Ungewöhnlicher Fall: Schulabschluss mit neun Jahren: Mädchen aus Frankreich verblüfft Pädagogen
Die neunjährige Agnès aus Frankreich ist nicht hochbegabt – und trotzdem hat sie schon jetzt den Realschulabschluss bestanden und könnte in die gymnasiale Oberstufe wechseln. Wie kann das sein?
Jugendliche, die den Realschulabschluss machen und dann vielleicht anschließend die gymnasiale Oberstufe besuchen, sind in der Regel 15 oder 16 Jahre alt. Sie haben zu diesem Zeitpunkt seit zehn Jahren die Schulbank gedrückt, waren vermutlich schon einmal unglücklich verliebt, haben verbotenerweise an einer Zigarette gezogen und hadern mit Pubertätsakne. Aber Regel ohne Ausnahme – und das ist die neunjährige Agnès aus Savoyen in Frankreich. Die hat nämlich schon jetzt das französische Brevet des collèges abgeschlossen, also die Abschlussprüfung nach der Mittelstufe.
Mit einem Ergebnis von 15,85 von 20 Punkten erreichte sie eine bemerkenswerte Leistung und wurde damit zur jüngsten Absolventin dieses Abschlusses in Frankreich. Mit ihrer Punktzahl verpasste Agnès nur knapp die französische Bestauszeichnung „très bien“, die ab einem Ergebnis von 16 vergeben wird.
Mit neun Jahren den ersten Schulabschluss
Normalerweise kennt man solche Geschichten von Schülern mit Hochbegabung, die sich im altersgemäßen Unterricht gelangweilt und unterfordert fühlen und deshalb Klassen überspringen. Agnès aber ist nicht signifikant intelligenter als andere Kinder. Sie hat allerdings anders gelernt als die meisten ihrer Altersgenossen – und sie hat ehrgeizige Eltern.
Hinter ihrem ambitionierten Bildungsweg steht hauptsächlich ihr Vater Nicolas Baldeck. Für ihn war der Prüfungserfolg seiner Tochter nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern auch eine Kritik am französischen Bildungssystem. Er erklärte gegenüber französischen Medien: „Agnès ist kein Genie. Aber wir sind überzeugt, dass unser Bildungssystem die Fähigkeiten unserer Kinder unterschätzt.“
Agnès besuchte nie ein klassisches Klassenzimmer. Seit der Corona-Pandemie wird sie zu Hause von ihrer Mutter unterrichtet. Zuvor war sie auf einer Montessori-Schule. Auf den Abschluss bereitete sie sich unter anderem mit Mathematik- und Französisch-Lehrbüchern aus den 1950er-Jahren vor. Englisch und Russisch spricht sie fließend.
Agnès könnte jetzt in der Oberstufe starten
Für ihre Eltern war der Unterricht zu Hause eine bewusste Entscheidung. Sie wollten zeigen, dass nicht nur außergewöhnlich begabte Kinder, sondern auch Kinder, die mit einer anderen Lernform gefördert werden, besondere Leistungen erreichen können. Das Ergebnis der Prüfung sehen sie als Bestätigung ihrer Methoden. Die Prüfung legte Agnès Ende Juni als Freikandidatin am Collège Garibaldi in Aix-les-Bains ab.
Auf ein Gymnasium wird Agnès dennoch zunächst nicht wechseln. Sie lernt weiterhin zu Hause und verfolgt bereits ein persönliches Ziel: Später möchte sie Designerin werden.
