Leichtathletik-EM: Erfolge sind ein Signal an ganz Deutschland
Die Leichtathletik-EM ist vorbei. Neben beeindruckenden sportlichen Leistungen bot sie auch wichtige Denkanstöße. Wer sechs Wochen zurückspult, erinnert sich vielleicht noch: Fußball-Deutschland liegt nach dem frühen WM-Aus am Boden. Überall Trauer und Tristesse. "Der Sport in Deutschland ist zu nichts mehr in der Lage", das war die vorherrschende Meinung. Dann kam die Leichtathletik-EM in Birmingham und lehrte Sportbegeisterte eines Besseren: Dass nicht der Fußball allein als Gradmesser für den Sport in ganz Deutschland dienen kann und sollte. Und noch viel wichtiger: Dass die vorhandenen sportlichen Fähigkeiten nicht immer gleich totgeredet werden sollten. Denn die Leichtathleten, Schwimmer und Turner haben in der vergangenen Woche gezeigt, was möglich ist. Vor allem: dass deutsche Sportler viel mehr können als das, was viele ihnen hierzulande zutrauen. Es sollte ein Signal an ganz Deutschland sein. Deutscher Weitsprung-Star Mihambo: "Mein Herz tut weh" Mit welchem Spaß und Ehrgeiz, welcher Freude sich die Sportler den Herausforderungen stellten, war beeindruckend. Davon können sich die Fußballer unter Neu-Nationaltrainer Jürgen Klopp in den nächsten Länderspielen gern etwas abschauen. Neben den sportlichen Höchstleistungen (immerhin sind es 21 Medaillen am Ende geworden) war außerdem beeindruckend, mit welcher Klarheit die Leichtathletinnen und Leichtathleten bei der EM Stellung zu kritischen Themen bezogen – obwohl sie nicht einmal danach gefragt wurden. Smilla Kolbe sollte im ZDF eigentlich nur über ihr 800-Meter-Rennen sprechen. Dann jedoch fand sie deutliche Worte gegen Rassismus . "Ich lese so viele Kommentare und freue mich wirklich über den ganzen Support, den wir kriegen. Trotzdem sehe ich unter manchen Athleten in den Kommentarspalten echt krasse Kommentare", sagte Kolbe und fügte hinzu: "Ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin." Es geht hier nicht um eine Abrechnung Eine starke Aussage, mit der sie zu Diskussionen über ein Problem anregte, das weit über den Sport hinausgeht. Auch hier kein Vergleich zu den Auftritten der Fußballstars, die sich bis auf wenige Ausnahmen mit politischen Kommentaren generell eher zurückhalten, weil sie sich nicht angreifbar machen wollen. Es geht hier nicht um eine Abrechnung mit dem Fußball und seinen Stars. Vielleicht aber sollten Letztere öfter mal über ihren Tellerrand schauen. Die deutschen Leichtathleten dienten in den vergangenen Tagen als Vorbilder: offen, sympathisch, authentisch. Damit konnten sie abseits des Sportlichen punkten. Sie verdienen in Zukunft viel mehr Aufmerksamkeit, als man ihnen bisher zugesteht.