Der Naturschutzbund macht dem Berliner Senat wegen der durch Eisglätte verursachten Behinderungen Vorwürfe. Es geht um mehr als nur Streusalz. Im Streit um den Einsatz von Streusalz in Berlin hat sich der Naturschutzbund Nabu zu Wort gemeldet. Die Organisation hatte vor Gericht durchgesetzt, dass auch weiterhin kein Salz eingesetzt wird. Dafür hatte es harsche Kritik gegeben. Der Nabu hingegen sieht den Berliner Senat und die Bezirke als Schuldige: Sie sollten ihre Verantwortung besser wahrnehmen, forderte der Berliner Nabu-Vorsitzende Rainer Altenkamp. Er sagte dem RBB, die Bedeutung von Streusalz werde "massiv überschätzt". Das Problem sei nicht der untersagte Einsatz des Taumittels gewesen, sondern dass es in vielen Gebieten keinen Winterdienst gegeben habe. "Tagesschau"-Star: Jan Hofer stürzt auf Glatteis und teilt gegen Nabu aus Hohes Bußgeld droht: FDP-Chef streut verbotenes Tausalz In Berlin gab es zuletzt an mehreren Tagen durch überfrierende Glätte und Eisregen erhebliche Behinderungen. Bahnen konnten nicht fahren, der BER wurde zeitweise geschlossen, Menschen rutschten auf glatten Bürgersteigen aus, Autos krachten ineinander. "Das Verbot zum Einsatz von Tausalz auf Gehwegen gab es schon 1978. Der letzte strengere Winter ist nur offenbar etwas länger her und bestimmte Abläufe, was das Räumen von Gehwegen angeht, funktionieren nicht mehr", sagte Altenkamp dem "Tagesspiegel". Man könne Glätte auch gut mit Granulat und Sand in den Griff bekommen. Nabu-Präsident: Das geht so nicht Der Präsident des Naturschutzbundes, Jörg-Andreas Krüger, meldete sich ebenfalls zu Wort. "Für die Aufgeregtheit und den Unmut habe ich volles Verständnis", sagte Krüger der "Bild"-Zeitung. "Ich rutsche ja selbst seit drei, vier Wochen durch die Gegend." Er sieht in der Allgemeinverfügung, mit der der Berliner Senat den Streusalzeinsatz erlauben wollte, ein grundsätzliches Problem. "Das geht so nicht. Wir sind aber immer noch ein Rechtsstaat", sagte er der Zeitung. Auch er sieht den Senat in der Pflicht: Bei vorhergegangenen schweren Wintern habe Berlin die Situation ebenfalls nicht im Griff gehabt. "20 Jahre später stellen wir fest: Es ist alles noch genauso", so Krüger. Gefahr für Bäume und Gebäude Der Nabu sieht Streusalz als Gefahr für Bäume und Pflanzen im Berliner Stadtgebiet an. "Der Einsatz von Tausalz geht auf Kosten der Natur, und eigentlich sollte es doch Aufgabe der Grünen sein, sich um den Naturschutz zu kümmern", so Altenkamp. "Streusalz ist aus gutem Grund auf Gehwegen verboten: Neben Gebäuden, Autos und Hundepfoten schädigt es Böden und Bäume irreversibel. Und zwar nicht nur die Bäume, die da jetzt stehen, sondern auch, wenn man welche nachpflanzt." Die Berliner Senatsregierung will dennoch Streusalz zumindest eingeschränkt wieder zulassen, und zwar für Privatleute auf Gehwegen vor ihren Häusern. Dafür braucht es aber eine Gesetzesänderung, die kaum in diesem Winter noch durchgebracht werden kann.