Besondere Kulturangebote: Kulturhighlights - gesehen und gehört in Bayern
Von Hundertwasser über Pumuckl bis Monty Python: Bayerns Kulturkalender bietet in den kommenden Monaten überraschende Ausstellungen, Open-Air-Highlights und preisgekröntes Theater.
Was wird bis zum Sommer kulturell geboten in Bayern? Und wofür lohnt es sich, eine längere Anreise in Kauf zu nehmen? Anbei ein paar Vorschläge.
Haariges in der Kunsthalle München
Die Kunsthalle München widmet sich den Haaren - auf dem Kopf ebenso wie am restlichen Körper. "Haar - Macht - Lust" zeigt nach Angaben der Veranstalter rund 200 Exponate von der Antike bis zur Gegenwart, auch aus bedeutenden Sammlungen wie dem Prado in Madrid, dem Pariser Louvre oder dem Rijksmuseum in Amsterdam. Zu sehen sind Gemälde, Skulpturen, Fotos, Videos, Schmuckstücke, Couture-Mode und sogar Möbel - alles mit Haaren, von gelockt und wallend über raffiniert gestylt bis hin zur Rasur. Start ist am 20. März.
(Kunsthalle München, Haar - Macht - Lust, 20. März bis 4. Oktober 2026)
Reise zu den Römern im Lokschuppen Rosenheim
Im Lokschuppen Rosenheim kann man demnächst in die Zeit der Römer eintauchen. Die Schau erzählt aus der Perspektive der Menschen, die damals gelebt haben: von Bürgern und Kindern über Händlerinnen und Landwirte bis hin zu Legionären und Kaisern. 500 Exponate zeigt die Ausstellung, die auch zum Mitmachen einlädt. Wer will, kann an einer Römerstadt aus Legosteinen mitbauen, auf Wachstafeln schreiben oder ein Mosaik legen. Für Kinder gibt es eine Rätseltour. Start ist am 20. März.
(Lokschuppen Rosenheim, Römer - Gesichter eines Weltreiches, 20. März 2026 bis 1. August 2027)
Ermitteln im "Tatort Porzellan(ikon)"
Nein, die ARD nimmt Selb nicht in ihre Kultreihe "Tatort" auf. Die oberfränkische Stadt an der tschechischen Grenze bietet aber einen ganz eigenen Krimi - nämlich im Porzellanikon, Europas größtem Spezialmuseum rund um Porzellan. Bei der Sonderausstellung "Tatort Porzellan(ikon). Ein Selber Krimi" dürfen die Besucherinnen und Besucher selbst ermitteln: "Treffen Sie auf zahlreiche Verdächtige, sammeln Sie Hinweise und ermitteln Sie selbst, um einen fiktiven Kriminalfall aufzuklären", heißt es in einer Mitteilung des Museums. Die Schau lade ein, hinter die glänzende Fassade des "weißen Goldes" zu blicken und herauszufinden, "welche Rolle Porzellan bei Verbrechen, Betrug, Industriespionage und spektakulären Kriminalfällen spielte". Die Sonderausstellung eröffnet am 21. März und endet im Oktober.
(Porzellanikon, Tatort Porzellan(ikon). Ein Selber Krimi, 21. März bis 4. Oktober 2026)
Bunte Traumkunst im Kunstforum Hundertwasser
Nach der erfolgreichen Premierenausstellung zeigt das neue Kunstforum Hundertwasser in Lindau die Ausstellung "Die Kunst der Vielfalt" (28. März 2026 bis 10. Januar 2027). Schwerpunktmäßig geht es um das grafische Werk des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser (1928-2000).
Die Stadt Lindau hatte im März 2025 das Kunstforum eröffnet, das bis 2029 nacheinander vier große Ausstellungen zu dem beliebten Künstler präsentieren soll. In die erste Schau "Das Recht auf Träume" kamen nach Angaben des Lindauer Kulturamts mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher.
Seit vielen Jahren zeigt die Bodenseestadt erfolgreich Ausstellungen zu Kunst der klassischen Moderne. In diesem Jahr soll es erstmals zwei große Ausstellungen geben. Parallel zur Hundertwasserschau startet im Stadtmuseum "Cavazzen" ab 2. Mai eine Schau mit Werken Pablo Picassos (1881-1973), zu sehen bis zum 1. November.
