Neuer Trainer: Werder Bremen holt Thioune – die Probleme bleiben
Werder Bremen hat nach dem Rauswurf von Horst Steffen mit Daniel Thioune schnell einen Nachfolger präsentiert. Der neue Trainer trifft dabei auf die gleichen Probleme.
Werder Bremen hat nur drei Tage nach der Entlassung von Horst Steffen einen neuen Trainer an der Weser vorgestellt: Es ist Daniel Thioune, 51 Jahre alt. Der Niedersachse soll Werder aus der Abstiegszone führen, in die der Klub unter Vorgänger Steffen Vorgänger hineingeraten ist. Aktuell liegt Bremen nach zehn sieglosen Spielen in Folge mit 19 Punkten auf dem 15. Tabellenrang, nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz.
Thioune war im Oktober vergangenen Jahres nach dreieinhalb Jahren bei Fortuna Düsseldorf freigestellt worden. Dass er eine Mannschaft im Abstiegskampf retten kann, hat er in Düsseldorf gezeigt. Im Februar 2022 übernahm Thioune den Traditionsklub auf Platz 15, beendete die Saison im gesicherten Mittelfeld. Ein Jahr später führte Thioune die Mannschaft auf Platz vier der Zweiten Bundesliga und scheiterte weitere zwölf Monate darauf erst in der Relegation in einem dramatischen Elfmeterschießen am Aufstieg.
"Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit der Mannschaft, und ich bin überzeugt, dass es uns gelingen wird, erfolgreich miteinander zu arbeiten und die Ziele des Vereins zu erreichen", sagte Thioune laut Pressemitteilung.
Froh über die schnelle Lösung
In Bremen dürften sie froh sein, dass die Trainersuche nicht zur Hängepartie wird. Auch die Dänen Bo Henriksen und Bo Svensson standen auf der Kandidatenliste. Svensson sagte offiziell ab, bei Henriksen hätten sich die Ablöseverhandlungen mit Ligakonkurrent Mainz 05, an den der Trainer nach seiner Entlassung noch vertraglich gebunden ist, wohl kompliziert gestaltet. So fiel die Wahl auf Thioune, der vorher schon zum Kandidatenkreis gehörte.
Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz und Sportdirektor Peter Niemeyer (Leiter Profifußball) standen unter akutem Handlungsdruck. So gesehen ist ihnen mit der schnellen Entscheidung ein erster Schritt gelungen, um die Krise zu bewältigen. Eine längere Hängepartie mit kursierenden Namen und Gerüchten hätte den Schaden mit hoher Wahrscheinlichkeit vergrößert. Zu mies ist die Stimmung rund um das Weserstadion. Das liegt auch daran, dass man sich einen ganz anderen Saisonverlauf erwartet hatte. Einen, der Richtung internationale Plätze führt, und nicht in die Abstiegsregion.
Sowohl Fritz als auch Niemeyer stehen längst selbst im Fokus, wenn in Bremen nach den Gründen für die schwache Spielzeit gesucht wird. Unter den Fans gilt Fritz sowieso als Hauptschuldiger. Zuletzt starteten Anhänger eine Petition, um den ungeliebten Boss aus dem Job zu entfernen. Die Ultras machten sich mit einem großen Banner über den Sport-Geschäftsführer lustig. "Fritz verleihen" stand darauf, in Anspielung auf einen Fauxpas. Fritz hatte zugeben müssen, dass er nicht wusste, dass man mehr als sechs Leihspieler beschäftigen kann, wenn sie auch von ausländischen Klubs kommen.
Viel hat bei Werder Bremen zuletzt nicht funktioniert
Das führt zum Kernproblem bei Werder: Viel hat zuletzt nicht funktioniert, der Verein gibt unter Clemens Fritz ein schwaches Bild ab. Der neue Coach wird vor den gleichen Problemen stehen, die auch Steffen den Job schwer machten. Die Transferpolitik ist unterm Strich negativ, der Kader ist nicht ausgewogen zusammengestellt, hoffnungsvolle Talente haben sich nicht so entwickelt wie vorgesehen. Hinzu kamen eine Verletzungsmisere (was zum Teil mit der Transferpolitik zusammenhängt, wenn man verletzungsanfällige Spieler wie Wöber oder Boniface holt) und eine eklatante Offensivschwäche.
Horst Steffen hat dafür den Preis bezahlt, weil er als Trainer zuerst in der Verantwortung steht. Aber nicht, weil er der Alleinschuldige für die Misere ist. Das gab Fritz am Sonntag zu, als er auf einer Pressekonferenz sagte: "Wenn so was passiert, sind wir alle in der Verantwortung. Ich natürlich auch in erster Linie, natürlich auch die Mannschaft."
Jetzt hoffen sie an der Weser auf die Wende unter Thioune. Leicht wird es nicht.
