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Zuckersteuer: Die Regierung schießt am Ziel vorbei

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Die Bundesregierung will zuckerhaltige Softdrinks teurer machen. Angeblich, um das Übergewicht in der Bevölkerung zu reduzieren. Doch es gibt eine bessere Alternative. In "völliger Überzeugung" stehe er als Finanzminister für die geplante Zuckersteuer auf Softdrinks, sagte Lars Klingbeil nach der Klausur der Bundesregierung in der vergangenen Woche in Neuhardenberg. Treuherzig versicherte er, die Steuer sei "wichtig, um den Schutz von Kindern in unserem Land voranzutreiben." Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte: "Über dieses Thema gibt es keinen Streit. Punkt." Sagen wir es einmal so: Ein bisschen Streit wäre in diesem Fall nicht schlecht. Wenn es der Koalition nämlich tatsächlich um den Kinderschutz und Gesundheitsvorsorge ginge, und nicht um höhere Steuereinnahmen geht, ist die Zuckersteuer sicher nicht die beste Idee. Deutschland ist spät dran Jahrzehntelang war die Steuer auf zuckerhaltige Getränke international die erste Wahl, wenn es um den Kampf gegen Übergewicht und Diabetes-Erkrankungen ging. Deutschland hat die Zuckersteuer zwar erst 1993 abgeschafft, weil sie einem Aufkommen von zuletzt 160 Millionen DM eine ungeliebte Bagatellsteuer geworden war. Schwarz-Rote Steuerpläne: Widerstand gegen Zuckersteuer wächst Koalition stellt klar: Keine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke Andere Länder aber erfanden sie gleichzeitig neu, als neueste und modernste Maßnahme zum Gesundheitsschutz: Unter anderem Norwegen , Frankreich , Mexiko, Finnland , Chile und Großbritannien führten Zuckersteuern ein. Wie fast immer ist Deutschland mit seinen Plänen also spät dran. In diesem Fall sogar zu spät. Denn jetzt gibt es eine bessere Alternative. Kaum eine Abgabe ist in ihrer Wirkung besser untersucht worden. Zwar sank der Zuckerkonsum aus Süßgetränken in fast allen Ländern, die sich für die Besteuerung entschieden. Eine Studie der Universität Cambridge stellte fest, dass die Kinder in Großbritannien im ersten Jahr nach der Einführung der Zuckersteuer 2018 weniger Zucker aus Softdrinks bekamen und gesundheitlich profitierten. Auch ihr Gesamtzuckerkonsum sank kurzfristig. Doch am Übergewichtsproblem änderte die Abgabe in keinem Land etwas. Im Gegenteil: 15 Prozent aller britischen Kinder und Jugendlichen leiden heute unter schwerem Übergewicht, mehr als ein Viertel der Kinder sind zu dick. Tendenz weiter steigend. Weltweit werden Menschen immer dicker Woran es liegt, weiß man nicht so genau. Vielleicht aßen die Leute einfach mehr Kuchen und Kekse, wenn ihnen der Zucker aus der Limonade fehlte. Vielleicht tranken sie gezuckerte Säfte. Möglicherweise gewöhnten sie sich an die höheren Preise und griffen nach und nach wieder öfter zu. Oder es gab neue Produkte, die von den Steuern nicht erfasst waren. Doch auch zusätzliche Werbeverbote und weitere Produktgruppen unter der Steuer brachten im Kampf gegen das Übergewicht nichts. Diese Erfahrung hat Großbritannien nicht exklusiv. In fast allen Ländern der Welt nimmt die Quote der Übergewichtigen weiter zu. Besonders betroffen sind Länder, die wirtschaftlich aufholen, wie Mexiko , Indien und Chile. In den hoch entwickelten Ländern flacht die Kurve ab, doch in keinem Land hat der Trend bisher langfristig belastbar gedreht – egal, ob es eine Zuckersteuer gibt oder nicht. Unter dem Strich ist die Zuckersteuer bisher in keiner Ausprägung überzeugend. Auch noch mehr Informations- und Aufklärungskampagnen, Ernährungstrainings und begleitete Kuren haben nicht gewirkt. Denn sie erreichen vor allem diejenigen, die eigentlich gar kein Problem mit ihrem Gewicht haben. Viele andere sind entweder zu arm, um sich gesund ernähren zu können. Die wissen nicht genug, haben zu wenig Zeit, werden in Gemeinschaftsverpflegungsküchen wie Schul-, Heim- oder Werkskantinen schlecht ernährt, oder sie interessieren sich nicht für ihre Gesundheit. Abnehmspritze für alle? Ginge es der Bundesregierung tatsächlich nicht um den Haushalt und um die erwarteten 500 Millionen bis zwei Milliarden Euro aus der neuen Steuer, könnte sie etwas ganz anderes machen. Sie könnte die Kosten für schwer übergewichtige Menschen die Kosten für die neuen Abnehmspritzen und -pillen übernehmen. Das wäre zurzeit wahrscheinlich unbezahlbar. Carola Reimann, die Chefin des Bundesverbandes der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) schätzt die Belastungen im Gespräch mit der "Pharmazeutischen Zeitung" auf 45 Milliarden Euro im Jahr. Doch die Sache müsste nicht sofort für alle und auf einen Schlag eingeführt werden. Zuerst könnte ein Langzeit-Experiment klären, welche adipösen Menschen eine solche Therapie annehmen und durchhalten. Wenn der Patentschutz für die modernen Mittel in wenigen Jahren nach und nach ausläuft, und die Medikamente preiswerter werden, könnte man die Therapie ausrollen. Dann könnte man nach und nach auch die Einsparungen gegenrechnen, wenn die Menschen gesünder leben. Am Ende gäbe es natürlich immer noch Übergewichtige, Diabetiker und Menschen mit schweren Herz-Kreislaufleiden. Aber vermutlich viel weniger davon. Das wäre schon deutlich mehr als alles, was Zuckersteuern bisher erreicht haben.














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