(Kunstforum Hundertwasser, Die Kunst der Vielfalt, 28. März 2026 bis 10. Januar 2027)
Ausgezeichnetes im Theater Regensburg
Das Opernhaus des Jahres 2025 steht nicht in Großstädten wie Paris oder München - sondern in Regensburg. Die Jury lobte die Risikobereitschaft unter Intendant Sebastian Ritschel, mit der er das Theater Regensburg und seine Inszenierungen zu einem kulturellen Anziehungspunkt gemacht hat. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann dies etwa mit dem Musical "Merrily We Roll Along" von Stephen Sondheim tun, das als deutschsprachige Erstaufführung auf die Bühne kam. Dafür gab es begeisterte Kritiken, zu sehen am 13. März.
Einen mitreißenden Abend verspricht auch die Operette "Polnische Hochzeit" von Joseph Beer über ein Verwechslungsspiel. Bis in den Juli rein steht das Stück immer wieder im Programm.
Die "Oper! Awards" werden übrigens am 23. Februar verliehen, noch vor der Erhebung des Hauses vom kommunalen Theater zum Staatstheater. Und am 8. Mai starten hier die Bayerischen Theatertage, bei denen sich bis zum 25. Mai Häuser aus ganz Bayern mit ihren Inszenierungen präsentieren.
(Theater Regensburg, Bayerische Theatertage, 8. bis 25. Mai 2026)
Sieben Stunden Wallenstein in den Münchner Kammerspielen
Mit gleich zwei Aufführungen wurden die Münchner Kammerspiele zum renommierten Berliner Theatertreffen eingeladen. Eine davon ist "Wallenstein", ein sieben Stunden langes Epos nach Friedrich Schiller unter Regie von Jan-Christoph Gockel mit Samuel Koch in der Hauptrolle. Im Zentrum steht aber nicht der Feldherr, der während des Dreißigjährigen Krieges schließlich ermordet wird. Hier ist es Jewgeni Prigoschin, Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, der 2023 bei einem Flugzeugabsturz starb.
Das siebenteilige Stück ist fesselnd inszeniert - es gibt eine Großküche auf der Bühne, auf der auch gekocht wird, passend zum Untertitel "Ein Schlachtfest in sieben Gängen". Es geht ums Kämpfen, um den Schrecken der Kriege, um Unmenschlichkeit, ein hochaktuelles Stück, das auch das Publikum einbindet und Musik und Videoelemente einfügt. Zu sehen ist das Stück wieder am 14. Mai, mit Vorverkauf ab dem 1. April.
(Münchner Kammerspiele, Wallenstein, 14. Mai 2026)
Pumuckl macht die Luisenburg-Festspiele unsicher
Der jüngste Kinoerfolg hat den berühmten Kobold wieder in den Blickpunkt gerückt. Die Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel bereiten dem Pumuckl in dieser Saison auch eine Bühne - und zwar vom 19. Mai an. Erzählt wird die Geschichte, die man noch aus der ursprünglichen Pumuckl-Fernsehserie kennt: Der Schreinermeister Eder lebt und arbeitet allein in seiner Münchner Werkstatt - bis eines Tages ein Kobold am Leim festklebt. Regie auf der Luisenburg führt Veronika Wolff. Außerdem auf der imposanten Felsenbühne zu sehen und zu hören: "The Rocky Horror Show", Dan Browns "Sakrileg" und "Romeo und Julia". Ein Ausflug zur Luisenburg lohnt sich auch, weil Kultur und Natur hier auf besondere Weise verschmelzen: Das beeindruckende Felsenlabyrinth direkt neben der Bühne ist das größte seiner Art in Europa und seit 1. Februar offiziell Bayerns zweites Nationales Naturmonument neben der Weltenburger Enge.
(Luisenburg-Festspiele, Meister Eder und sein Pumuckl, Premiere am 19. Mai 2026)
NS-Dokuzentrum Nürnberg startet auf historischem Gelände
Das Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wird seit Jahren umgebaut, um dem wachsenden Besucherandrang gerecht werden zu können. Offiziell soll die neue Dauerausstellung im November eröffnet werden, doch ab dem 22. Mai öffnet sie bereits im Probebetrieb ihre Türen für Besucherinnen und Besucher.
Auf mehr als 1.600 Quadratmetern erfahren diese dort alles über die Reichsparteitage in Nürnberg und die Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände – und können einen davon teilweise erkunden.
Das Dokuzentrum ist in der Kongresshalle untergebracht, in der Adolf Hitler auf Parteikongressen zu Tausenden Gästen sprechen wollte. Die Nazis haben das monströse Bauwerk aber nie fertig gestellt. Es existiert nur ein Rohbau, der trotzdem als eine der größten baulichen Hinterlassenschaften der Nazis in Deutschland gilt.
