munde gewesen!
Als klassische Teilnehmerin der Gattung "Tochter und Sohn von ..." wurde die Schauspielerin nie müde zu erwähnen, wem sie ihre eigene Mehr-oder-weniger-Bekanntheit zu verdanken hat: Ihrer Mutter Grit Boettcher, die 1958 ihrem ersten Kinofilm drehte, an der Seite von Harald Juhnke"Ein verrücktes Paar" bildete und noch mit über 70 Jahren noch regelmäßig auf dem"Traumschiff" aufkreuzt.
Nicole Belstler-Boettcher ist Brillenträgerin des Jahres
Nicole hingegen war ein Nepo-Baby, lange bevor es den Begriff gab – mit allen Vor- und Nachteilen: Im Gespräch mit Hardy Krüger junior, gewissermaßen ihrem männlichen Äquivalent im Camp, erinnerte sie sich an Tag 4 an die vielen prominenten Besucher, die in Kindheitstagen zuhause ein- und ausgingen:"Wen ich da alles kennengelernt habe! Joachim Fuchsberger, Loriot, Romy Schneider, Barbara Schöne, Anita Kupsch, Harald Juhnke. Legenden!", schwärmte sie da.
Aber sie sprach auch über die weitaus weniger glamouröse Seite als Tochter einer berühmten Mutter:"Ich konnte nicht einschätzen, ob die Leute mit mir befreundet sein wollten, weil sie mich mögen oder weil die Mama ein Megastar war", sagte sie.
Nicole zeigte sich eher als Anti-Star und zwar aufs Angenehmste. Wer stapelte je im Fernsehen zwei riesige Brillen so stylish übereinander auf der Nase und tat dabei so, als sei das das Normalste auf der Welt? Brillenträger des Jahres-Jury, bitte notieren sie das! Und wer stolperte so herrlich tollpatschig durch den Urwald wie ein angeschickerter Storch? Exakt, seit Larissa Marolt genau niemand mehr! Im Gegensatz zu den jungen Reality-TV-Sternchen, die auch im australischen Busch nicht auf Fake Lashes und lippenaufpolsterndem Gloss verzichten wollten, zeigt sich die 62-Jährige zumeist ungeschminkt und völlig uneitel. Über ihre Arthrose machte sie Witze und lachte dreckig.
Im Gegensatz zur"Killer-Chihuahua" Ariel (Gil Ofarim) rauchte Nicole mit den Mitcampern meistens die Friedenspfeife. Einzig, als man ihr und den anderen Rauchern wegen zahlreicher Regelverstöße die Zichten abnahm, war die Stimmung nicht mehr so ganz so entspannt. Mit Simone Ballack geriet sie zu Beginn kurz aneinander, fühlte sich von der 49-Jährigen bevormundet. Aber deswegen den Larry machen? Viel zu anstrengend.
Konfrontation mit Gil Ofarim im Dschungelcamp
Doch bei einer Sache suchte sie dann doch die Konfrontation, weil es ihr wichtig war: "Wenn ich ihn so reden höre mit seiner sonoren Stimme (…) da stellt es mir die Nackenhaare auf", sagte Nicole über Gil Ofarim und stellte ihn am Waschzuber unvermittelt zur Rede. "Du darfst dich hier rehabilitieren und was ist mit diesem Mann? (dem Hotelangestellten, d. Aut.), der will auch nur sein Leben zurück!" Im Dschungeltelefon erklärte sie beinahe entschuldigend: "Da ist mir die Sicherung geplatzt." Ofarim blieb eine klare Antwort schuldig, aber die 62-Jährige hatte einen wichtigen Punkt gemacht.
Es hätte noch einige weitere Punkte gegeben, zu denen sie etwas zu sagen gehabt hätte: Etwa darüber, wie unheimlich schwierig es ist, als Schauspielerin über 60 Jahren in Deutschland noch Rollen zu bekommen –"als unoperierte Frau" noch dazu:"Es gibt uns, wir sind da!" hatte sie vor dem Einzug im Interview gesagt. Man hätte auch gern gewusst, ob sie Angst hat vorm Sterben und welche Urlaubsziele sie als unterschätzt betrachtet.
Kurz nachdem ihr Rauswurf feststand, erklärte Nicole Belstler-Boettcher, sie freue sich jetzt auf eine schöne Portion Pommes vom Imbissstand. Wenn man tippen müsste: Sie bestellt sie bestimmt in rot-weiß. So sehr es ihr gegönnt sei, ihre Stimme und sie werden fehlen im Dschungelcamp.
