Ruhe und ein Punkt dank Hecking - doch die Fans sind bockig
Dieter Hecking bringt Stabilität zurück ins Wolfsburger Spiel, doch der Rückhalt der Fans fehlt noch. Was der neue Trainer jetzt plant und warum ein Sieg gegen Bremen so wichtig wäre. Die Reaktion der Fans passte so gar nicht in das Bild der vom neuen Trainer Dieter Hecking betriebenen Wolfsburger Aufbruchstimmung. Als die VfL-Profis nach dem glücklich erkämpften 1:1 (0:0) bei der TSG Hoffenheim in die Kurve gingen, drehten sich viele Anhänger einfach um. So leicht wollen die Fans den Absturz in die Abstiegszone in der Fußball-Bundesliga nicht verzeihen, zumal der Rückstand zum Relegationsplatz immer noch drei Punkte beträgt. Hecking wollte dem Fan-Thema nicht allzu viel Raum geben, pickte sich - in seiner Situation nachvollziehbar - lieber das Positive heraus. "Es gab auch viele, die sich nicht abgewandt haben. Das darf man nicht verschweigen", sagte Hecking. Nicht schweigend, aber ziemlich leise hatten die Anhänger zuvor das Spiel verfolgt. Zudem war ein Banner mit der Aufschrift "Rückhalt muss man sich verdienen" aufgehängt worden. "Ein guter Punkt" Fairerweise muss man der Mannschaft zugestehen, dass sie in Sinsheim an der Rückgewinnung der Fans gearbeitet hat. Es war nicht schön anzusehen und die Führung durch Konstantinos Koulierakis in der 65. Minute war der erste Abschluss auf das Hoffenheim Tor. Fast hätte Heckings pragmatischer Ansatz sogar zum vollen Erfolg geführt, wäre da nicht der Kopfball von Grischa Prömel sieben Minuten vor dem Ende in die lange Ecke gesegelt. "Wenn man in so einer Situation auswärts einen Punkt holt, ist das grundsätzlich etwas Positives", betonte Hecking. Der 61-Jährige verwies zugleich auf den mentalen Druck seiner Spieler: "Die Jungs sind Menschen und müssen sich in der Situation erst einmal zurechtfinden. Die Erwartungshaltung war vor der Saison eine ganz andere. Deshalb ist das ein guter Punkt." Sollen es aber demnächst drei Punkte werden - bestenfalls bereits kommenden Samstag gegen Werder Bremen - muss vor allem offensiv deutlich mehr funktionieren. Der neue Kapitän Christian Eriksen bemühte sich zwar redlich, dem Wolfsburger Spiel einen Takt zu geben. Doch Pässe in die Tiefe waren in fast allen Fällen zu steil, zu ungenau, zu harmlos. Die beiden Stürmer Mohamed Amoura und Dženan Pejčinović hatten kaum eine Chance, sich in Szene zu setzen. Hoffenheims Offensive ausgebremst Trotzdem kann man dem VfL eine gewisse Effizienz attestieren. Dem Abschluss von Koulierakis folgte nämlich nur ein weiterer von Jonas Wind. Mit einer Trefferquote von 50 Prozent stünde Wolfsburg sicher nicht auf einem Abstiegsplatz. "Wir haben abgeliefert und eine gute Leistung gezeigt", befand Abwehrchef Moritz Jenz. Was insofern stimmte, als dass man die Hoffenheimer Offensive - mit 54 Toren die drittbeste der Liga - kaum zur Entfaltung kommen ließ. Jetzt gehe es darum, sagte Hecking, mit der Mannschaft zu arbeiten. Immerhin steht dem Trainer nun eine ganze Woche zur Verfügung. "Dieter hat es geschafft, dass Ruhe und Zuversicht eingekehrt ist. Das war ein Schritt", sagte Sportdirektor Pirmin Schwegler. Nun muss ein Sieg gegen Bremen folgen, dann dürfte auch der Rückhalt von der Tribüne wieder zurückverdient sein.