(NS-Dokuzentrum Nürnberg, Probebetrieb ab 22. Mai)
Saisonfinale des Augsburger Staatstheaters mit Monty Python
Zum Abschluss der diesjährigen Spielzeit präsentiert das Augsburger Staatstheater das Open-Air-Musical "Monty Python’s Spamalot" (27. Juni bis 31. Juli 2026). Das Stück wurde nach Motiven des Kultfilms "Die Ritter der Kokosnuss" der britischen Komikertruppe geschrieben. Der Monty-Python-Hit "Always look on the bright side of life" darf da nicht fehlen, wenngleich dieser Song aus dem Film "Das Leben des Brian" stammt.
Das Musical macht sich über die Artus-Sage lustig. "König Artus schart die schrägsten Ritter aller Zeiten um sich, um dem göttlichen Auftrag der Suche nach dem Heiligen Gral nachzukommen. Auf dieser Abenteuerreise muss sich die illustre Gemeinschaft mit den absurdesten Widrigkeiten herumschlagen", fasst das Staatstheater den Plot zusammen.
Da die beliebte Freilichtbühne am Roten Tor im Januar wegen Baufälligkeit überraschend geschlossen werden musste, soll das Musical nun auf dem Gelände des alten Gaswerks am Stadtrand gezeigt werden.
(Augsburger Staatstheater, Monty Python's Spamalot, ab dem 27. Juni 2026)
150 Jahre Bayreuther Festspiele im Freien erleben
Auf Tickets für die Aufführungen im Bayreuther Festspielhaus in diesem Sommer braucht niemand mehr zu hoffen - das Festival meldete bereits im Dezember: ausverkauft für die Jubiläumssaison 2026, wenn 150 Jahre Festspiele gefeiert werden. Doch auch abseits des Hauses bietet das Festspiel-Jubiläum viele Gründe, um in die oberfränkische Stadt zu reisen: Zwei Open-Air-Konzerte mit freiem Eintritt und bei lockerer Picknick-Atmosphäre im Park unterhalb des Festspielhauses sind am 24. Juli und am 2. August geplant. Auch die Stadt Bayreuth hat ein Programm auf die Beine gestellt, um ein Jahr lang das Event zu feiern, das die Kommune weltberühmt macht.
(Bayreuther Festspiele, 24. Juli bis 26. August 2026)
Konzerte an jeder Ecke beim Bardentreffen in Nürnberg
Eine Reise wert ist das Bardentreffen in Nürnberg eigentlich immer, doch in diesem Jahr lohnt es sich besonders: Das Open-Air-Festival geht 2026 einen Tag länger und beginnt bereits am 30. Juli. Anlass dafür ist der 450. Todestag des Dichters und Meistersängers Hans Sachs (1494–1576). Um ihn zu ehren, wurde das Weltmusikfestival vor 50 Jahren ins Leben gerufen. Seitdem lockt es nach Angaben der Veranstalter immer am Anfang der Sommerferien viele Tausende Besucherinnen und Besucher an.
Während des Bardentreffens erklingt überall in der Nürnberger Altstadt Musik: Auf acht Bühnen treten Bands aus aller Welt auf, dazu geben zahlreiche Straßenmusiker an vielen Ecken der Stadt Konzerte. Das Repertoire reicht von Weltmusik, Pop, Rap bis zu deutscher Lieddichtkunst - und das alles kostenlos.
(Bardentreffen Nürnberg, 30. Juli bis 2. August 2026)
Immer lohnenswert
Auch noch einen Besuch wert: Etwa in München die Pinakothek der Moderne mit der Sonderausstellung "Reflexion - Licht Spiegel Transparenz", bis 31. Mai), das Museum Brandhorst in München ("Long Story Short - Eine Kunstgeschichte aus der Sammlung Brandhorst von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart", bis zum 31. Januar 2027) oder das Lenbachhaus ("Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter", 10. März bis Frühjahr 2028).
Die Bayerische Staatsoper lädt zur Premiere von Giuseppe Verdis "Rigoletto" (7. März) und das Münchner Residenztheater feiert die Uraufführung von "Abschied" nach einem Roman von Sebastian Haffner (28. März).
Programm zum 450. Todestag von Hans Sachs Homepage Bardentreffen Ausbau NS-Dokumentationszentrum Nürnberg
