Rassistisches Obama-Video: Selbst für Trump ein neuer Tiefpunkt
Mit der Veröffentlichung eines rassistischen Videos hat der US-Präsident selbst für seine Verhältnisse eine Grenze überschritten. Das zeigt, wie sehr sich die moralischen Werte in den USA verschoben haben. Donald Trump ist ein Rassist. Daran gab es schon lange vor diesem Freitag keinen Zweifel mehr. Bereits in den Siebzigerjahren hatte der Unternehmer Trump mit seinem Vater Fred Bewerbungen für ihre Wohnungen von Menschen mit schwarzer Hautfarbe aussortiert. Bei der Bekanntgabe seiner Präsidentschaftskandidatur diffamierte er 2015 mexikanische Einwanderer pauschal als Kriminelle und Vergewaltiger. In seiner ersten Amtszeit nannte er mehrere afrikanische Staaten "Drecksländer". Und erst vor wenigen Wochen verglich er Einwanderer aus Somalia mit "Müll". Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Obamas als Affen: Weißes Haus löscht Video Jetzt aber hat der US-Präsident selbst für seine Verhältnisse einen neuen Tiefpunkt erreicht: Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte er auf seiner Plattform Truth Social ein Video, das den Ex-Präsidenten Barack Obama und dessen Frau Michelle als Affen darstellt. Gerade jetzt, während des "Black History Months", in dem die USA die Leistungen der schwarzen Bevölkerung würdigen. Auch wenn der Aufschrei in den USA groß ist: Der Vorfall zeigt auch, wie sehr sich mittlerweile die moralischen Grenzen in den USA verschoben haben. Unter normalen Umständen wäre ein Präsident nach einer solchen Äußerung längst nicht mehr tragbar, eigentlich schon lange unwählbar gewesen. Doch es scheint, als habe man sich längst daran gewöhnt, dass das Land von einem Rassisten regiert wird. Trump bedient mit dem Video einen uralten rassistischen Vergleich: Seit Jahrhunderten werden Menschen mit schwarzer Hautfarbe als Affen dargestellt, um sie dadurch zu entmenschlichen. Man findet diese Beleidigung beim Ku-Klux-Klan, in der Rassenlehre der Nationalsozialisten oder auf den Tribünen von Fußballstadien, wenn schwarze Spieler auch heute noch mit Affenlauten diffamiert werden. Video verschwindet Trotzdem gab sich die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, in einer ersten Reaktion unwissend. Leavitt sprach von einer "gespielten Empörung" und empfahl den Medien, über Dinge zu berichten, die die amerikanische Bevölkerung wirklich betreffen. Eine Äußerung, mit der der US-Präsident auch fast 50 Millionen seiner Staatsbürger beleidigt, scheint offenbar nicht dazu zu gehören. Mittlerweile scheint allerdings auch dem Weißen Haus aufgefallen zu sein, dass man sich diesmal wirklich im Ton vergriffen hatte. Wenige Stunden nach Leavitts Äußerungen war das Video von Trumps Plattform wieder verschwunden. Es habe sich um ein Versehen gehandelt, heißt es aus dem Weißen Haus, natürlich nicht vom Präsidenten selbst, sondern von einem Mitarbeiter. Entschuldigung gefordert Glauben muss man diese aberwitzige Erzählung nicht. Vermutlich wurde Trump das Ausmaß seines Fehlers erst bewusst, als selbst Politiker seiner eigenen Partei ihn scharf kritisierten. Denn für Widerworte sind die Republikaner unter Trumps Herrschaft nicht mehr bekannt. Der schwarze Senator Tim Scott nannte die Aufnahme "das rassistischste, das ich je aus diesem Weißen Haus" gesehen hatte. Senatorin Katie Britt sagte, dass das Video nie hätte veröffentlicht werden dürfen. Der Abgeordnete Brian Fitzpatrick aus Pennsylvania ging sogar noch einen Schritt weiter. Trumps Video nannte der Republikaner nicht nur "absolut inakzeptabel". Es sei auch eine "klare und unmissverständliche Entschuldigung" des Präsidenten fällig. Eine solche Ansprache wäre das absolute Minimum, was man vom Präsidenten erwarten kann. Doch das Eingestehen von Fehlern hat noch nie zu den Stärken von Donald Trump gehört. Auch daran hat man sich in den USA schon lange gewöhnt.